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Augsburg

18.01.2019

Hunderte schwänzen für den Klimaschutz die Schule

Die Demonstration begann um 11 Uhr am Rathausplatz.
Bild: Silvio Wyszengrad

Mehr als 1000 junge Menschen setzen sich in Augsburg für Klimaschutz ein. Viele kommen, obwohl ihnen von ihren Schulen Konsequenzen drohen.

Ein Ruf war am Freitagvormittag in der Augsburger Innenstadt laut und deutlich zu hören: „Wir sind hier. Wir sind laut. Weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Dazwischen Trillerpfeifen und „Hambi bleibt“ Rufe. In einem eindrucksvollen Protestzug zogen Hunderte Schüler und Studenten vom Rathausplatz aus durch die Innenstadt, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Laut Polizei beteiligten sich zu Spitzenzeiten 1500 junge Menschen an den friedlichen Protesten.

Die Augsburger Schülerdemo war Teil einer bundesweiten Aktion. Unter dem Hashtag FridaysforFuture gingen in über 50 Städten in Deutschland Schüler und Studenten auf die Straße. Vorbild für viele ist Greta Thunberg. Die 16-jährige Schwedin war im vergangenen Sommer freitags nicht in der Schule, sondern demonstrierte in Stockholm für die Einhaltung der Klimaziele und sorgte damit weltweit für Aufmerksamkeit.

Demonstrant in Augsburg: "Es gibt keinen Plan B"

„Sie ist so jung und trotzdem so klar in ihrer Meinung“, sagt Lorena. Sie geht in die Oberstufe am Holbein-Gymnasium und hat die Demonstration in Augsburg gemeinsam mit Flo auf die Beine gestellt. „Wir dürfen unsere Zukunft nicht zerstören“, sagt die Schülerin. Und bevor sich die Demonstranten auf den Weg durch die Augsburger Innenstadt machen, ruft sie ihnen durch das Mikrofon zu: „Wir wollen die Welt retten!“

Flo, der sich den Demonstranten als Veranstalter vorstellt, ist sichtlich nervös. „Ich hoffe einfach, dass alles gut und friedlich abläuft“, sagt der Physikstudent. „Es gibt keinen Plan B für unsere Welt und deshalb stehen wir hier.“

Demo statt Schule: Hunderte Schüler haben sich auf dem Rathausplatz getroffen, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Seid Ihr auch dabei? (Video: Silvio Wyszengrad)

Pubblicato da Augsburger Allgemeine - Augsburg su Venerdì 18 gennaio 2019

Unter den Menschen, die sich um 11 Uhr auf dem Rathausplatz versammelten, war auch der ehemalige Heimatpfleger und Naturschützer Hans Frei. „Ich war neugierig, wie die jungen Leute das Thema aufgreifen“, sagt der 81-Jährige. „Ich finde es toll, was hier für den Klimaschutz passiert.“

Welche Konsequenzen müssen Schüler fürchten, die für Klimaschutz demonstrierten?

Auch Bürgermeister Stefan Kiefer kam, um sich ein Bild zu machen. „Ich finde es bewundernswert, wie viele Schüler sich hier auf den Weg machen“, sagte er. „Natürlich sorgt der damit verbundene Regelverstoß für Diskussionsbedarf.“ Peter Kempf, der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Schwaben, hatte seine Schulen in Augsburg Stadt und Land darüber informiert, dass die generelle Versammlungsfreiheit und das Demonstrationsrecht die Schüler nicht von ihrer Verpflichtung entbinde, den Unterricht zu besuchen. Daraufhin wurden an vielen Schulen Konsequenzen angedroht für alle, die am Freitag dem Unterricht fernbleiben, um zu demonstrieren.

