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Augsburg

28.07.2020

Interner Streit: Will die Hochschule Augsburg ihre Kanzlerin loswerden?

Tatjana Dörfler, Kanzlerin der Hochschule Augsburg, steht intern offenbar in der Kritik.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Tatjana Dörfler leitet seit 13 Jahren die Verwaltung der Hochschule Augsburg. Intern hat sie Kritiker. Hinter den Kulissen wird über ihre Zukunft diskutiert.

An der Hochschule Augsburg dürfte es ein bislang einmaliger Fall sein: Dort will man offenbar die amtierende Hochschulkanzlerin Tatjana Dörfler loswerden. Die Juristin leitet seit 13 Jahren die Verwaltung. Ihr Arbeitsstil sorgt hinter den Kulissen seit Längerem für Kontroversen. Jetzt ist das brodelnde Fass übergelaufen. Im Hochschulrat ist nach Informationen unserer Redaktion ein Vorstoß geplant, um dem Streit über ihre Person ein Ende zu machen.

Es dürfte spannend werden in der nicht öffentlichen Sitzung des Hochschulrates am Dienstag. Offenbar soll in dem höchsten Gremium der Hochschule Thema sein, wie man eine Ablösung der umstrittenen Kanzlerin herbeiführen kann. Dem Vernehmen nach will man das Wissenschaftsministerium bitten, die Beamtin zu befördern und damit aus Augsburg abzuberufen. Für die Hochschule wäre dies wohl der einzig mögliche Weg, um die Schlüsselposition freizubekommen. Für eine Versetzung ist das Ministerium in München zuständig, die Hochschule kann darüber nicht entscheiden.

Hochschule Augsburg: Schon früher Wirbel um die Stellenbesetzung

Tatjana Dörfler kam 2007 im Alter von 31 Jahren als neue Kanzlerin an die Hochschule Augsburg. Schon damals gab es Wirbel um die Besetzung der wichtigen Stelle. Der Hochschulsenat hatte einen Wunschkandidaten im Blick. Dieser kam aber nicht zum Zug. Der frühere Wissenschaftsminister Thomas Goppel gab einer Bewerberin aus dem eigenen Haus den Vorzug. Dörfler war zu diesem Zeitpunkt Regierungsrätin im Wissenschaftsministerium. Sie wurde damals als „exzellente Kraft“ gelobt.

An der Hochschule Augsburg brodelt es hinter den Kulissen. Grund ist die Hochschulkanzlerin, die mit ihrem Arbeitsstil viel Kritik auf sich zieht. Jetzt soll offenbar das Wissenschaftsministerium eingeschaltet werden.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Viele erwarteten, dass sie nur einige Jahre in Augsburg bleiben und dann woanders weiter Karriere machen werde. Bekanntlich kam es anders. Die Juristin leitet seit nunmehr 13 Jahren die Verwaltung der Hochschule. Die dreifache Mutter ist seit Kurzem als ehrenamtliche Stadträtin der SPD in Augsburg politisch aktiv. Eine ihrer großen Aufgaben an der Hochschule für angewandte Wissenschaften war zuletzt, den neuen dritten Campus im Hochfeld voranzubringen.

Das Problem: An der Hochschule hat sich Dörfler offenkundig viele Feinde gemacht. Wie zu hören ist, wünschen sich viele Professoren und eine große Mehrheit der gewählten Gremienvertreter, dass die Kanzlerin abgelöst wird. Diverse Vorwürfe stehen im Raum. Kritiker monieren unter anderem schwere Mängel im Personalmanagement und einen demotivierenden Führungsstil.

Arbeitsstil der Hochschul-Kanzlerin sorgt für Kritik

Andere Vorwürfe gehen dahin, dass die Kanzlerin wichtige Entscheidungen verschleppe, was die Entwicklung der Hochschule beeinträchtige. Zwei Beispiele: In einem Fall soll die Kanzlerin die vorgeschlagene Beförderung eines qualifizierten Mitarbeiters aus einem technischen Bereich vier Jahre lang hinausgezögert haben, obwohl eine Stelle vorhanden gewesen wäre. Beförderungen in ihrem eigenen Bereich habe Dörfler dagegen mit Nachdruck betrieben.

Auch ein anderer Fall sorgt für reichlich Ärger. Betroffen ist die studentische Initiative „Starkstrom“. Sie entwickelt Rennautos mit zukunftsträchtigen Technologien – etwa mit Elektroantrieb oder fahrerlosen Assistenz-Systemen. Starkstrom gilt als Vorzeigeprojekt. Bei Wettrennen schneiden die Studenten mit ihren Flitzern teils sehr erfolgreich ab. Offenbar gibt es aber schon seit einigen Jahren rechtliche Probleme mit einer Neuordnung der Kooperationsverträge mit verschiedenen Partnern. Bislang habe die Kanzlerin keine Lösung präsentieren können, während ähnliche Probleme in Teams anderer Hochschulen längst gelöst seien, heißt es.

Was die Kanzlerin Tatjana Dörfler sagt

Auf Anfrage wollte sich Tatjana Dörfler am Montag nicht äußern. „Ich bitte um Verständnis, dass ich mich zu den aufgeworfenen Fragestellungen nicht äußern werde“, teilte sie mit. Es handele sich um hochschulinterne Angelegenheiten, die sowohl Beschäftigte, Kooperations- und Vertragspartner als auch Gremien der Hochschule betreffen. Hierzu dürfe sie – insbesondere als Beamtin – in der Öffentlichkeit nichts sagen. Der Vorsitzende des Hochschulrats, Roland Kreitmeier, hält sich ebenfalls bedeckt. „Zu internen Gremiensitzungen sage ich nichts“. Auch Hochschulpräsident Gordon Thomas Rohrmair war am Montag für unsere Redaktion auf Anfrage nicht erreichbar.

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.07.2020

Diese Vorwürfe sind seit Jahren bekannt, es wäre der Hochschule wohl viel erspart geblieben, wenn man damals vor 13 Jahren den absolut exzellenten Mitbewerber genommen hätte.

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28.07.2020

Ob jemand als Führungsperson geeeignet ist, spielt bei der Besetzung solcher Posten oftmals keine Rolle. Das Personal muss darunter leiden!

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