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Augsburg

16.08.2018

Tourismusprojekt: Stadt Augsburg plant Fuggerstraße durch Europa

Schaubergwerke erinnern in Tirol und Südtirol an die Zeit, als Metalle und Erze abgebaut wurden. Die Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger verdankte dem Handel mit diesen Rohstoffen einst einen Großteil ihres Reichtums. Diese Zusammenhänge werden künftig auf einer Touristenroute, der Fuggerstraße, dargestellt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Eine internationale Tourismusroute soll Reisenden ab 2019 das Wirken der Kaufmannsfamilie näher bringen. Was man sehen kann und wohin die Reise führt.

Sie ist Deutschlands älteste Ferienstraße – und wahrscheinlich auch die beliebteste: 25 Millionen Menschen fahren jedes Jahr an der Romantischen Straße entlang. Einige kommen dabei auch nach Augsburg, denn die Stadt liegt auf dem Weg zwischen Würzburg als Anfangs- und Füssen als Endpunkt der Route, auf der Touristen abendländische Geschichte, Kultur und Kunst kennen lernen.

Ab nächstem Jahr wird es nun eine weitere touristische Fernstraße geben, die Augsburg mit anderen Ländern verbindet. Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck hatte vor vier Jahren die Idee zu einer europaweiten Fuggerstraße – nun wird sie Realität. Die Kulturreiseroute führt zunächst in Bergbauregionen in Tirol und in der Slowakei, auch Sterzing in Südtirol und Neusohl in der Mittelslowakei sind mit im Boot. „Wir hoffen, dass wir im Lauf der Zeit weitere Partner, zum Beispiel in Kärnten und im Salzburger Land, vielleicht aber auch in Deutschland, Polen und Tschechien für unsere Tourismuskooperation begeistern können“, sagt Götz Beck. So sei beispielsweise auch eine Beteiligung mit der Bergbaustadt Almadén in Kastilien denkbar. Dort beuteten die Fugger über viele Jahre hinweg das Quecksilberbergwerk aus, das seit 2012 Unesco-Welterbe ist.

Kluger: Die Fugger waren quasi die Krupps der Frühen Neuzeit

Was all diese Orte verbindet ist, wie bereits der Name der Route sagt, die Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger. Denn die Bankgeschäfte mit Kaisern und der Handel mit Textilien waren bei Weitem nicht ihre einzige Einnahmequelle. Mehr Geld floss bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts aus der Montanwirtschaft. „Die Fugger waren quasi die Krupps der Frühen Neuzeit“, sagt der Augsburger Autor Martin Kluger, der einige Bücher über die Fugger verfasst hat. Die Kaufleute, so Kluger, führten einen Montankonzern, in dem zwar auch Gold und Silber eine Rolle spielten. „Der wahre Bergsegen resultierte aber aus dem Abbau von Erzen, der wahre Reichtum aus dem Handel mit Kupfer, Blei, Quecksilber und weiteren Metallen sowie deren Weiterverarbeitung.“

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In zehn europäischen Ländern waren die Fugger einst im Bergbau aktiv. Blei wurde aus England in die Slowakei importiert, Kupfer und Silber nach Antwerpen und weiter bis nach Indien und in den Orient. Wo die Handelsvertreter der Augsburger Fugger in Bergbaustädten und Hüttenwerken aktiv waren, hinterließen sie Schlösser, sakrale Kunst und andere Sehenswürdigkeiten, die zum Teil noch immer erhalten sind.

In Schwaz, Sterzing und Neusohl erinnern heute noch Museen und Fuggerhäuser an die Hochzeiten des europäischen Handels mit Metallen. Die Schaubergwerke in Schwaz und Sterzing zählen laut Kluger zu den Touristenattraktionen in Tirol.

Eröffnung der Fuggerstraße am 500. Todestag von Kaiser Maximilian I.

Dass die Fuggerstraße gerade 2019 eingeführt wird, hat mit einer weiteren Person zu tun, die im Augsburg von Jakob Fugger des Reichen häufig zu Gast war: Kaiser Maximilian I. Sein Todestag jährt sich nächstes Jahr zum 500. Mal, im Augsburger Maximilianmuseum wird es aus diesem Anlass eine große Ausstellung geben. Auch Innsbruck rückt den Habsburger-Herrscher dann in den Mittelpunkt. Die Eröffnung der Fuggerstraße lasse sich, so Beck, mit diesen Ereignissen gut verbinden. Zwei Jahre nach der Eröffnung der Fuggerstraße feiert Augsburg dann das 500-jährige Bestehen der Fuggerei. Dann werden viele Touristen in der Stadt erwartet; eine Gelegenheit, um auch die Fuggerstraße zu vermarkten. Für Götz Beck ist die Fuggerstraße aber nicht nur ein Marketinginstrument. Ihm geht es auch um den Austausch mit anderen Fugger-Städten.

Wo die Fugger einst aktiv waren, wo ihre Bergwerke und Hüttenbetriebe lagen, ist in Augsburg schon seit einiger Zeit nachzuverfolgen: Im Fugger- und Welser-Erlebnismuseum werden die Handelswege dargestellt und Zusammenhänge mit dem Reichtum der Familie erläutert. Seit kurzem gibt es dort auch eine animierte Karte, die die Entwicklung und Ausdehnung des fugger’schen Montanunternehmens erklärt.

Die Fugger sind für Augsburg seit jeher eine der wichtigsten Marken. Die Fuggerei in der Jakobervorstadt zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. In den vergangenen zwölf Jahren kamen über zwei Millionen Besucher. Ihren Zweck verfolgt die Sozialsiedlung dabei noch immer so, wie es der Stifter vor knapp 500 Jahren vorgesehen hatte: Menschen, die wenig Geld zum Leben haben, sollen hier für wenig Miete eine Bleibe finden.

Das sind einige Fugger-Orte in Augsburg

Die Fuggerei ist bis September täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet, ab Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr. Eintritt: 4 Euro. Das Fugger- und Welser-Erlebnismuseum im Domviertel ist dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6 Euro. Die Fugger’schen Badstuben in der Maximilianstraße öffnen nur zu ausgewählten Terminen.

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