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Augsburg

31.05.2019

Kampf um historisches Wandgemälde in Gögginger Schule

Dieses Wandgemälde von Franz Hummel in der Grundschule Göggingen-West soll einer Garderobe für die Schüler weichen. Das hängt auch mit neuen Brandschutzbestimmungen zusammen. Es könnte hinter einer Holzverkleidung erhalten bleiben, Aber viele Bürger protestieren gegen diesen Umgang mit dem Kunstwerk, das die Geschichte Göggingens illustriert.
Bild: Andreas Zilse

Die Schulverwaltung möchte, dass Wandbilder des Malers Franz Hummel aus den Fluren der Grundschule Göggingen-West verschwinden. Es gibt dagegen Protest.

Darf man ein historisches Kunstwerk übermalen, um Platz für eine Garderobe zu schaffen? In Göggingen ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob ein Wandgemälde des Künstlers Franz Hummel an der Grundschule Göggingen-West verschwinden soll, um Platz für die Jacken und Schuhe der Kinder zu schaffen. Während das Bildungsreferat die Belange der Schule über die Kunst stellten möchte, laufen Gögginger Bürger und Stadträte gegen dieses Ansinnen Sturm.

Das Wandgemälde, um das es geht, verläuft über mehrere Meter in einem Gang der Schule und stellt die Geschichte des Stadtteils in vielen Einzelheiten dar. Der Maler Franz Hummel stammt aus Göggingen und war nach Recherchen des Gögginger Geschichtskreises unter anderem an der Restaurierung des Deckenbildes im Kleinen Goldenen Saal beteiligt.

Erben des Malers setzten sich für Erhalt des Wandbildes ein

Nach einem Tipp aus dem Hochbauamt schlugen die Gögginger Pro-Augsburg-Stadträtinnen Claudia Eberle und Beate Schabert-Zeidler Alarm. Offenbar sollte im Zuge der Brandschutzsanierung der Schule das Gemälde verschwinden, wie Beate Schabert-Zeidler berichtet. Ende der 90er-Jahre, damals war sie Elternbeirätin, habe man bei der Renovierung noch um das Bild herumgestrichen. „Schulleitung und Elternbeirat war klar, dass es sich dabei um ein historisches Stück Göggingen handelt, das erhalten werden muss“, erinnert sich die Stadträtin. Nach Recherchen von Claudia Eberle habe es bereits 2007 den Wunsch der Schule gegeben, das Wandbild zu überstreichen – damals hätten sich auch Erben von Franz Hummel für den Erhalt des Gemäldes stark gemacht. Es durfte bleiben.

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Doch die Situation hat sich geändert, heißt es aus dem Bildungsreferat. „Unser Fokus beziehungsweise der der Schulverwaltung ist darauf gerichtet, den Augsburger Schulen möglichst ideale und nicht zuletzt sichere Rahmenbedingungen für deren pädagogisches Wirken anzubieten“, erklärt Gerald Federle aus dem Bildungsreferat.

Wandbild mit Sperrholzplatten abdecken

Was bedeutet, die Schule braucht den Platz – Wandgemälde hin oder her. Hintergrund ist, dass im vergangenen Jahr wegen des Brandschutzes die Garderoben aus den Fluren entfernt werden mussten, erklärt Federle. Momentan könnten die Kinder ihre Jacken im Treppenhaus aufhängen – doch das sei keine Dauerlösung. Es sei geplant, die Garderoben erneut in den Fluren und zwar genau vor den besagten Wandgemälden aufzustellen. Neben der „Garderobenproblematik“ drohe den Gemälden auch durch neue Brandschutztüren eine Beschädigung. „Im Zuge der Umsetzung des Brandschutzkonzeptes sind die neuen Garderoben nach heutigem Kenntnisstand alternativlos in den Fluren und im Bereich der Bemalung aufzustellen“, betont Federle. Wenn die Kunst unbedingt erhalten werde soll, müsste sie mit Sperrholzplatten abgedeckt werden – was mit 10000 bis 20000 Euro zu Buche schlagen dürfte.

Kritik am Bildungsreferat

Stadträtin Schabert-Zeidler plädiert dafür, eine andere Lösung für die Garderoben zu finden und die Kunstwerke nicht nur zu erhalten, sondern zu restaurieren. Nur zur allergrößten Not könnte sie sich die Lösung mit der Holzabdeckung vorstellen. „Warum das Bildungsreferat so unsensibel mit der Gögginger Geschichte umgeht, ist mir ein Rätsel“, so Schabert-Zeidler.

Die Gögginger Vereine und Organisationen (Arge) haben eine Resolution zum Schutz des Wandgemäldes verabschiedet. „Die Kunstwerke von Franz Hummel sind zu erhalten und gegebenenfalls zu restaurieren, da sie die Geschichte Göggingens darstellen und deshalb ein wichtiges Zeitdokument sind“, heißt es dort unter anderem. Bürger wie der Altstadtrat Wolfgang Kronthaler fordern ebenfalls Erhalt und Restaurierung des Freskos. „Es wäre unverschämt, wenn man dieses wunderbare Gemälde übermalen würde“, so der Gögginger.

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