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30.12.2014

Wird die Ackermann-Straße zum Nadelöhr?

Die Kreuzung an der B17 der Ackermann-Straße gilt bereits heute schon als überlastet. Stadtberger Bürger befürchten nun, dass sich durch den Bau und die Inbetriebnahme der neuen Straßenbahnlinie 5 die Verkehrsverhältnisse auf der Ausfallstraße weiter verschlechtern könnten.
Bild: Silvio Wyszengrad

Ärger um die Tramlinie 5 in Augsburg: Angesichts des Bürgerprotests stand bisher die Hörbrotstraße im Blickpunkt. Doch die eigentliche Betroffenheit entsteht in der Ausfallstraße. Aus Stadtbergen gibt es kritische Töne

Die Entscheidung der Stadt ist gefallen: Die Straßenbahnlinie 5 soll ab 2019 als Verlängerung der bestehenden Linie 6 vom Hauptbahnhof über die Bürgermeister-Ackermann-Straße zum Klinikum fahren. Voraussichtliche Kosten: 62 Millionen Euro. Baubeginn könnte 2017/18 sein, wenn es keine Verzögerungen durch Klagen oder Bürgerbegehren gibt. Mit diesem Trassenvorschlag startet die Stadt ins Genehmigungsverfahren bei der Regierung von Schwaben. Doch aus dem benachbarten Stadtbergen werden nun kritische Töne laut, weil man eine Verstopfung der Ackermann-Straße befürchtet. Wir klären die wichtigsten Fragen zum Linienbau:

Was sind die Befürchtungen der Stadtberger?„Eine Straßenbahn auf der Ackermann-Straße darf nicht dazu führen, dass der Autoverkehr auf der Strecke bleibt“, sagt Bürgermeister Paulus Metz (CSU). Seine Sorge: Staut es sich auf der Ackermann-Straße, was während der Bauzeit der Tram absehbar ist, dann sucht sich der Verkehr seinen Weg durch Stadtbergen. Auch eine Verengung der Fahrspuren und das Tempolimit, das dauerhaft angedacht ist, sieht man in Stadtbergen kritisch. Metz betont, dass der Stadtberger Stadtrat noch nicht mit dem Thema befasst gewesen sei und ein Gespräch mit Stadtwerke-Chef Walter Casazza erst anstehe, doch entsprechende Sorgen auf einer Bürgerversammlung deutlich geworden seien. Besondere Probleme sieht Metz in der Frage der B-17- Kreuzung, die aktuell schon als überlastet gilt. Man sei auf die Planungen der Stadtwerke gespannt.

Wie ist die Situation aktuell? Im Berufsverkehr bilden sich in der Tat Rückstaus, weil die Grünphasen der Ampel für Abbieger nicht ausreichen – und das, obwohl modernste Technik mit Verkehrsmessungen und Computersteuerung zum Einsatz kommt. Die Ackermann-Straße ist – neben der Landsberger-/Haunstetter Straße – die einzige Ein- und Ausfallstraße mit durchgängig vier Spuren. Täglich fahren um die 40000 Autos auf der Straße.

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Kann Stadtbergen das Projekt verhindern? So weit lehnt sich Bürgermeister Metz nicht aus dem Fenster. Allerdings hätte Stadtbergen durchaus Möglichkeiten, sich querzustellen. Westlich der Listle-Kreuzung verläuft die Tram auf Stadtberger Grund. Die Stadtberger müssten den Stadtwerken Grund verkaufen, damit diese Anschluss zu ihrem bestehenden Gleis am P+R-Platz Augsburg-West (bei Obi) bekommen. Grundsätzlich, betont Metz, lehne man das Projekt aber nicht ab. „Ich bin ein Freund der Straßenbahn.“ Schließlich profitiere man vom Anschluss durch die Linie 3.

Welche Auswirkungen hatte der Bau anderer Tramlinien auf den Autoverkehr?Bei den Stadtwerken betont man, den Autoverkehr nicht einschränken zu wollen. Bei Straßenbahn-Neubauprojekten der vergangenen Jahre ist das teils gelungen, teils nicht. Die Donauwörther Straße wurde für die Verlängerung der Linie 4 nach Augsburg-Nord verschmälert – seitdem gibt es dort oft Staus, weil die Autofahrer nicht wie erhofft auf die B17 ausweichen. In der Friedberger Straße läuft es seit dem Bau der Linie 6 relativ problemlos, auch wenn es an der Kreuzung mit der Meringer Straße zeitweise zu Stauungen kommt und der Schleichverkehr zugenommen hat. Auch hier wurden abschnittsweise Spuren aus der Straße genommen, doch weil es Alternativen wie die Große Ostumgehung samt Verkehrsleitsystem gibt, läuft es.

Was ist auf der Ackermann-Straße geplant?In der Ackermann-Straße sollen keine Spuren wegfallen, aber die bestehenden vier überbreiten Fahrstreifen sollen von jeweils 3,75 Metern auf eine Breite von drei bis 3,25 Meter verschmälert werden. Hintergrund für die Breite der Straße: Die Fahrbahn sollte auf Wunsch der amerikanischen Streitkräfte panzertauglich sein. Darum hat sie auch einen verstärkten Betonunterbau. Weil der Mittelstreifen in manchen Abschnitten vier Meter breit ist, lässt sich so die Straßenbahn in der Straßenmitte unterbringen. Auf Höhe von Haltestellen müssen die Fahrbahnen aber nach außen verschwenkt werden, um Platz für Bahnsteige und Haltestellenhäuschen zu gewinnen. Ein Nachteil: Das Tempo muss auf 50 gedrosselt werden. Dies hängt nicht so sehr mit der Spurbreite zusammen, sondern vielmehr mit der Nähe zu den Straßenbahngleisen, so die Stadtwerke.

