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Brechtfestival

17.02.2020

Bluespots und Theter überraschen mit zwei Lehrstücken

Das Theter-Ensemble mit Heiner Müller „Der Horatier“.
Bild: Christian Menkel

Plus Diese Produktion hat es in sich: Regie geführt wurde per Skype. Was Bluespots und Theter dann auf der Brechtbühne zeigen, hat es in sich.

Die Idee der Doppelinszenierung hat etwas Gewagtes. Zwei Augsburger Ensembles, Bluespots Productions und Theter, arbeiten hauptsächlich mit zwei Regisseuren via Internet-Videotelefonie (Skype) zusammen. Der eine lebt in Russland, die andere in den USA. Inszeniert wird Brechts Lehrstück „Die Horatier und die Kuratier“ sowie Heiner Müllers Fortschreibung „Der Horatier“. Zu sehen ist das während des Brechtfestivals in der Brechtbühne unter dem Überbegriff „Die Lehrstückzentrale“. Jürgen Kuttner, gemeinsam mit Tom Kühnel künstlerischer Leiter des Festivals, packt vorneweg auch noch die Idee drauf, die neue Auflage des Kalten Krieges zu thematisieren. Ein Blick aus dem Westen und ein Blick aus dem Osten also auf zwei Stoffe, die eng miteinander zusammenhängen.

Sehr viel Überbau, sehr viel Theorie rund um ein Lehrstück, sehr viel Konzept und Organisationsarbeit während der Produktion. Interessanter für das Premieren-Publikum ist natürlich, was am Ende herauskommt. Zum Beispiel, dass beide Regisseure großen Wert auf die Auflösung des Stoffs in Bewegung gelegt haben, dass der Soundtrack dazu, die Musik, einen wichtigen Part einnimmt, dass viel choreografiert worden ist.

Eine Überraschung liefert das Theter-Ensemble

Bluespots Productions, die mit dem russischen Regisseur Oleg Eremin zusammenarbeiteten, bespielen zunehmend den ganzen Theaterraum; die Schauspieler steigen quer durch die Sitzreihen und involvieren dadurch alle Zuschauer, ein Teil dieses anfangs ziemlich aussichtslosen Kampfs der Horatier gegen die Kuratier zu werden.

Eine Überraschung liefern dann das Theter-Ensemble und die US-Regisseurin Alice Bever durch ihren radikalen Zugriff auf Heiner Müllers Brecht-Antwort „Der Horatier“. Die erste Hälfte ihrer Interpretation ist komplett in Bewegung und Tanz, in Bild und Musik aufgelöst. Irgendwann werden Schlüsselsätze aus dem Stück an die Wand geworfen. Wie kann ein Mensch zugleich Sieger und Mörder sein? Die Darsteller zeigen dabei unterschiedliche Talente – musikalisch, tänzerisch, während das Publikum sich einen Reim auf alles machen muss – Achtung Lehrstück. Gerade wenn man denkt, dass der Text nicht mehr erscheint und dass diese interkontinentale Zusammenarbeit sich alle Regiefreiheit der Welt nimmt, geht es los mit dem Stück. Plötzlich tauchen Bilder, die zuvor im Performance-Teil zu sehen waren, wieder auf, jetzt sind Requisiten eingebunden in den Text. Und das Nachdenken hört nicht auf, was das alles zu bedeuten hat. Stark! Jubel im Anschluss. Und die gute Nachricht: Am zweiten Spektakel-Abend (22. Februar) gibt es die Stücke noch einmal zu sehen.

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