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12.01.2019

Warum die Stadt ein Geheimnis um ihre Museen macht

Große Schwäbische Kunstausstellung im Schaezlerpalais und im H2 / Glaspalast. Bild: Ulrich Wagner
Bild: Ulrich Wagner

Um Augsburgs Museen voranzubringen, wurden auch Bürger befragt. Als nun erste Ergebnisse in einer Sitzung vorgestellt wurden, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Begründung dafür überzeugt nicht.

Zehn Ratschläge, zehn Ideen, zehn Verbesserungen für die Augsburger Museen liegen vor, als ein vorläufiges Ergebnis des – jetzt kommt ein sperriges Wort – Museumsentwicklungskonzepts. Vor mehr als einem Jahr wurde es angestoßen, nun geht es in seine finale Phase. Zwei Museumsexperten – Matthias Henkel und Jochen Ramming – haben ein Jahr lang daran gearbeitet. Sie haben nicht nur die Häuser und ihre Geschichte untersucht, sondern auch mit Besuchern und Passanten gesprochen und die Bürger an der Ideensuche beteiligt. Wie sind die Ergebnisse zu bewerten?

Erst einmal irritiert an diesem ja auch offen und breit angelegten Prozess, dass der Kulturausschuss der Stadt Augsburg in einer nicht öffentlichen Sitzung die ersten Ergebnisse präsentiert bekam. Hier die Bürger zu beteiligen und dort Geheimniskrämerei zu betreiben, das passt nicht zusammen. Die Begründung dafür: Es wurde befürchtet, dass Kritik am Direktor der Kunstsammlungen und den Leitern der Museen geäußert werde. So etwas könne nur nicht öffentlich verhandelt werden. Zu dieser Kritik kam es in der Sitzung aber nicht. Womit leider wieder einmal deutlich wird, wie mit dem grundsätzlichen Offenheitsgebot gewählter kommunaler Gremien umgegangen wird: ziemlich willkürlich.

Sind dort entscheidende Entwicklungen verschlafen worden?

Und hätte es Grund gegeben, die ersten Ergebnisse des Museumsentwicklungskonzepts als Kritik an der gegenwärtigen Museumsleitung zu verstehen? Sind dort entscheidende Trends der Museumsentwicklung verschlafen worden, etwa die Digitalisierung? Klar sind große deutsche Museen weiter als die Kunstsammlungen. Aber das liegt nicht daran, dass die Kunstsammlungen etwas verschlafen hätten. Vielmehr fehlen ihnen die Mittel.

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Seit neun Jahren versuchen die Häuser, ihre Bestände zu digitalisieren. Für diese Basisaufgabe aller digitalen Strategien müssen sich die Kunstsammlungen mit Behelfslösungen durchmogeln, weil das nötige Personal fehlt – nicht, weil es von der Museumsleitung nicht erwünscht ist, sondern weil es aus Kostengründen politisch nicht bewilligt wird. Dass nur zwei Teilzeitstellen mit dem Digitalisieren der Museumsobjekte betraut sind und deshalb in neun Jahren gerade einmal 15 Prozent des Bestands erfasst wurden, liegt an der Augsburger Stadtpolitik. Die wiederum sehr wohl an anderen Stellen bereit war, neue Stellen zu schaffen, auch im kulturellen Bereich. Die Stadtpolitik stattet die Kunstsammlungen mit Personal aus. Man könnte also glauben, dass der Kulturausschuss nicht die Museumsleitung, sondern sich selbst schützen wollte, als er die erste Aussprache nichtöffentlich ansetzte.

Das, was Kunstsammlungsleiter Christof Trepesch vor einem Jahr in einem Interview mit unserer Zeitung sagte, liest sich übrigens auch in anderen Punkten wie das Konzept: Damals schon hat Trepesch ein zentrales Depot, ein neues Römisches Museum mit einer Sonderausstellungsfläche und natürlich mehr Personal als dringlichste Aufgaben benannt. So neu sind diese Verbesserungswünsche also nicht.

Die zentralen Ideen für Augsburgs Museen sind unstrittig

Die zentralen Ideen des Konzepts sind unstrittig: ein gemeinsames Depot für die Kunstsammlungen, ein neues Römisches Museum – im Konzept um die Komponente Archäologie erweitert und mit einer großen Sonderausstellungsfläche versehen. Dazu sollen die Kunstsammlungen in die Digitalisierung investieren, auch in die Öffentlichkeitsarbeit, ebenso in die Besuchererschließung. Und nicht nur Trepesch, auch der Kulturreferent Thomas Weitzel hat sich vor einem Jahr bei Beginn des Projekts ähnlich geäußert.

Ob die Augsburger Erwartungen den Blick der beiden Auswärtigen zu sehr eingeengt hat? Es gibt ja immer zwei grundsätzliche Möglichkeiten, was mit externem Sachverstand bezweckt werden soll: a) Er soll das bestätigen, was man selbst denkt. b) Er soll unvoreingenommen den eigenen blinden Fleck bestimmen. Ersteres ist nützlich, um die eigene Position leichter durchzusetzen. Zweiteres ist schmerzhaft, kann aber langfristige Verbesserungen ermöglichen.

Sicher ist das Konzept eine Mischung von beidem. Mit gänzlich neuen, auch überraschenden Vorschlägen wartet es beim Umgang mit der Stadtgeschichte auf – die nicht in Form eines neuen Museums, sondern durch extra dafür angestelltes Personal in den bestehenden Häusern der Kunstsammlungen und durch Kooperationen und eigene Formate stärker sichtbar gemacht werden soll.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Stadtpolitik sich in kostspieligen und richtungsweisenden kulturpolitischen Entscheidungen anscheinend leichter tut, wenn externe Gutachter, die ja nicht ganz billig sind, den Weg dafür ebnen. Gut! Jetzt wird also auch von außen bestätigt, das Römische Museum am alten Standort, aber in einem Neubau unterzubringen. Die Preisfrage lautet allerdings gut sechs Jahre nach der Schließung immer noch, wann die Augsburger Stadtpolitik endlich dazu bereit ist, die Lösung des Problems anzugehen und den Neubau auf den Weg zu bringen.

Lesen Sie dazu auch diesen Artikel: So sollen Augsburger Museen besser werden

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