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Corona-Pandemie

15.08.2020

Die Augsburger Puppenkiste kann immer noch nicht spielen

Ein Blick in die Puppenkiste, als Klaus Marschall noch spielen konnte: Hier mit den Figuren für das Silvesterkabarett. Seit Monaten sind die Bühne und das Museum geschlossen.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Seit sechs Monaten ist die berühmte Bühne geschlossen. Theaterchef Klaus Marschall hat Pläne, den Spielbetrieb wiederaufzunehmen.

Der Kasperl hatte wenigstens noch seine Rolle in neuen Bundesliga-Clips für den FCA, als der wieder auf den Rasen durfte. Aber die vielen anderen Marionetten der Augsburger Puppenkiste hat man hängen lassen. Bis zum heutigen Tag. Theaterchef Klaus Marschall kann ihnen keine konkrete Hoffnung machen. „Ich weiß nicht, wann es für uns wieder weitergeht“, sagt er geknickt. Ja, die Puppenkiste könnte Vorstellungen geben. „Aber mit 1,50 Meter Abstand bringe ich kaum 50 Besucher rein, was 25 Prozent Einnahmen bei 110 Prozent Ausgaben bedeutet. Das rechnet sich nicht.“ Also bleibt die Spitalgasse 15 bis auf weiteres zu, schon im sechsten Monat.

Natürlich stehen täglich Touristen vor der verschlossenen Tür. Klaus Marschall muss sie vertrösten. Sein Puppenspieler-Herz sehnt sich nach Aufführungen, aber seine unternehmerische Vernunft hält ihn davon ab, ein unkalkulierbares Risiko einzugehen. Auf 600.000 Euro Miese könnte er unter geltenden Bedingungen bis Jahresende kommen. Marschall hoffte, dass seine Crew ab September wieder spielen könnte. Nun wird die Staatsregierung erst Ende August entscheiden, wie es mit den Vorsichtsmaßnahmen in der Pandemie weiter geht.

Die Puppenkiste hat sich ans Kultusministerium gewendet

Darf es dann weniger Abstand sein, weil die Kinder auch in der Schulklasse wieder nebeneinander sitzen? Marschall könnte damit leben, dass die Besucher ständig Maske tragen („wir haben eine gute Klimaanlage“). Oben auf der Spielbrücke müssten freilich andere Regeln gelten. Vielleicht ein Corona-Test der Mitarbeiter und zwei feste Teams? Und desinfizierte Spielkreuze der Puppen. Kürzlich hat sich der Puppenkiste-Chef wieder mal ans Kultusministerium gewendet, wie es weitergeht mit den Überbrückungshilfen: „Es kam überhaupt keine Reaktion.“ Immerhin wird er diese Tage mit dem Augsburger Kulturreferat und der Betriebsärztin wegen eines Hygienekonzepts sprechen.

Zwischendurch hat Marschall überlegt, draußen im Hof zu spielen auf der Tourneebühne. Er dürfte dabei nur die eigene Familie beschäftigen. Erwogen hat er auch, neuartige Stücke zu spielen mit zwei Marionetten oben, Handpuppen oder Tischfiguren unten. Sie müssten erst entwickelt und bühnenreif geprobt werden. Das braucht mindestens zwei Monate. Auf jeden Fall müsste er bei jeder Aktivität den Betrieb im gesamten Haus hochfahren: Kasse, Aufsichten, Toilettenreinigung. Das kostet. Das Museum rechne sich ohnehin nur in der Gesamtkalkulation zusammen mit Aufführungen und Bistrobetrieb. Höchstens 25 Besucher dürfte Marschall rauflassen. Jemand müsste nachzählen.

Das Theater wurde in der Krise aufgemöbelt

Immerhin ist während der Corona-Pause das Marionettentheater aufgemöbelt worden. Der Zuschauerraum wurde komplett neu gestrichen, die Parkettböden abgeschliffen und neu versiegelt, die lädierten Sitze repariert. Erneuert wurde die Tonanlage – die Vorgängerin war über 20 Jahre alt. Auch die Lichtsteuerung wurde überholt.

Ein Lichtblick ist da der erste Roman über die Augsburger Puppenkiste mit dem Titel „Herzfaden“ von Thomas Hettche. Er wird am 10. September erscheinen und am 21. September vom Autor in der Stadtbücherei vorgestellt werden. Klaus Marschall hat das Entstehen des Buchs mitverfolgt, er weiß, wo die Tatsachen der Familie Oehmichen-Marschall in dichterische Freiheit umschlagen. „Der Roman erzählt, wie es gewesen sein könnte. Es gibt aber Stellen, da dachten wir: Naja! Das ist jetzt knapp vorbei oder völlig übertrieben.“ Trotzdem glaubt er schon, dass die Erzählung den Gründungsmythos der Puppenkiste ganz gut trifft. Vielleicht weckt sie ja auch die vielen anderen Marionetten aus ihrem erzwungenen Schlummer wieder zum Leben.

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