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Augsburg

19.10.2017

Sie wollen ihre Parkplätze zurück

Werner Offenwanger, Wolfgang Kneißl und Adrian Vladescu (von links) haben noch Fotos aus der Zeit, als in der Deutschenbaurstraße vor ihrer Haustür noch geparkt werden konnte.
Bild: Annette Zoepf

Die Stadt will mit den Schutzstreifen in der Deutschenbaurstraße in Pfersee einen Beitrag zum Projekt Fahrradstadt 2020 leisten. Wie die Anwohner die Situation beurteilen.

Wolfgang Kneißl fährt gerne Rad. Doch über den gestrichelten Schutzstreifen, der seit einem knappen Jahr auf der Fahrbahn direkt vor seiner Haustür in der Deutschenbaurstraße 28 beginnt, ist er alles andere als glücklich. Denn für den Radweg fielen auf dieser und der gegenüberliegenden Seite insgesamt 32 Autostellplätze weg. Für die Anwohner ringsum sei das eine Katastrophe, sagt der Rentner. Der Grund: Nur wenige besitzen bei ihren Häusern Parkplätze in ober- und unterirdischen Garagen.

Supermarkt will abschleppen

Schon vor der Schutzstreifen-Ära waren Stellplätze in dem Viertel in Pfersee-Nord Mangelware. Kneißl zeigt ein Foto aus dieser Zeit, als die Autos noch zwischen der Hausnummer 28 und der Einmündung Koboldstraße und auf der anderen Seite zwischen Autohaus und Wilhelm-Wörle-Straße dicht an dicht geparkt waren. Jetzt sei die Suche nach einem Stellplatz vor allem abends und nachts schier aussichtslos, was vor allem für Schichtarbeiter wie Adrian Vladescu zum Problem wird: „Wenn meine Frau und ich von der Spätschicht heimkommen, finden wir hier nichts mehr.“ Anwohner, die in ihrer Verzweiflung ihr Auto auf dem nahe gelegenen Parkplatz des Supermarkts abstellten, lassen das mittlerweile bleiben. „Wir haben Zettel an der Scheibe vorgefunden, dass unsere Fahrzeuge künftig abgeschleppt werden“, sagt Norbert Stetter.

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Zu Zetteln hat auch Nachbar Kneißl gegriffen. Er sammelte im Quartier 180 Unterschriften für den Erhalt der Parkplätze und übergab sie Oberbürgermeister Kurt Gribl „höchstpersönlich bei einem Gesprächstermin“. Denn momentan ist der gestrichelte Schutzstreifen noch in gelber Farbe auf die Fahrbahn gepinselt als Zeichen für ein Provisorium. Im Rahmen des Projekts „Fahrradstadt 2020“ will die Verwaltung den Verkehrsversuch in den dauerhaften Bestand übernehmen und in der Deutschenbaurstraße zwischen Stadtberger und Spicherer Straße beidseitig Schutzstreifen markieren. Der Tagesordnungspunkt stand bereits im September auf der Tagesordnung im Bauausschuss. Weil die SPD noch Klärungsbedarf sah, wird das Thema nochmals am Donnerstag behandelt.

Lücke wird geschlossen

In der Gesamtabwägung ist die Stadt der Meinung, dass die wegfallenden Parkplätze in der Deutschenbaurstraße trotz der Engpässe abends und nachts verschmerzbar sind. Mit den Schutzstreifen werde eine vorhandene Lücke im Radwegenetz geschlossen. Die Deutschenbaurstraße sei eine Verbindungsachse zwischen Pfersee und Kriegshaber und eine wichtige Radverkehrsverbindung nach Osten aufs Dierig-Areal.

Die Bauverwaltung stützt sich bei dieser Argumentation auch auf eine am 27. Juli erfolgte Zählung von Radfahrern zwischen 6 und 10 Uhr und dann wieder zwischen 15 und 19 Uhr. Demnach waren in den acht Stunden in beiden Richtungen insgesamt 175 Radfahrer in der Deutschenbaurstraße unterwegs. Aufgrund des kühlen Wetters an diesem Tag geht die Stadt jedoch von höhren Zahlen an Tagen mit besserer Witterung aus. Das bezweifeln Wolfgang Kneißl und seine Mitstreiter. Sie berichten von eigenen Zählungen, bei denen sie in diesem Teil der Deutschenbaurstraße nur sehr wenige Radfahrer gesehen hätten. Die Gründe: „Viele Radfahrer benutzen den neu angelegten Weg vom Westfriedhof in Richtung Palladio-See oder sie nehmen die Spicherer Straße, um ins Pferseer Zentrum zu gelangen.“ Oder sie weichen verbotenerweise auf den Fußweg aus, wie beim Ortstermin mit AZ vor Ort zweimal geschehen.