Gibt es Verkehrsprobleme?Die Stadtwerke weisen darauf hin, dass die Ackermann-Straße künftig von der Stadtberger Obi-Kreuzung bis zur Holzbachstraße mit einem computergesteuerten Ampelsystem ausgestattet sein wird. Bisher ist das nur im Augsburger Stadtgebiet der Fall. Dass es mehr Ampeln geben wird – nämlich an Haltestellen und an der Auf- und Abfahrt der Straßenbahn auf die Ackermann-Straße – ist aber absehbar. „Das wird kein großes Thema sein“, ist sich Stadtwerke-Chef Casazza sicher. Mit modernen Schaltungen, etwa am Eserwall, wo drei Linien verkehren, sei das zu regeln. Zudem wird die Kreuzung mit der B17 ausgebaut und verbreitert. So plant man etwa von der Ackermann-Straße aus Richtung Stadtbergen kommend zwei Linksabbiegerspuren auf die B17, um mehr Autos pro Grünphase über die Kreuzung zu bringen, sagt Projektleiter Manfred Hecker von den Stadtwerken.

Wieso wollen die Stadtwerke in die Straßenmitte?Die Trasse in der Straßenmitte habe – neben der Kostenersparnis – auch andere Gründe: Gerade ältere Menschen könnten so in einer Grünphase zur Straßenbahn kommen. Alle vier Spuren zu überqueren, sei angesichts der kurzen Grünphasen für langsame Fußgänger kaum möglich, sagt Baureferent Gerd Merkle (CSU). Zudem spielen Kostengründe eine Rolle: Eine Trassierung im Grünstreifen südlich der Ackermann-Straße würde Leitungsverlegungen nötig machen.

Wie viele Fahrgäste soll die Linie transportieren?Die Buslinie 32, die ähnlich wie die künftige Tram verkehrt, wird aktuell von rund 3500 Fahrgästen täglich genutzt. Für eine Tram ist das zu wenig, geben auch die Stadtwerke zu. Sie erhoffen sich deutliche Steigerungen durch mehr Attraktivität und Pünktlichkeit, als sie der Bus liefern kann. Viel schneller wird die Straßenbahn aber nicht sein. „1000 Fahrgäste pro Haltestelle auf einer Tramlinie sind realistisch“, sagt Casazza. Das wären für die Linie 5 rund 8000 Fahrgäste täglich. „Es geht ja eben darum, das Mobilitätsverhalten der Menschen zu ändern, indem man ihnen neue Angebote macht“, sagt Casazza. Ob das bei der Linie 6 gelungen ist, ist noch offen. Für die aktuellen Fahrgastzahlen aus 2014 im Gesamtnetz laufen die Auswertungen noch, doch nach Inbetriebnahme vor vier Jahren hatte die Tram 21000 Fahrgäste täglich – so viele, wie vorher den Bus nutzten. Für die Zeit nach dem Kö-Umbau sagten die Stadtwerke damals 10- bis 20-prozentige Steigerungen voraus. 2014 war das erste Jahr, in dem wieder Normalbetrieb herrschte.

Was ist mit dem Autoverkehr im und rund ums Thelottviertel?Die dortige Bürgerinitiative kritisiert, dass bei einer Trassierung durch die Hörbrotstraße der subjektiv empfundene Lärm zunehmen und die Wohnstraße durch Masten zugestellt wird. Die Stadtwerke halten dagegen, dass die Straße vom aktuellen Durchgangsverkehr entlastet wird. Bisher ist sie als Bypass ausgeschildert, um die Kreuzung Rosenau-/Pferseer Straße von Linksabbiegern Richtung Pferseer Straße zu entlasten. Künftig soll das Linksabbiegen an der Kreuzung wieder möglich sein, weil anders als bisher keine Tram mehr aus der Pferseer Unterführung kreuzt. Die Straßenbahnen fahren künftig aus dem geplanten Bahnhofstunnel und stadtauswärts über die Rosenau- und Pferseer Straße, stadteinwärts über die Perzheim-/Hörbrotstraße.

Ist das das Aus für die „Entlastungsstraße“?Die Frage kann man nicht beantworten. Die Stadt sagt, man plane weiter. Allerdings ist durch diese geteilte Streckenführung der Tram der Druck weggefallen, schnell eine Lösung zu präsentieren. Fakt ist, dass die Straße schwierig zu realisieren wäre, weil sie entlang des Hanges der Wertachleite auf Bahngelände verlaufen würde. Die Bahn müsste dafür Flächen hergeben. Teils müsste die Fahrbahn wohl auch aufgeständert werden oder der Hang mit Mauern abgefangen werden – alles teuer. Allerdings ist im Kö-Bebauungsplan auch die Maßgabe enthalten, dass bis 2025 neue Straßen nötig sind, um den Innenstadt-Knoten von wachsendem Verkehr freizuhalten. Konkret zählen dazu die Rosenau-Entlastungsstraße, die von der Abzweigung Schießstättenstraße (früheres Lokal Lenzhalde) bis zur Holzbachstraße führen soll. Auch die MAN-Spange ist ein solches Projekt. Sie soll die MAN-Kreuzung entlasten und am Rand der Wolfzahnau zwischen Lechufer und den Firmengeländen von MAN und MT Aerospace entlangführen, bevor sie auf die Senkelbachstraße führt. Über dieses Projekt wird aber schon seit Jahrzehnten beraten.

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