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Augsburg

06.11.2017

Sind die Mahngebühren für Bücher zu hoch?

Die vierte Mahnung kann richtig teuer werden. Dann sind in Augsburg 75 Euro fällig.
Bild: Annette Zoepf

Wer seine Literatur in der Unibibliothek nicht rechtzeitig zurückgibt, muss zahlen. Das kann bis zu 75 Euro kosten. Was Augsburger Studenten davon halten.

Wer ein ausgeliehenes Buch zu spät in die Universitätsbibliothek zurückbringt, muss Mahngebühren bezahlen. Die Preise in Deutschland sind aber sehr unterschiedlich. Besonders teuer wird das „vergessene Buch“ für Studenten an bayerischen Hochschulen und Universitäten. In Augsburg kostet es bei der ersten Mahnung 7,50 Euro. Maximal kann sich die Mahngebühr auf das Zehnfache summieren. Die Meinungen von Studenten über diese finanziellen Forderungen sind geteilt.

Das Kreditportal Vexcash hat die Mahngebühren an den 40 größten Hochschulen Deutschlands verglichen. Ergebnis: Nach Ablauf der Leihfrist verlangen die Uni-Bibliotheken in München, Augsburg, Regensburg, Würzburg oder Erlangen-Nürnberg bereits 7,50 Euro mit dem ersten Mahnschreiben. Zum Vergleich: Der Durchschnitt aller untersuchten deutschen Hochschulbibliotheken-Mahngebühren liegt bei zwei Euro.

An der Augsburger „Unibib“ wird darauf verwiesen, dass es bei der Höhe der Mahngebühren in Bayern keine Spielräume gibt. Sie seien für alle staatlichen Bibliotheken im Freistaat einheitlich festgelegt worden, sagt leitender Bibliotheksdirektor Ulrich Hohoff. Anders sei es in anderen Bundesländern geregelt. Dort können Hochschulen die Höhe ihrer Forderungen selber festlegen.

4270 mussten die erste Mahnung bezhalen

In Augsburg mussten allein im vergangenen Jahr 4270 Unistudenten die erste Mahnung zahlen. „Bei uns gibt es aber relativ wenige säumige Rückbringer“, sagt Peter Stoll von der Benutzungsabteilung. Bei rund 350000 Ausleihen von Drucksachen im vergangenen Jahr lag der Anteil der Mahnungen bei etwas über einem Prozent. Diese Zahl sei über die Jahre relativ konstant.

Direktor Hohoff geht davon aus, dass die geringen Mahnquoten mit der offensiven Information in der Ausleihe zusammenhängen. Wenn jemand ein Buch geholt hat, bekommt er zehn Tage vor Ablauf der Leihfrist ein Erinnerungs-E-Mail. „Das ist ein Service von uns, weil wir wissen, dass es sonst teuer werden kann“, sagt er. Ein starkes Argument für eine fristgerechte Rückgabe sei aber auch die Sperrung des Benutzer-Kontos mit der ersten Mahnung. Damit können Studenten keine neue Literatur mehr holen, bevor sie die geliehenen Bücher zurückgebracht haben.

Trotzdem wirkt das Erinnerungsschreiben nicht immer. Dann bekommen säumige Nutzer an der Uni weitere Mahnungen, im Extremfall sind es bis zu vier, die schrittweise immer teurer werden. Der Betrag kann sich bis auf 75 Euro summieren. Dazu kam es im vergangenen Jahr 39 Mal. In ganz seltenen Fällen geben Nutzer ihre Bücher gar nicht mehr zurück. Dann kommt ein Verwaltungsverfahren in Gang, um offiziell die Herausgabe zu fordern. Die Nutzer müssen dann Schadenersatz zahlen.

Wo es am billigsten ist

Deutschlandweit am billigsten sind die Mahngebühren an den Unibibliotheken in Hamburg und Dresden. Dort ist bei der ersten Mahnung nur ein Euro pro vergessenem Buch fällig. Doch auch in der Augsburger Ausleihe versuchen Mitarbeiter, die Mahnkosten für Nutzer in Grenzen zu halten, und zwar durch Kontakt per Telefon und E–Mail. „Gerade in dem Semesterferien oder bei einem Auslandssemester kann mit der Bücherrückgabe schon mal was schieflaufen“, weiß Mitarbeiterin Kathleen Ebersbach.

Und was sagen Studenten zu den Mahngebühren in Bayern? „Sie sind okay, könnten aber niedriger sein“, findet Marleen Germhold. Die Jurastudentin musste schon einige Male bezahlen. Ihrer Meinung nach sind bei manchen Büchern die Ausleihfristen zu kurz. Gerade dicke Kommentarwerke seien nicht so schnell durchzuarbeiten.

Lehramtsstudentin Simona Fickler findet die Augsburger Unibib grundätzlich „top“. Viele Bücher könne man relativ lange ausleihen. Wenn man als Student Mahngebühren bezahlen müsse, sei das jedoch sehr ärgerlich. Noch ärgerlicher findet sie, dass es für Studenten und Lehrkräfte unterschiedliche Vorschriften bei der Ausleihe gibt: „Bücher sollten für alle gleich zugänglich sein.“

Barbara Lier arbeitet als Studentin der Sprachwissenschaften sehr viel mit gedruckter Literatur. Sie hält die geltenden Mahngebühren für gerechtfertigt. „Sonst müssten einige Leute länger auf ihre Bücher warten“, glaubt sie. Und auch Student David Fleckenstein (Wirtschaftsingenieurwesen) sieht die Mahngebühren als einen „Anreiz, sich zu disziplinieren“. "Meinung

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