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Medizin

13.12.2019

Nach der Attacke in Augsburg: Wie kann ein Schlag tödlich sein?

Nach der tödlichen Attacke auf einen 49-Jährigen am Königsplatz in Augsburg zeigt die Polizei verstärkt Präsenz.
Bild: Annette Zoepf

Bei der Gewalttat auf dem Augsburger Königsplatz starb das Opfer nach Angaben der Ermittler durch einen einzigen Fausthieb. Ein Neurochirurg ist skeptisch.

Kann man einen Menschen mit einem einzigen Faustschlag töten? Diese Frage beschäftigt seit dem Tod des 49-jährigen Neusäßers auf dem Augsburger Königsplatz vor einer Woche noch immer viele Menschen. Der Mann war etwa 50 Minuten nach dem Schlag im Krankenwagen gestorben. Der 17-jährige Haupttatverdächtige sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft, ebenso seine sechs mutmaßlichen Mittäter.

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Zur genauen Todesursache schweigt das Institut für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilian-Universität in München bislang. Dort wird das Opfer untersucht: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich zu einem aktuellen Fall aus unserem Haus am Anfang der Untersuchungen nicht äußern möchte“, sagte Professor Matthias Graw, Vorstand des Institutes, unserer Redaktion. Die Polizei hatte Anfang der Woche mitgeteilt, dass der Fausthieb so wuchtig gewesen sei, dass der 49-Jährige in direkter Konsequenz daran gestorben sei.

Tödliche Attacke: Opfer starb nach einem Schlag

Ein erfahrener Traumatologe bezweifelt das nun. Dr. Martin Strowitzki ist seit 2011 Chefarzt der Neurochirurgie an der Unfallklinik Murnau, mit rund 550 Betten eines der größten Traumazentren in Süddeutschland. „Ich habe schon darüber nachgedacht, wie es nach einem einzigen Schlag zum Tod des Mannes kommen konnte – ohne natürlich die Details näher zu kennen“, sagt Strowitzki auf unsere Nachfrage. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das direkt mit dem Fausthieb zu tun hat.“ Dazu reiche sozusagen die physikalische Gewalt eines solchen Schlages nicht aus. „Ich vermute eher, dass das Opfer letztlich doch irgendwie mit dem Kopf auf den Boden geprallt ist. Und dieser Aufprall könnte durchaus ausreichen.“ Durch die Härte des Untergrundes auf dem Königsplatz.

Ein 49-jähriger Feuerwehrmann ist am Freitagabend am Königsplatz in Augsburg von einer Gruppe junger Männer attackiert worden und ums Leben gekommen. Gerhard Zintl, Leiter der Augsburger Kriminalpolizei, und Rolf Werlitz, Leitender Oberstaatsanwalt, berichten im Video über die Hintergründe und den Stand der Ermittlungen.
Video: Sandra Liermann

Grundsätzlich seien dann zwei Todesursachen denkbar: „Einmal kann es sein, dass durch einen Schädelbruch Gefäße einreißen und es zu einer arteriellen Blutung im Kopf kommt. Das kann dann sehr schnell zum Tod führen.“

Die andere mögliche Ursache sind Hirnquetschungen. Dadurch schwillt das Hirngewebe an. „Wenn dann eine kritische Größe überschritten ist, findet keine Blutversorgung des Gehirns mehr statt. Es klemmt sich sozusagen selbst von der Blutversorgung ab und stirbt.“ Zwar habe es noch Kompensationsräume, wodurch das Hirnwasser in Richtung Rückenmark gedrückt würde. „Aber irgendwann ist dieser Kompensationsraum nicht mehr ausreichend.“

Die Rechtsmedizin schweigt zur Todesursache

Der Neurochirurg ist sich recht sicher, dass auch eine anhaltende Reanimation des Opfers nichts geholfen hätte. „Dann wäre der Mann hirntot in die Klinik gekommen.“ Immer denkbar sei in solchen Fällen als Todesursache auch eine unbekannte Vorschädigung. Etwa ein Aneurysma, also eine Aussackung eines Blutgefäßes im Kopf, das platzen könnte. „Doch das ist natürlich reine Spekulation“, betont Strowitzki.

Er sagt, dass der Tod durch Faustschläge gegen den Kopf „extrem selten“ sei. „Solche Fälle können auch wir hier in der Unfallklinik pro Jahr an einer Hand abzählen.“ Viel häufiger komme es zu Schädel-Hirn-Traumen im Zusammenhang mit Unfällen im Straßenverkehr, beim Sport oder im Haushalt.

Übersicht: Alle Artikel zur tödlichen Attacke in Augsburg auf einen Blick

In einer aktuellen Folge unseres Podcasts erklärt Reporter Stefan Krog die Hintergründe der Tat am Königsplatz – und erzählt, wie Journalisten mit dem Fall umgehen. Den Podcast "Augsburg, meine Stadt" finden Sie auf Spotify, iTunes und überall sonst, wo es Podcasts gibt.

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18.12.2019

Wenn sich die "Rechtsmedizin" dann, wenn die AA einen Artikel bringen will, nicht äußern will, so gibt man eben einem Außenstehenden Gelegenheit, Vermutungen ("ohne natürlich die Details näher zu kennen") und auch "reine Spekulation" von sich zu geben.

Das passt doch nicht zu dem Credo "Schreiben was ist" !

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15.12.2019

Sind sie nicht schön die Wiedersprüche?
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass das direkt mit dem Fausthieb zu tun hat.“ Dazu reiche sozusagen die physikalische Gewalt eines solchen Schlages nicht aus.
Und dann: Er sagt, dass der Tod durch Faustschläge gegen den Kopf „extrem selten“ sei. „Solche Fälle können auch wir hier in der Unfallklinik pro Jahr an einer Hand abzählen.“
Also ist es doch nicht unmöglich, durch einen entsprechenden Schlag am Kopf zu Tode zu kommen.
Traurig genug, dass solche Fälle pro Jahr überhaupt an der Hand abgezählt werden können. Es darf deshalb überhaupt nicht zu Todesfällen kommen!

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