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Augsburg

04.12.2019

Klimaschutz: Augsburger Schulen wollen auf das Fliegen verzichten

Viele Augsburger Schulen haben Flugreisen so gut wie gestrichen. Nur der Austausch mit der US-Partnerstadt Dayton lässt sich praktisch nicht anders machen.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Auch in Augsburg demonstrieren Tausende für mehr Klimaschutz – und gegen Flugreisen. Das hat auch Folgen für die Reisepläne der Schulen.

Seit Monaten gehen Schüler in der gesamten Republik auf die Straße und treten in den Klimastreik. Zuletzt waren es am vergangenen Freitag rund 2000 Demonstranten, die sich trotz Regen in der Augsburger Innenstadt versammelten. Am Freitag streiken und am Montag drauf für die Studienfahrt ins Flugzeug nach Italien steigen? Das passt für einige Schulen in Augsburg nicht mehr zusammen. Deshalb haben mehrere Schulen in den vergangenen Monaten ihre Richtlinien für derartige Fahrten geändert. Das Ziel ist: Es soll möglichst ohne Flugzeug gehen. Ganz aufs Fliegen verzichten will aber keiner.

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Betroffen von der Klima-Debatte sind vor allem die weiterführenden Schulen, besonders stark die Gymnasien. So wie etwa das Jakob-Fugger-Gymnasium. Dort wurde 2019 erstmals ein Jahresmotto ausgerufen, es lautet „Nachhaltigkeit“, wie der stellvertretende Schulleiter Camillo Walcher erklärt. „Da war dann auch sofort allen klar, dass wir auf Flugreisen verzichten müssen, wenn wir das glaubhaft vertreten wollen.“ Konkret bedeutet das, dass die Ziele für die Studienfahrten der zwölften Klassen nun so gewählt werden, dass sie auch mit Zug oder Bus erreichbar sind. Statt mit dem Flieger zum Jakobsweg oder zur geologischen Exkursion nach Sizilien geht es nun zum Segeltörn ans IJsselmeer, nach Paris oder Wien.

Nur nach Dayton fliegen die Augsburger

Einzige Ausnahme ist der Schüleraustausch mit der Augsburger Partnerstadt Dayton in den USA. „Da müssen wir weiterhin fliegen.“ Bei einem Flug über den Atlantik wird pro Passagier mehr als drei Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 in Deutschland lag 2017 bei 8,7 Tonnen im Jahr. Der Anstoß für die neue Richtlinie, sagt Camillo Walcher, sei aus dem Lehrerkollegium gekommen – mit ausgelöst durch die Fridays-for-Future-Bewegung. Er erklärt aber: „Wir haben auch einige dort engagierte Schüler, die das auf ihrem Wunschzettel hatten. Wir haben das dankbar aufgenommen und darüber abgestimmt.“

Klimaschutz: Augsburger Schulen wollen auf das Fliegen verzichten

Eine ähnliche Regelung gibt es seit einiger Zeit auch am kirchlichen Maria-Ward-Gymnasium. „Wir haben zum Schuljahr 2018/2019 beschlossen, dass wir Flugreisen einschränken wollen“, sagt Schulleiterin Susanne Kofend. Doch ganz darauf zu verzichten sei etwa beim Austausch mit Kanada nicht möglich. Auch nach Spanien ist eine Schülergruppe noch geflogen. „Aber immer dann, wenn wir fliegen, unterstützen wir Umweltprojekte, damit der ökologische Fußabdruck möglichst klein ist. Das bieten uns die Reisebüros oft schon bei der Buchung an“, sagt Kofend.

Die Folgen von Fridays for Future in Augsburg

Das Stetten-Institut hat schon vor mehreren Jahren beschlossen, dass die Ziele von Schülerfahrten entweder mit dem Bus oder mit der Bahn erreichbar sein müssen. „Bei Abiturfahrten haben wir die Ziele entsprechend eingeschränkt“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Petra Zinnert Fassl. Ursprünglich seien einige Schülerinnen von der Entscheidung enttäuscht gewesen. „Aber mit der Fridays-for-Future-Bewegung ist das Thema auch stärker ins Bewusstsein der Schüler gerückt und sie haben jetzt mehr Verständnis für diese Regelung.“

Augsburg for Future - Kundgebung und Demonstrationszug für den Klimawandel
37 Bilder
Augsburg for Future - Bilder von Kundgebung und Demo
Bild: Klaus Rainer Krieger

Auch am Gymnasium bei St. Stephan haben sich Schulleitung und Elternbeirat schon mit dem Thema beschäftigt. Je nach Jahrgangsstärke gibt es dort laut Schulleiter Bernhard Stegmann in der 12. Jahrgangsstufe bis zu vier Studienfahrten, die die Schüler nach Großbritannien, Frankreich, Rom und Griechenland führen. Für die beiden letzteren Ziele nehmen sie aktuell den Flieger. Im Fall von Rom, weil vor einiger Zeit eine günstige Zugverbindung weggebrochen ist, bei Griechenland deshalb, weil die Schüler mit dem Bus zuletzt vier Tage auf der Strecke gewesen seien. „Das war nicht mehr zumutbar. Beim letzten Mal kam dann noch ein Fährstreik dazu. Die Rahmenbedingungen sind da einfach so, dass wir uns entschieden haben, dorthin auch weiterhin zu fliegen.“

Nicht wie Greta Thunberg ins Segelschiff

Keinen Handlungsbedarf sieht man bislang am Peutinger-Gymnasium. „Unsere Austauschfahrten funktionieren in der Regel sowieso schon ohne Flugzeug. Und den Austausch mit den USA, den es alle zwei Jahre gibt, werden wir nicht auf das Segelboot verlegen“, sagt Schulleiter Stephan Lippold. Die schwedische Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg hat in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal für eine USA-Reise den Atlantik mit einem Segelboot überquert. Am Dienstag kam sie mit einem Schiff in Portugal an, um von dort aus weiter zur Klimakonferenz in Madrid zu reisen. Am Maria-Theresia-Gymnasium gab es bisher noch keine Regelung zum Thema Fliegen. Doch auch hier zeigt die Fridays-for-Future-Bewegung ihre Wirkung. Wie Schulleiter Jürgen Denzel erklärt, beschäftigt sich das Schulforum mit der Frage, wie umweltverträglich die Schülerfahrten sind – und sein sollen. "

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