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Serie(Folge 33)

26.05.2015

Mit Kuli, Aquarell und Laptop kreativ

Die von Verena Kandler erschaffenen Traumwelten wirken melancholisch und düster, strahlen aber nie Kälte aus.
Bild: Benjamin Reif

Die Kunststudentin Verena Kandler stellt erstmals in Augsburg ihre Werke aus

Sie hat keine Scheu. Verena Kandler geht zu einem Bild, das an der Dachschräge ihrer Studentenbude hängt. Es heißt „Hör mich brennen“– ein surrealistisches Werk, ein Mensch verschmilzt mit einem Haikopf, Flammen lodern wie Mosaiksteine nach außen. Kandler zeigt auf die Schattierungen. Sie sind mit schwarzem Kugelschreiber aufgetragen. „Für die meisten Künstler wäre das wohl ein Tabu“, sagt die 20-Jährige und lächelt.

Solche Hemmungen hat die Kunststudentin aus Bobingen nicht. Ihre Werke entstehen mit Aquarellfarben, Buntstiften, Kugelschreibern und werden von ihr oft digital nachbearbeitet. Nun sind einige ihrer Arbeiten in zwei Ausstellungen in Augsburg zu sehen. Ab 13. Juni hängen Werke von ihr im Provino Club, vom 30. Juni bis 30. Juli auch im Abraxas Theater. „Ich habe die Veranstalter einfach angesprochen und ihnen meine Werke gezeigt. Man darf als Künstler keine Berührungsängste haben, wenn man seine Bilder präsentieren will“, sagt Kandler. In der doch überschaubaren Augsburger Kunstszene kenne man sich sowieso.

Als junges Mädchen malte Kandler Motive aus Disneyfilmen ab und bastelte aus mehreren Bildern eigene Bücher. Sie erhielt dafür stets Ermunterungen von Lehrern, Familie und Freunden. Bald war klar, dass die Kunst einen festen Platz in ihrem Leben bekommen sollte. Sie schrieb sich an der Augsburger Universität für Kunstpädagogik ein; derzeit ist sie im dritten Semester.

Von den Disneymotiven hat sich ihre Kunst mittlerweile entfernt. Die allermeisten Werke sind in dunklen Farbtönen gehalten – schwarz, dunkelblau, karmesinrot. Als thematischer roter Faden zieht sich die Nacht und darin wurzelnde Traumwelten durch das Werk. Und Tiere. Diese sind oft zusammen mit Menschen abgebildet. So dicht, dass die Grenze zwischen Tier und Mensch zuweilen verschwimmt. Genau das ist Kandlers Hintergedanke. „Ich habe mich Tieren schon immer sehr verbunden gefühlt“, erzählt sie. „In meinen Bildern will ich darstellen, dass wir den Tieren nahe sind. Die Gemeinsamkeiten verschmelzen.“ In ihrem Bild „Weißheit“ beispielsweise wächst aus dem Zopf einer jungen Frau ein Schwan, der mit einem Baum verschmilzt.

Normalerweise sei ein Bild von ihr in drei bis fünf Stunden fertiggemalt, von der Grundidee bis zum Schluss, sagt Kandler. Dafür hat sie unter Mitstudenten den Ruf einer Schnellschaffenden. Doch es kommt auch vor, dass sie länger braucht. Bis zu zwei Monate kann der Schaffensprozess ebenfalls dauern. Inspirationen für ihre Kunst sammelt die Studentin überall. In Büchern, beim Fotografieren in der Natur, in Filmen. Die erklärte Cineastin ist Liebhaberin dunklerer Filme wie denen des exzentrischen Dänen Lars von Trier. Wie der Regisseur es seinerseits mit seinen bizarren Filmen hält, schließt auch Kandler nicht aus, durch ihre melancholischen Bilder etwas unterbewusst zu verarbeiten. Andere Maler hingegen beeinflussen ihr Schaffen kaum. „Ich mag den Surrealismus, Werke von Max Ernst oder René Magritte. Vorbilder in diesem Sinne habe ich keine in der Kunstwelt.“

Über ihre ersten Ausstellungen vor heimischer Kulisse freut sich Kandler sehr – besonders, weil sie viele ihrer Bekannten einladen kann. Sie hatte bereits eine Ausstellung in Leipzig, zu der nur wenige Leute aus Augsburg kamen. Deshalb wird das „Heimspiel“ ein besonderes Ereignis ihrer noch jungen Künstlerkarriere werden. Doch auch der nächste Ausstellungstermin ist schon in Planung. Der ergab sich durch ihre zweite große Leidenschaft – das Reisen. Durch Kontakte bekam die Bobingerin die Gelegenheit, eine Galerie in Gort Galway in Irland mit ihren Werken zu bestücken.

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