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Augsburg

23.08.2018

Streitfall: Wie das Hotel "Drei Mohren" zu seinem Namen kam

Die drei Terrakotta-Figuren an der Fassade des drei Mohren stammen von einem der bedeutendsten Bildhauer des Spätbarocks in Deutschland.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Name des Augsburger Hotels "Drei Mohren" ist mindestens 500 Jahre alt. Der Legende nach geht er auf drei afrikanische Mönche zurück.

Das Augsburger Hotel „Drei Mohren“ ist nicht irgendeine Unterkunft: Unter allen Herbergen hat es die wohl längste Tradition in dieser Stadt. Genau genommen beginnt seine Geschichte im Jahr 1344. Auf der gegenüberliegenden Seite der Maximilianstraße stand damals ein Gasthaus, das wohl spätestens Ende des 15. Jahrhunderts den Namen „Zu den drei Mohren“ erhielt.

Über 500 Jahre später geht die Jugendorganisation von Amnesty International nun gegen diesen Namen vor. Sie hat sie eine Online-Petition gestartet, in der sie eine Umbenennung fordert. Der Name „Drei Mohren“ wirke rassistisch, der Umgang mit solchen Begriffen sei heute allzu großzügig. Nur: Das Drei Mohren heißt bereits seit Jahrhunderten so...

Die Legende erzählt von drei afrikanischen Mönchen

Sein Name geht offenbar auf ein Ereignis im Jahr 1495 zurück. Der Legende nach kamen damals vier Mönche aus Abessinien nach Augsburg – aus einer Gegend also, die auf dem Gebiet der heutigen afrikanischen Staaten Äthiopien und Eritrea liegt. Weil der Winter kalt war, beschlossen die Mönche, wieder nach Süden abzureisen, doch einer der Männer starb bereits auf dem Hochfeld. Seine Weggefährten kehrten nach Augsburg zurück, wo sie von Gastwirt Konrad Minner aufgenommen wurden. Vor ihrer Abreise einige Monate später ließ Minner die drei Männer auf einer Tafel verewigen, die später zu seinem Gasthausschild wurde. Der Name „Drei Mohren“ war geboren.

Für die Steigenberger-Gruppe, die das Haus heute betreibt, hat die Bezeichnung auch nichts mit Rassismus zu tun. In der Chronik des „Drei Mohren“ geht Autor und Kunsthistoriker Thomas Wiercinski auf die Herkunft des Begriffs ein. Er schreibt: „Das Wort ,Mohren‘ leitet sich von ,Mauren‘ her und bezeichnet zunächst die Bewohner Äthiopiens und die dunkelhäutigen Bewohner Nordafrikas allgemein.“ Bis heute seien Kirchen den „Heiligen Mohren“ geweiht, da die Wiege des frühen Christentums in Afrika stehe. Laut Wiercinski stammen von dort der heilige Moses, ein Äthiopier, auch die Heiligen Felix, Nabor und Mauritius waren Mauren. Im Magdeburger Dom gebe es sogar eine Steinskulptur, die Mauritius als Afrikaner charakterisiere.

"Drei Möhren"? Viele Augsburger sind von diesem Namensvorschlag nicht begeistert.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Das heutige Hotel steht auf dem Areal des 1723 erbauten Gasthofes gleichen Namens, der Augsburgs Fürstenherberge war. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts schmücken wohl auch die drei Terrakotta-Figuren von Ehrgott Bernhard Bendl die Fassade des Hauses. Wiercinski vermutet, dass diese Figuren vorher bereits den gegenüberliegenden Gasthof „Zu den drei Mohren“ schmückten. Er gehörte dem Weinwirt Andreas Wahl, der das Grundstück des heutigen Steigenberger-Hotels kaufte, nachdem dort 1714 ein Gästehaus der Familie Fugger abgebrannt war.

Augsburg-Besucher und Drei-Mohren-Gäste schilderten das Hotel: „Der Gasthof zu den drey Mohren enthält 113 Zimmer und für 150 Pferde Stallung“, berichtet 1786 der Schriftsteller Johann Georg Heinzmann. 1788 erwähnt Paul von Stetten: „In Fastnachtszeiten werden in dem großen Saale des Gasthofs zu den drey Mohren Redouten gegeben, welche stark besucht sind.“

Name weckte Assoziationen an das Fremde und Exotische

Der Name „Drei Mohren“ ist keine Augsburger Eigenheit. Laut Chroniker Wiercinski kommt er im süddeutschen Raum häufiger vor. In Dinkelsbühl, Garmisch-Partenkirchen, Mainz, Basel und Linz gebe es Hotels oder Gasthöfe mit demselben Namen. Auch Apotheken führen oft den „Mohr“ im Titel. Und: Der „Mohr“ schmücke auch das Wappen zahlreicher Adelsgeschlechter, Klöster und Bistümer. Die meisten, so Wiercinski, seien auf den Heiligen Mauritius zurückzuführen. In einer Handelsstadt mit weit gereisten Gästen bot sich der Name ohnehin an: Mohren weckten Assoziationen an das Fremde und Exotische. Negativ gemeint war er nie.

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Die Diskussion ist geschlossen.

29.08.2018

So eine Diskussion gibt es nur in Deutschland, durch so etwas oder die Änderungen von Zigeuner- , auf Balkanschnitzel, Schokokuss statt Mohrenkopf oder Negerkuss, die Umbenennung von Christkindlesmärkten usw. wird Rassismus nur in eine lächerliche Ecke gezogen, es sind Bezeichnungen die sich eingebürgert haben. In meiner Kindheit gab es an Sylvester noch die Miniböller die man als Judenpfurz bezeichnete, oder abfällige Bezeichnungen wie Spagetti für Italiener, wobei wir Deutsche von anderen auch als Kraut oder Kartoffelfresser bezeichnet werden was für mich wirklich mehr ein Grund wäre sich aufzuregen. Aber bei unserer Presse ist es denke ich mittlerweile egal was man als Deutscher sagt, denkt oder schreibt, sobald man ein wenig Nationalstolz hat wird man in die rechte Ecke befördert.

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23.08.2018

Glaubt jemand allen Ernstes, dass sich rassistisch eingestellte Personen durch eine Umbennung von Drei Mohren in Drei Möhren eines besseren belehren lassen? Wobei schon die Fassadengestaltung dagegen spricht, oder sollen dort jetzt 3 Möhrchen plaziert werden?
Bisher hat bei Rassisten kein Umdenken eingesetzt, egal ob der füher so beliebte Mohrenkopf in Schokokuss umbenannt wurde usw.

Langsam wird die ganze Sache durch solche Aktionen eher ins lächerliche gezogen als dass daraus ein Nutzen entsteht. Kinderbücher müssen umgeschrieben werden, damit ja keine Wörter mehr vorkommen, die im letzten und vorletzten Jahrhundert zum normalen Sprachgebrauch gehörten. Sinnvoller wäre es, den Kindern zu erklären, dass solche Bezeichnungen heute nicht mehr üblich sind, da diese von manchen Menschen zur Diskriminierung von anderen Mitbürgern benutzt werden. Auch dass viele Menschen früher diskriminiert wurden. Das würde mehr Sinn machen, schon im Hinblick auf Äußerungen von manchen Politikern, die alles andere als korrekt sind. Eine differenzierte Betrachtung den Menschen zu vermitteln, bringt auf jeden Fall mehr.

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