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Augsburg

12.01.2021

Zwei Drittel der Augsburger Kita-Kinder sind in Notbetreuung

Tanja Schilling kümmert sich um die Kinder in der Notbetreuung der Kindertageseinrichtung St. Elisabeth in Lechhausen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Schulen und Kitas sind geschlossen. Kinder, die keine Betreuung erhalten können, haben Anspruch auf Notbetreuung. Das betrifft 65 Prozent aller Kita-Kinder.

35 Kinder sind am Montag in der Notbetreuung der Kita St. Elisabeth in Lechhausen. Normalerweise besuchen 250 Jungen und Mädchen Augsburgs größte Kindertagesstätte. In den kommenden Tagen rechnet Kita-Leiterin Maria Marberger auch mit noch mehr Kindern, die das Betreuungsangebot während des Lockdowns in Anspruch nehmen. "Die Eltern lassen ihre Kinder zu Hause, wenn es geht. Aber viele können einfach nicht mehr leisten", weiß die Leiterin der katholischen Einrichtung. Etwa weil sie arbeiten oder weil sie neben dem Kita-Kind auch noch ein Grundschulkind beim Homeschooling unterstützen und beaufsichtigen müssten.

Kitas in Augsburg: Viele Kinder in der Notbetreuung

Seit Montag gelten auch in Augsburg die verschärften Lockdown-Regeln: In allen Schulen und Jahrgangsstufen findet bis Ende Januar Distanzunterricht statt. Eine Notbetreuung wird für Kinder der Jahrgangsstufen 1 bis 6 sowie für Schüler der Förderschulen und Kinder mit Behinderungen angeboten. Kindertagesstätten bleiben ebenfalls geschlossen – eine Notbetreuung findet auch dort statt.

Eine genau Angabe, wie viele Augsburger Schulkinder die Notbetreuung in Anspruch nehmen, konnte die Stadt am Montag noch nicht machen. "Das Staatsministerium bittet die Schulen bis Dienstag um eine Rückmeldung und evaluiert, wie viele Kinder die Notbetreuung annehmen", erklärt Bildungsbürgermeisterin Martina Wild (Grüne). Gezielte Rückfragen des Bildungsreferats bei Augsburger Schulen hätten jedoch ergeben, dass der Andrang auf die Notbetreuung "relativ hoch" sei.

Beim Förderzentrum Martinschule befinden sich von 240 Kinder 40 in Notbetreuung. An der Birkenau Grundschule in Lechhausen sind es 47 Kinder und an Grund- und Mittelschule Augsburg-Firnhaberau 50 Kinder. Die Schulen meldeten bislang zurück, dass die Eltern mit der Situation, die Notbetreuung nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn die Betreuung ihrer Kinder nicht anderweitig sichergestellt werden kann, sehr vernünftig und umsichtig umgingen.

Corona in Augsburg: Klassenlehrer müssen ihre Aufmerksamkeit aufteilen

Gerade Schüler, Eltern und Lehrer an Grundschulden werden derzeit vor große Herausforderungen gestellt. Für Lehrer sei durch Corona neben Bildung und Erziehung auch noch das Aufgabenfeld der Betreuung dazugekommen, schildert Martina Keller, Ortsvorsitzende Augsburg-Stadt der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG), einem Berufsverband für Lehrkräfte und Pädagogen. Die Lehrer hätten ihre Schüler im Blick, deren Betreuung gut organisiert sein und in einer ansprechenden Lernatmosphäre stattfinden sollte. "Daneben sollten sie die Möglichkeit haben, dem Distanzunterricht komplett folgen zu können. Allerdings sind viele Augsburger Grundschulen so schlecht ausgestattet, dass sich oft nicht alle ins WLAN einwählen können." Keller betont, dass sich mehr externe Kräfte um die Notbetreuung kümmern sollten. An großen Grundschulen könne die Notbetreuung durch Fachlehrer, mobile Reserven und externe Kräfte gestemmt werden. An kleineren Einrichtungen müssten die Klassenlehrer die Notbetreuung zum Teil mit übernehmen. "Dabei sind sie voll und ganz mit ihrer Klasse gefordert. Die Kinder haben auch den Anspruch darauf", sagt Keller.

Corona-Maßnahmen: Verständnis und vollständige Ablehnung

Der Betreuungsbedarf bei Kindertagesstätten ist noch höher. "Bei den Kitas der freien und städtischen Träger gibt es eine Auslastung von 65 Prozent. Das bedeutet, dass rund zwei Drittel der Kinder in der Notbetreuung in den Kitas sind. Die Situation ist dabei von Kita zu Kita sehr unterschiedlich", sagt Martina Wild. Die Bildungsreferentin sieht sich mit unterschiedlichen Reaktionen aus der Bevölkerung konfrontiert. "Die Bandbreite reicht vom Verständnis für diese Situation bis zur vollständigen Ablehnung der Maßnahmen der Staatsregierung", sagt sie auf Anfrage. Ihr sei bewusst, dass viele Eltern angesichts der langen Pandemiesituation weiterhin Beruf, Familie und Betreuung sowie schulische Begleitung ihrer Kinder in Einklang bringen müssten und dies eine sehr große Herausforderung für alle Familien sei. "Angesichts der immer noch sehr schwierigen Infektionssituation appelliere auch ich daran, wenn möglich die Kinder zu Hause zu lassen, sodass die Kontakte weiterhin reduziert bleiben. Denn wir müssen alle aufeinander Acht geben", betont sie.

Augsburger Kita-Personal kümmert sich zusätzlich um andere Aufgaben

Maria Marberger und ihr Team können in der Kita St. Elisabeth die Notbetreuung derzeit gut schultern. "Wir sind auch mit dem gesamten Stammpersonal vor Ort. Die Kinder werden in ihren gewohnten Gruppen betreut. Es gibt keine Durchmischung", erklärt sie. In den kommenden Tagen soll ein Teil des Personals andere Aufgaben übernehmen. Formulare und Handbücher sollen überarbeitet, ein Angebot für Vorschulkinder erarbeitet und biblische Puppen gestaltet werden. "Wir haben während des ersten Lockdowns damit angefangen. Die sollen erstmals an Ostern zum Einsatz kommen", erzählt die Kita-Leitung. Der Januar werde so schnell vorübergehen. "Wir hoffen nicht, dass es dann noch zwei Monate so geht", sagt sie.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Notbetreuung ist eine wichtige Anlaufstelle in Augsburg

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12.01.2021

2/3 oder 35 von 250? Clickbait Überschriften anstatt seriösem Journalismus?

Permalink
12.01.2021

Lieber Herr B.,

das Lesen des Artikels hilft hier weiter. " "Bei den Kitas der freien und städtischen Träger gibt es eine Auslastung von 65 Prozent. Das bedeutet, dass rund zwei Drittel der Kinder in der Notbetreuung in den Kitas sind. Die Situation ist dabei von Kita zu Kita sehr unterschiedlich", sagt Martina Wild."

Freundliche Grüße

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