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Augsburg

12.01.2021

Eine Augsburger Familie erzählt: So ist unser Lockdown-Alltag

Dann wird eben wieder etwas gespielt. Alexandra und Ralf Lanzrath und ihre Töchter Emilia (links) und Feline haben im Lockdown mehr Muße für diesen Zeitvertreib als sonst.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Distanzunterricht, Homeoffice – für viele spielt sich im Lockdown das Leben fast nur zuhause ab. Eine Familie aus Augsburg erzählt aus ihrem Corona-Alltag.

Als unlängst der Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" im Fernsehen gezeigt wurde, hatten weder die Kinder noch die Eltern Lust darauf. Die Lanzraths kommen sich dank Lockdown schon selbst vor, als wären sie in einer Zeitschleife gefangen. Aufstehen, frühstücken, zuhause lernen, arbeiten, spielen, kochen, fernschauen, ins Bett gehen. Jeden Tag. Dauerschleife. Dazu braucht es nicht noch so einen Film. Wie in anderen Haushalten auch, spielt sich das Leben der Augsburger Familie seit einigen Wochen fast nur noch innerhalb der eigenen vier Wände ab. Der Corona-Lockdown bringt schöne Momente mit sich, aber auch Herausforderungen. Und manchmal strapaziert er die Nerven, erzählen die Eltern und ihre beiden Töchter offen. Nur einer in der Familie fühlt sich mit der Ausnahmesituation offenkundig rundum pudelwohl.

Im Corona-Lockdown ist die Augsburgerin Ansprechpartnerin Nummer eins

Die Lanzraths – das sind Mutter Alexandra, 50 Jahre alt, selbstständige Immobilienmaklerin, Vater Ralf, 53, Marketingleiter bei einem mittelständischen Investmentmanager, die Töchter Feline, 13, Gymnasiastin, Emilia 10, Realschülerin, und dann ist da noch Oscar. Fragen kann man ihn nicht, aber der Golden Doodle muss den Lockdown einfach mögen. Es ist immer jemand zuhause, ständig darf er Gassi gehen. "Oscar ist richtig im Glück. Er läuft so viel wie noch nie. Momentan 15 Kilometer am Tag", sagt Alexandra Lanzrath amüsiert. Sie ist in Zeiten von Corona, wie viele Mütter, Dreh- und Angelpunkt der Familie.

Als selbstständige Maklerin konnte die 50-Jährige ihre Arbeit in den vergangenen Wochen einigermaßen flexibel reduzieren, um sich um ihre Töchter zu kümmern, die sich beide zuhause im Distanzunterricht befinden. "Zum Glück konnte meine Frau ihren Job herunterfahren." Ralf Lanzrath weiß das zu schätzen. Andere Familien, in denen beide Elternteile Vollzeit arbeiten müssen, oder Alleinerziehende – dessen ist er sich bewusst – stünden vor einer ganz anderen Herausforderung. Der Familienvater selbst hatte sich vor Weihnachten noch mit Kollegen im wöchentlichen Turnus in der Firma abgewechselt, inzwischen befindet er sich ganz im Homeoffice. Die Lanzraths haben dafür das Gästezimmer in ein Büro umfunktioniert. Da ihre Wohnung offen geschnitten und damit hellhörig ist, kommt es mitunter zu Kollisionen.

Familie im Lockdown: "Pssst – ich bin in einem Call"

"Manchmal höre ich von allen Seiten ein 'Pssst – ich bin in einem Call' ", erzählt die Mutter. "Dann weiß ich gar nicht, wohin ich gehen soll", meint sie und lacht. Humor ist besonders in diesen Zeiten wichtig. Denn durch das ständige Zusammenkleben, erzählen alle vier, gehe man sich schneller auf den Nerv. Manchmal hat Mutter Alexandra Lanzrath die Nase voll.

