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Verkehr

11.10.2017

Immer mehr Wildunfälle: Bringt ein Pilotprojekt nun die Wende?

Meist sieht man das Reh erst, wenn es zu spät ist und man es mit dem Auto erfasst hat.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Die Zahl der Unfälle mit Tieren steigt seit Jahren. Auch in der Region. Dagegensteuern wollen die Behörden schon lange. Doch nun hofft mancher auf ein Pilotprojekt in Niederbayern.

Es sind häufig nur Sekundenbruchteile, bis es kracht. Ein Schatten am Straßenrand und schon ist es passiert: Wildunfall. Rund 263.000 wurden im vergangenen Jahr bundesweit gemeldet, davon allein 70.314 in Bayern. Das sind im Freistaat fast 20.000 mehr als noch im Jahr 2007. Die meisten Unfälle mit Tieren ereignen sich im Frühjahr und Herbst, in der Zeit zwischen fünf und acht Uhr morgens und zwischen 17 Uhr und Mitternacht. Und die jährliche Schadenssumme beläuft sich inzwischen auf bis zu 2,4 Millionen Euro.

Gerade am frühen Morgen oder in der Abenddämmerung kommt es oft zu Unfällen.
Bild: Alexander Kaya

Seit langem wird versucht, mit Duftzäunen oder blauen Reflektoren am Straßenrand mehr Sicherheit zu schaffen. Eine signifikante Trendwende wurde aber nicht erreicht. Inzwischen kommt aus Reihen der Politik bereits die Forderung, die Abschussquote für Rehe zu erhöhen, da sie in Bayern mit 75 Prozent in der Unfallstatistik erfasst sind. Dem widerspricht Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler und selbst Revierinhaber in Niederbayern: "Deutlich überhöhte Rehwildbestände haben wir kaum noch."

Wildwechsel: Ein Allheilmittel gibt es nicht

Das bayerische Innenministerium sieht die Hauptursache für die steigenden Unfallzahlen vor allem auch im zunehmenden Straßenverkehr, der nicht an die jeweilige Situation angepassten Fahrgeschwindigkeit und dem geänderten Freizeitverhalten der Menschen, die das Wild immer häufiger stören. Ein Allheilmittel zur Reduzierung der Unfälle gebe es nicht, heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

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Was also ist zu tun? Thomas Schreder, Pressesprecher des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), ist überzeugt, dass Reflektoren und Duftzäune in Kombination durchaus erfolgsversprechend sein können. "An Strecken, an denen jährlich zehn bis zwölf Wildtiere überfahren wurden, konnte die Zahl dadurch deutlich gesenkt werden."

Unterführungen für Rehe: Hilfreich, aber teuer

Ein Pilotprojekt läuft derzeit in Niederbayern. Dort wurden an einem Streckenabschnitt der Staatsstraße 2112 optisch-akustische Wildwarngeräte installiert. Schreder, der auch BJV-Bezirksvorsitzender in Oberbayern ist, spricht jedoch von "kostenintensiven, sehr teuren Einrichtungen." Die beste und effektivste Schutzmethode sind dem Vernehmen nach Zäune mit Grünbrücken oder Unterführungen, die den Tieren sogar ein Queren von Autobahnen oder Schnellstraßen ermöglichen. "Nicht bezahlbar", heißt es vielerorts, da die Brücken bis zu einer Million Euro kosten.

Der Jagdverband plant inzwischen eine weitere Präventionsmaßnahme. An Unfallschwerpunkten sollen zur Warnung vor Wildwechsel größere Poster aufgestellt werden. BJV-Präsident Jürgen Vocke fordert zudem ein Umdenken in der landwirtschaftlichen Nutzung. "Wenn Mais- und Rapsfelder bis direkt an die Straße gebaut werden, steht das Wild, wenn es austritt, eben sofort auf der Fahrbahn."

Auf die Gefahr von Wildunfällen weisen mancherorts Plakate hin.
Bild: Wolfgang Widemann (Archiv)

Aiwanger: Bewegungen der Tiere mit dem Radar erfassen

Freie-Wähler-Chef Aiwanger sieht einen Lösungsansatz für die Reduzierung der Wildunfälle in der technischen Ausrüstung der Autos. Es müsse möglich sein, so der Landtagsabgeordnete, die Bewegungen der Tiere mit Radar zu erfassen und dem Fahrzeuglenker ein Signal zu senden.

Es sei "völlig klar", dass mit dem Ausbau des Straßennetzes und mit immer mehr Verkehrsteilnehmern auch die Zahl der Wildunfälle steige, sagt Herbert Woerlein, SPD-Landtagsabgeordneter aus dem Kreis Augsburg. Woerlein spricht sich dafür aus, den Rehwildabschuss dort zu erhöhen, "wo es vermehr zu Unfällen kommt, oder die Wildbestände zu hoch sind." Die Allgäuer CSU-Politikerin Angelika Schorer sieht dagegen höhere Abschusszahlen allein nicht als Lösung des Problems. Vielmehr müssten die Gegebenheiten in den einzelnen Regionen gezielter geprüft werden, sagt die Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Landtag. "Wir wissen heute genau, an welchen Strecken der Wildwechsel besonders ausgeprägt ist. Darauf müssen wir reagieren."

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