„Egal!“, sagt die 15-jährige Sonja vom Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf. „Mir ist es wichtiger, hier zu sein. Und meine Eltern unterstützen mich dabei.“ Der Vater eines Schülers, der die Schule wegen der Demo schwänzte, sagt: „Wir können nicht verlangen, dass sich unsere Kinder politisch engagieren und Politikverdrossenheit anprangern, aber dann mit Verweisen drohen.“ Den drohenden Verweis nimmt Oberstufenschüler Maximilian in Kauf. „Die älteren Generationen sagen, dass wir jungen Leute nur am Handy hängen und Fastfoodketten unterstützen. Dabei leiden wir unter den Entscheidungen, die von denen getroffen werden“, schimpft der 18-Jährige. „Wir wollen heute ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir da sind.“ Seine Mitschülerin Leonie sieht das genauso: „Wozu für eine Zukunft lernen, die wir nicht haben?“

Kerem Billor von der Gewerkschaft NGG hat selbst schon einige Demonstrationen organisiert und ist begeistert, was die Schüler hier auf die Beine gestellt haben. „Ich finde aber absurd, wie die Regierung von Schwaben versucht, die Demo zu kriminalisieren“, sagt er.

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29 Bilder
Schüler demonstrieren in Augsburger Innenstadt für Klimaschutz
Bild: Silvio Wyszengrad

Aber nicht alle Schulen reagierten mit Androhung von Konsequenzen. Eine fünfte Klasse der Montessorischule Augsburg kam mit ihrer Klassenlehrerin Stefanie Mette auf den Rathausplatz. Die Plakate bastelten die Schüler gemeinsam im Unterricht. Darauf sind die Appelle der Zehn- und Elfjährigen zu lesen: „Weniger Plastik kaufen!“, „Mehr Fahrrad fahren!“.

Nach knapp zwei Stunden ist der Protestzug wieder am Rathausplatz angekommen. Elias, Schüler am Holbein-Gymnasium, spricht in die Menge aus jungen Gesichtern und Transparenten: „Der Kampf für eine bessere Zukunft ist mehr als einmal freitags zu demonstrieren“, mahnt er. „Wir müssen uns überlegen, ob der SUV der Eltern eine geile Karre oder ein fetter Luftverpester ist!“ Dem Jubel nach scheint zumindest für die Menge auf dem Rathausplatz die Antwort klar.

Lesen Sie auch den Kommentar: Demonstration: Danke, liebe Schüler!

Unter dem Stichwort "Fridays for future" hatten Schüler und Studenten in mehr als 60 deutschen Städten zu Protesten aufgerufen. Die Schüler organisieren sich vor allem über WhatsApp-Gruppen.
Video: dpa
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19.01.2019

Nach dem jahrhundertealten Motto „"Non scholae, sed vitae discimus" (Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir) handeln diese Schülerinnen und Schüler goldrichtig. Vermutlich kennen zwar viele nicht das bereits 1908 von Svante Arrhenius entwickelte und danach immer wieder bestätigte Modell, wie und wie stark Treibhausgase unsere Erde erwärmen. Hier kann man sich bei der NZZ Grundlagenwissen anlesen: https://www.nzz.ch/wissenschaft/klimawandel-die-wichtigsten-fakten-im-ueberblick-ld.1420749
Doch vermutlich spüren diese Schülerinnen und Schüler, dass ihre zukünftigen Lebensgrundlagen durch unsere heutigen Treibhausgasemissionen nicht nur gefährdet sondern zerstört werden.
Gut, dass sie protestieren!
Raimund Kamm, Augsburg

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19.01.2019

Wenn das nicht konsequent verurteilt wird, ist das ein weiteres Zeichen des Machtschwundes der Behörden! Ich würde mir einen Artikel von der AZ wünschen, der aufzeigt, wie Lehrer und Schulleiter mit diesem Verstoß gegen diesen doch eher sehr groben Verstoß gegen die Schulordnung vorgehen?

Wenn es den Schülern ein so großes Anliegen wäre, warum sind sie dann nicht nachmittags oder am Wochenede zum protestieren gegangen?

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19.01.2019

Na, da bin ich mal gespannt was es für Konsequenzen gibt? Schüler demonstrieren während des Unterrichtes wie gewerkschaftlich organisiert. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob alle "Demonstranten" auch wussten für oder gegen was sie demonstrierten - Hauptsache dabei gewesen.

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