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Augsburg

28.07.2020

Im Haus Lea in Augsburg finden Frauen Unterschlupf

Schwester Elisabeth Mack ist froh, dass der Treff im Haus Lea zumindest wieder einmal wöchentlich stattfinden kann. Seit einiger Zeit sind die Wohnungen in dem Gebäude an Frauen vermietet, die zuvor ohne festen Wohnsitz waren.
Bild: Peter Fastl

Plus Seit einigen Jahren kommen Frauen in Notlagen im Haus Lea in Oberhausen zusammen. Seit Kurzem leben dort einige von ihnen in einer eigenen kleinen Wohnung.

Das kleine Gartenkonzert der vier Musikstudenten kommt bestens an: Andächtig lauschen die Frauen dem Andante von Bruckner und applaudieren dem Bläserquartett. Doch dann fasst sich Anna ein Herz. „Bitte, spielt irgendwas zum Mitsingen. Ich singe doch so gerne“, sagt die 86-Jährige. Und so schmettert die Seniorin mit ihrer immer noch kräftigen Stimme das Lied „Komm, lieber Mai“ – mitten im Juli.

Corona zwang den Treff im Haus Lea zur Pause

Im Mai hätten Anna und die anderen Frauen gar keine Gelegenheit zu einem Konzert im Schatten der Oberhauser Kirche St. Joseph gehabt. Denn zu diesem Zeitpunkt war der Treff im Haus Lea wegen der Corona-Pandemie komplett geschlossen. „Das war für unsere Frauen wirklich schlimm“, sagt die Ordensschwester Elisabeth Mack. Als Verantwortliche der Straßenseelsorge in der Pfarreiengemeinschaft Oberhausen-Bärenkeller kümmert sie sich um die Besucherinnen, die bis Mitte März jeden Werktag im Erdgeschoss des Gebäudes zum Kaffeetrinken, Essen und vor allem zum Reden zusammenkamen – Frauen in sozialen Notlagen, mit wenigen Kontakten und teilweise ohne festen Wohnsitz.

Der Lockdown zwang Elisabeth Mack dazu, den von ihr ins Leben gerufenen Treffpunkt von einem Tag auf den anderen zu schließen. „Wir haben unseren Besucherinnen noch unsere Essensvorräte mitgegeben. Und das war es dann.“

Die Zwangspause endete vor wenigen Wochen, als die Frauen zum ersten Mal wieder zusammenkamen. Seither ist einmal wöchentlich am Donnerstag von 11 bis 15 Uhr in der Neuhoferstraße geöffnet. Der große Garten ermöglicht es den Besucherinnen, sich an der frischen Luft auf Abstand zu begegnen.

Sechs Wohnungen für obdachlose Frauen in Augsburg

Auch Uschi, 65, sitzt an einem der Tische und lässt sich ein Kompott schmecken. Anders als die anderen Frauen bleibt sie, wenn die Tür im Parterre abgesperrt wird. Seit Herbst lebt sie in einer der sechs kleinen Wohnungen in den beiden Stockwerken über dem Treffpunkt. Ihr gehe es mittlerweile wieder super, sagt Uschi. Als sie im Mai 2019 ihre Wohnung verlor („das Haus sollte abgerissen werden“), stand sie auf der Straße.

Seit August 2018 gibt es ein Übergangswohnheim für obdachlose Frauen in Pfersee. Zuvor mussten sie sich mit Männern städtische Unterkünfte teilen. Das Haus hat die Stadt angemietet.
8 Bilder
Bilder: So leben obdachlose Frauen im neuen Pferseer Heim
Bild: Annette Zoepf

Im Übergangswohnheim in Pfersee fand Uschi Unterschlupf. Als ihr dann die kleine Wohnung in Oberhausen angeboten wurde, sagte sie sofort zu. „Ich bin so froh, dass ich jetzt wieder eine Türe hinter mir zumachen kann“, genießt die 65-Jährige ihre wiedergewonnene Freiheit.

Noch fünf weitere Frauen sind als Mieterinnen im Haus Lea, das der Diözese gehört, untergekommen. Ganz bewusst habe man darauf verzichtet, die sechs Wohnungen dichter zu belegen. „Jede Frau soll zu sich selbst finden können und wieder lernen, in Würde zu wohnen.“ Die Bewohnerinnen hätten alle ihr Päckchen zu tragen und mit Hochs und Tiefs zu kämpfen. Auch Uschi, die die Trennung von ihrem Mann mit ihrem sozialen Abstieg bezahlen musste, war lange am Boden zerstört.

Ziel des Lea-Wohnprojekts ist es, stabiler zu werden, um selbstständig leben zu können. Aufgrund des Wohnungsmangels sei ein rascher Auszug momentan leider utopisch, weiß Schwester Elisabeth.

In Augsburg sind derzeit Plätze für Frauen ohne Wohnung vorhanden

Für Frauen ohne festen Wohnsitz hat sich die Lage in Augsburg trotz allem etwas verbessert. Bis vor wenigen Jahren waren sie gemeinsam mit Männern im Übergangswohnheim Johannes-Rösle-Straße untergebracht. Heute gibt es eine separate Einrichtung in Pfersee, die vom Sozialdienst katholischer Frauen betrieben wird. Momentan sind nicht alle 30 Plätze des „Casa Donna“ belegt. Auch von den 59 städtischen Obdachlosenwohnungen sind nach Auskunft des städtischen Sozialreferats etliche frei.

Eine weitere Unterkunft für insgesamt 25 Personen wird vom Diakonischen Werk ebenfalls in Pfersee betrieben. Acht Frauen haben dort aktuell ein Zimmer angemietet. Die verschiedenen Wohnungen, in denen sich die Bewohner Bad und Küche teilen, sind nach Geschlechtern getrennt.

Geöffnet ist der Frauentreffpunkt im Haus Lea, Neuhoferstraße 1, noch am Donnerstag, 30. Juli, von 11 bis 15 Uhr. Nach der Sommerpause geht es im September weiter. Ab Oktober sind zusätzliche Öffnungszeiten geplant.

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