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Landkreis Augsburg

13.03.2013

Fangnetz fehlt: Arbeiter stürzt in den Tod

Bei Arbeiten auf einem Dach stürzt Langweid-Foret (Landkreis Augsburg) 2011 ein Arbeiter ab. Der Mann stirbt. Die Staatsanwalt wirft den Auftraggebern des Opfers Mitschuld vor.
Bild: dpa (Symbolbild)

Bei Arbeiten auf einem Dach stürzt in Langweid-Foret (Landkreis Augsburg) 2011 ein Arbeiter ab. Der Mann stirbt. Die Staatsanwalt wirft den Auftraggebern nun eine Mitschuld vor.

Am 18. November 2011 klettert ein Arbeiter einer tschechischen Baufirma auf das Dach einer Lagerhalle im Industriegebiet Langweid-Foret. Er soll dort mithelfen, eine Photovoltaikanlage zu installieren. Am Nachmittag zieht Nebel auf, das Dach wird rutschig. Der Arbeiter möchte Dachplatten kontrollieren, dabei bricht er durch. Er stürzt acht Meter in die Tiefe, schlägt auf dem Boden auf und stirbt.

War der Tod des Mannes die Folge einer kriminellen Schlamperei? Am morgigen Donnerstag wird sich das Amtsgericht Augsburg mit dieser Frage beschäftigen. Es stehen vor Gericht: Der Prokurist der Firma, der die Lagerhalle gehört, der Geschäftsführer der Betreiberfirma der Solaranlage und der Bauleiter des Unternehmens. Alle drei sind wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung angeklagt.

Anklage: Beim Schutz der Arbeiter schlampig vorgegangen

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, bei dem Schutz der Arbeiter schlampig vorgegangen zu sein – und den Tod des tschechischen Arbeiters so mitverursacht zu haben. Der Prokurist und der Geschäftsführer sollen gewusst haben, dass das Dach in marodem Zustand war. Bereits im Frühling 2011 war ein Arbeiter durch das Dach gebrochen, hatte aber schwer verletzt überlebt. Die Anklage wirft den beiden vor, die Arbeiter nicht darüber informiert und nicht genügend Fangnetze installiert zu haben.

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Noch schwerer wiegen die Vorwürfe gegen den Bauleiter. Als die Arbeiter ihn auf die Rutschgefahr hinwiesen, soll er sie ignoriert und verlangt haben, dass sie weiterarbeiten. Zudem hat er laut Anklage persönlich die Anweisung gegeben, ein Fangnetz abzubauen – er brauchte es für eine andere Halle.

Nach dem Sturz des Arbeiters soll der Bauleiter überdies versucht haben, seine Spuren zu verwischen. Laut Anklage instruierte er die übrigen Arbeiter, sie sollten die Planen und Netze wieder anbringen und der Polizei sagen, ihr gestürzter Kollege sei nach Abschluss der Arbeiten noch einmal auf das Dach, um seine Jacke zu holen. Der Bauleiter ist zusätzlich wegen Anstiftung zur Strafvereitelung angeklagt.

„Der Strafrahmen für fahrlässige Tötung liegt bei fünf Jahren“, sagt Roland Fink, Pressesprecher des Amtsgerichtes Augsburg. Die Höchststrafe für Baugefährdung ist ebenso hoch. „Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage aber zum Strafrichter gebracht, nicht zum Schöffengericht“, erklärt Fink. „Urteile dort gehen selten über das Strafmaß von zwei Jahren hinaus.“

Mehrere Todesfälle bei der Montage von Photovoltaikanlagen

Der Todesfall von Langweid war einer von dreien im Jahr 2011 beim Bau von Photovoltaikanlagen. Das erklärt Christian Sprotte, stellvertretender Pressesprecher der Berufsgenossenschaft für Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse.

2011 kam es zu 121 Unfällen bei der Montage dieser Anlagen, 14 davon waren Absturzunfälle. Drei endeten tödlich. „Wenn Absturzsicherungen wie zum Beispiel Fangnetze fehlen, birgt das eine große Gefahr für die Arbeiter“, sagt Sprotte. Die Pflicht, das Gefahrenpotenzial einzuschätzen, liege beim Arbeitgeber, ebenso die Aufgabe, die Gefahren zu beheben.

Bislang schweigen die Anklagten zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Peter Nickl, Strafverteidiger des Geschäftsführers der Firma, erwartet einen umfangreichen Prozess mit vielen Zeugenaussagen und umfassender Sachaufklärung. Er kündigt an, dass sein Mandant vor Gericht Auskunft geben werde. „Ein Schweigen wird es nicht geben.“ Morgen sollen zunächst Kollegen des Toten aussagen. Insgesamt sind drei Prozesstage angesetzt.

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