Tempo 30 als Lösung?

Der Unterschriftensammler schlägt vor, in der Deutschenbaurstraße Tempo 30 einzuführen – wie in einigen umliegenden Straßen umgesetzt. Denn damit könnten nicht nur die Radfahrer mit dem Autoverkehr auf der Fahrbahn „mitschwimmen und die Stellplätze erhalten bleiben, sondern es würde auch noch ein anderes Problem beseitigt: schnelles Fahren „Bei meinen Hausbesuchen vor der Bundestagswahl haben Anwohner geklagt, dass seit dem Wegfall der Parkplätze die Autofahrer auf der jetzt breiteren Deutschenbaurstraße viel mehr Gas geben“, sagt SPD-Stadträtin Angela Steinecker.

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Die Diskussion ist geschlossen.

19.10.2017

Ich finde alleine die Überschrift den Knaller: "Sie wollen ihre Parkplätze zurück". Liebe Damen und Herren Anwohner, wo genau steht eigentlich geschrieben, dass das "eure" Parkplätze seien? Das ist öffentlicher Grund. Der gehört also im Prinzip uns allen gleichermaßen. Warum genau glaubt ausgerechnet ihr ein exklusives Recht zu besitzen, diesen öffentlichen Grund für die Lagerung eurer privaten Gegenstände zu benutzen? Zahlt ihr da Pacht, Miete, oder wie sieht das aus? Woher kommt diese Anspruchshaltung? Ich kann ja verstehen, dass man nicht gerade einen Freudentanz aufführt, wenn einem die Allgemeinheit eröffnet, dass sie ihren Grund ab sofort nicht mehr für die Lagerung privater Gegenstände zur Verfügung stellt. Wenn man den Blechhaufen schon an der Backe hat, wohin denn dann damit? Aber genau da liegt ja der Hase im Pfeffer: Das sollte man sich vor der Anschaffung eines solchen genau überlegen. Denn ein Anrecht darauf gibt es einfach nicht. Das ist allenfalls Nettigkeit der Öffentlichkeit, wenn man das darf.

Denn de factor nimmt man etwas in Beschlag, das einem nicht gehört, wenn man im öffentlichen Raum parkt. Ich würde gerne mal sehen, was ihr dazu sagen würdet, wenn auf ein mal einer euren Treppenaufgang für die Lagerung seiner Gegenstände her nimmt. Oder gleich eure Wohnung. Da würde sofort (und zu recht) gefragt werden, mit welchem Recht derjenige das macht. Und natürlich um Unterlassung gebeten. Ich gebe die Frage an euch weiter: Mit welchem Recht, glaubt ihr, könnt ihr annehmen, dass dieser Raum euch automatisch auf dem Silbertablett serviert werden soll? Nicht, dass ich ein Freund von Schutzstreifen wäre. Aber diese Selbstverständlichkeit, die finde ich anmaßend. Die Straße ist in aller erster Linie mal dafür da, dass man einen Weg vorfindet, von A nach B zu kommen. Und zwar für alle, nicht nur für Autofahrer. Alle anderen auch. Und nicht dafür, dass man dort was abstellt.

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19.10.2017

Nunja. Es ist ja nicht so, dass Fahrradfahrer ihre Fahrräder nie irgendwo abstellen ;-)

Da gilt dann natürlich dasselbe: Woher nehmen diese das Recht, am Bahnhof sämtliche Gehwege vollzustellen....

Warum sollten vor Freibädern oder Veranstaltungsorten Fahrradständer bereitgestellt werden - auch noch kostenlos?

Ob die Überschrift wirklich eine Formulierung der Anwohner ist, ist auch nicht so sicher.

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19.10.2017

Wenn sich der Radfahreranteil in Augsburg erhöht würden weniger Autos zugelassen und auf den Straßen stehen und die Herrschaften können leicht andere Plätze finden. Überall wird nur gemotzt damit der Blechhaufen von Steuergeld bezahlte 6qm Asphalt bekommt. Wem das Auto so lieb ist, der kann auch einen kurzen Fußmarsch von der nächsten Parklücke nach hause nehmen oder eben wer Grund besitzt eine Einfahrt anlagen und auf der eigenen Fläche parken.
Eigene PKWs sind kein Grundrecht und in Augsburg für den Mehrheit der Einwohner einfach durch Alternativen zu ersetzen.
Tempo 30 neben parkenden Autos ist eine schlechte Idee. Aufgehende Autotüren. Unübersichtlich kreuzende Passanten zwischen Autos. PKWs die sich so gut wie nie an die Beschränkung halten. Also eher eine Verschlechterung für den Radverkehr.

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19.10.2017

Unsinn! Mehr Radfahrer heißt noch lange nicht weniger Autos. Begründung erspare ich mir.

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