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Augsburg

25.10.2016

Was bei einem Fahrsicherheitstraining mit getunten Autos passiert

Was machen Fans von getunten Flitzern auf dem Übungsplatz des ADAC? Sie sollen verantwortungsbewusst fahren.
Bild: Michael Eichhammer

Adrenalinrausch und Verkehrserziehung – passt das zusammen? Was passiert, wenn sich 42 Fans von aufgemotzten Flitzern mit Fahrtrainern und Polizisten treffen.

Dass in der Mühlhauser Straße 54 M in Augsburg die Motoren dröhnen, liegt in der Natur der Sache. Im Fahrsicherheitszentrum des ADAC Südbayern ziehen ständig Autos ihre Kreise. Jetzt waren allerdings besonders spektakuläre Fahrzeuge unterwegs – sowohl was die Optik anging als auch die Akustik. Für die Teilnahme an den „Track & Safety Days“ konnten sich Tuning-Fans online bewerben. Die 42 Auserwählten im Alter von 18 bis 35 Jahren freuten sich darüber, mit ihrem Fahrzeug „Sachen machen zu dürfen, die man sonst nicht erleben kann“, so der 27 Jahre alte Pascal. Beispielsweise mit seinem aufgemotzten Audi R8 ausloten, was bei einer Vollbremsung passiert, oder wie schwierig es ist, auf regennasser Fahrbahn kontrolliert zu driften.

Es geht nicht nur spektakuläre Manöver

Auch sein Kumpel Tobias freute sich darüber, mit seinem VW Scirocco II rückwärts Slalom fahren zu können. „Tuning ist mein wichtigstes Hobby“, sagt der 23-Jährige. Noch immer ist Tuning ein von Männern dominiertes Hobby, doch die Frauenquote steigt. „Wie man so viel Zeit und Geld in ein Auto stecken kann, verstehen die wenigsten“, plaudert Sabrina (25) aus dem Nähkästchen.

Das spannende Fahrtraining war für viele der größte Anreiz für die Bewerbung. Dass ihre Erwartungen nicht enttäuscht wurden, konnte man an ihren Gesichtern ablesen: Nach jeder erfolgreich gemeisterten fahrerischen Herausforderung war das Grinsen mindestens so breit wie die Spezialreifen. Die Veranstalter verfolgen mit den „Track & Safety Days“ allerdings nicht nur das Ziel, den Tunern Adrenalin-Kicks wie im Actionfilm zu bescheren. „Wir versuchen eine Balance zwischen erhobenem Zeigefinger und Spaß“, erklärt Jan Henning Klapper von der Initiative „Tune it! Safe!“. „Die jungen Leute sollen hier nicht lernen, schneller um die Kurve zu fahren, sondern wie sie verantwortungsbewusst mit ihrem Tuningfahrzeug umgehen.“ Dass ein hochgezüchtetes Auto in Grenzsituationen eine besonders umsichtige Fahrweise erfordert, konnten die Teilnehmer auf dem ADAC-Gelände im wahrsten Wortsinn erfahren.

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Neben den Fahrtrainings standen auch Workshops auf dem Programm. Der Verband der Automobil Tuner (VDAT) informierte über das Thema Gutachten für Tuning-Teile. Klaus Weininger von der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) referierte über technische Details, die über eine Zulassung entscheiden. Auch die Polizei war vor Ort. Allerdings nicht, um die aufgemotzten Fahrzeuge eines kritischen Blickes zu unterziehen. Auf Du und Du mit den Tuning-Fans zeigte Polizist Jürgen abschreckende Beispiele dafür, wie Tuning schiefgehen kann – vom abenteuerlichen Eigenbau über saftige Geldstrafen bis zu tragischen Todesfahrten. „Das Hobby soll Spaß machen, aber es gibt Spielregeln, die man kennen muss“, so der Polizist.

Wie verhält sich ein Auto auf nasser Fahrbahn – auch das konnten die Teilnhemer ausprobieren.
Bild: Michael Eichhammer

Interesse an den Spielregeln

Das Erfreuliche für die Veranstalter: Diese Spielregeln interessieren die jungen Fahrer brennend. Das beweist schon der Umstand, dass sie an einem Sonntag überpünktlich anreisten, um von 9 bis 16 Uhr neue Erkenntnisse in Theorie und Praxis zu erlangen. Die Teilnehmer hatten in den Workshops viele Fragen. Sie wollen zwar ihre Fahrzeuge deutlich kreativer und individueller gestalten als die Serienmodelle, dabei aber die rechtlichen Grenzen beachten.

Die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderten „Track & Safety Days“ finden in diesem Jahr erstmalig statt. Augsburg war eine von insgesamt acht Stationen und der einzige Zwischenstopp in Bayern.

In einem waren sich Trainer und Teilnehmer am Ende des Tages einig: „Die schwarzen Schafe stechen heraus, aber die Leute, die mit ihren Kisten auf dem Supermarkt-Parkplatz abhängen sind ebenso wenig repräsentativ für die Szene wie die rücksichtslosen Raser“, findet der 19-jährige Jonas. „Einige wenige bringen die ganze tolle Tuningszene in Verruf“, stimmt Polizist Jürgen zu. „Schrauber sind meist nette Typen, die echte Kunstwerke erschaffen.“

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