"Irgendeiner hat immer Hunger. Du hast gerade die Küche sauber, da brät sich der Nächste ein Spiegelei und du kannst von vorne anfangen. Alle fünf Minuten ist irgendwas, weil ein neues Heft gebraucht wird oder die Druckerpatrone leer ist." Im Prinzip sind das alles normale Dinge, das weiß die Mutter natürlich. "Aber das geht den ganzen Tag von morgens bis abends durch", versucht sie zu erklären, warum die derzeitigen Umstände den Alltag manchmal nervig machen. Wenigstens habe sie während der Pandemie das Joggen und Nordic Walking für sich entdeckt. Dann zieht sie die Wohnungstür hinter sich zu, läuft, lässt Dampf ab, atmet durch. Wie gesagt, Hund Oscar profitiert am meisten vom Corona-Lockdown. Er darf natürlich immer mit. Die Töchter sehen die derzeitigen Einschränkungen gelassen.

Feline (links), Emilia und ihre Eltern Ralf und Alexandra Lanzrath hätten zwar gerne wieder mehr Abwechslung im Leben, aber sie wissen zu schätzen, wie gut es ihnen geht.
Bild: Bernd Hohlen

Augsburger Familie: Töchter finden Homeschooling gar nicht schlecht

Die zehnjährige Emilia, die seit diesem Schuljahr auf die Realschule St. Ursula geht, vermisst zwar ihre Schulfreunde, Homeschooling aber findet sie toll. "Da kann ich mir meine Arbeit selber einteilen. Blöd ist nur, dass ich nicht so leicht Fragen stellen kann." Ihre drei Jahre ältere Schwester, die das Maria-Ward-Gymnasium besucht, mag den Unterricht von zuhause aus auch lieber. "Mich motiviert es, mit technischen Geräten zu arbeiten und nicht nur mit Tafelanschriften. Meistens arbeite ich mit dem iPad, dabei lerne ich auch gleich, damit umzugehen", erklärt Feline. Seit dem Herbst treffen sich die Mädchen jeweils nur noch mit einer Freundin. Mit den anderen wird mit dem Smartphone Kontakt gehalten. Wobei Emilia seit dem verschärften Lockdown vor einem kleinen Problem steht. Sie hatte sich bis dahin immer mit einem Zwillingspärchen verabredet. "Beide dürfen jetzt nicht mehr bei mir übernachten", bedauert die Zehnjährige und fügt hinzu: "Dann kann eben nur ich sie besuchen."

Damit der Alltag im Lockdown nicht langweilig wird

Klar, allen fehlt die Abwechslung im Alltag. Das Ausgehen, die sozialen Kontakte, der Sport. Auf ihr Tennis müssen die Kinder verzichten, Feline kann auch nicht mehr in den Ballettunterricht. Alexandra Lanzrath findet es nicht gut, dass ihre Töchter jetzt weniger Bewegung haben. "Zu etwas anderem wie Joggen lassen sie sich nicht motivieren." Sie selbst stelle auch fest, dass der Lockdown eine gewisse Lethargie mit sich bringe. Die Mutter versucht mit kleinen Projekten, die Tage etwas abwechselnd zu gestalten. Sei es, mit den Töchtern die Kinderzimmer neu zu streichen oder die Küche umzuräumen.

"Ich hätte nie gedacht, dass die Kinder mal Spaß daran haben können, die Schubladen sauber zu machen." Auch wenn der Alltag ruhiger geworden ist - und sicherlich auch langweiliger -, genießen die Lanzraths es, mehr Zeit füreinander zu haben. Die Töchter basteln gerne gemeinsam, zu viert wird mehr gespielt als früher: Rummikub, Kniffel oder Uno. "Man musste generell lernen, die Zeit anders zu nutzen", meint Vater Ralf Lanzrath. Bei der Frage, was wichtig sei, habe sich in seinen Augen vieles relativiert.

Trotz allem geht es den Lanzraths gut, sagen sie

Seit der Pandemie wissen es die Lanzraths mehr denn je zu schätzen, wie gut sie es haben. "Man muss sich immer vor Augen halten, wie es anderen Familien geht, die vielleicht Kurzarbeit und finanzielle Sorgen haben." Man habe eine gewisse Demut entwickelt. "Auch wenn der Gedanke an weitere Lockdown-Wochen einen herunterzieht, sind wir dankbar."

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