Comedy

17.10.2019

Ein Mann, 1000 Gesichter

Der Comedian Detlef Winterberg hatte bei den Hochzoller Kulturtagen ein Heimspiel.
Bild: Michael Eichhammer

Der Wahl-Augsburger Detlef Winterberg ist als Humor-Experte in aller Welt bekannt. Warum sein neues Bühnenprogramm bei den Hochzoller Kulturtagen sein Debüt feierte

Die erste Pointe lieferte der Entertainer Detlef Winterberg bereits ab, bevor sein Bühnenprogramm im Rahmen der Hochzoller Kulturtage überhaupt begann. Als ein weiblicher Gast am Freitagabend den Holzerbau betrat und den Künstler mit den Worten „Ich bin schon sehr gespannt“ ansprach, erwiderte der Comedian: „Na und ich erst!“

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Gregor Lang und Pia Haertinger, Vorsitzende des Hochzoller Kulturtage-Vereins, stellten dem Publikum im voll besetzten Saal den Humor-Experten vor. Wobei Winterberg eigentlich kaum einer Vorstellung bedarf. Der in Berlin geborene Wahl-Augsburger „ist seit fast 40 Jahren auf den Bühnen der Welt unterwegs“, so Haertinger. Sowohl in der internationalen Comedy-Szene als auch in der Hochzoller Künstlerszene ist Winterberg daher bestens bekannt. Zu den beeindruckenden Stationen seiner Karriere zählen die Mitbegründung der Berliner „Scheinbar“ als erste Open-Stage- Bühne Deutschlands, der französische Nationalzirkus, die Deutsche Oper in Berlin und Dauerauftritte in Fernsehshows wie „Nightwash“ und „Quatsch Comedy Club“. Der gelernte Tischler lebt mittlerweile ganz von der Kunst. Neben eigenen Shows coacht er andere Künstler. In Hochzoll hatte er in den letzten Jahren die „Open Mix Shows“ im Bürgertreff organisiert und durchs Programm geführt.

„Ramsch Royal hieß sein Comedy-Duo und reichlich königlichen Blödsinn wird man auch heute erleben“, so Pia Haertinger. Sie hatte nicht zu viel versprochen. Der Name der Show war Programm: Unter dem Titel „One-Minute Wonders“ hatte sich Detlef Winterberg vorgenommen, die Gäste im Minutentakt mit skurrilen Humor-Darbietungen zu überraschen. Die Bandbreite reichte von Stand-up-Comedy und Clowneskem über Pantomime und Zaubertricks in Höchstgeschwindigkeit bis zu skurrilen Tanzeinlagen und Liedern, welche die Absurditäten des Alltags entlarvten. Im Geschwindigkeitsrausch des Zeitraffer-Entertainments brachte er im rund 90-minütigen Bühnenprogramm so unterschiedliche Themen unter wie Alpakas, Tierfilme, Berliner Mentalität, Human Beat Box, Social Media, Alltagsticks und natürlich die Liebe. „Der Vorteil, wenn alles nur eine Minute dauert: Gefällt es nicht, ist es auch schon vorbei, bevor man Zahnweh bekommt“, erklärte er die Idee hinter dem Parforceritt für die Lachmuskeln.

Ein Mann, 1000 Gesichter

Detlef Winterbergs Plan, die Zuschauer nach jeder Minute aufs Neue zu überraschen, ging auf. Doch auch die Augsburger überraschten: Das Publikum im Bürgertreff war außer Rand und Band. Es wurde viel gelacht, gejohlt, geklatscht und lauthals mitgesungen. Vom Klischee des zurückhaltend-entspannten Augsburgers blieb an diesem Abend nicht viel übrig. Das imponierte auch dem Künstler: „Ich finde es toll, wie ihr mitmacht - ich würde am liebsten mit euch allen tanzen.“ Das Kompliment des Publikums gab Detlef Winterberg von Anfang an zurück: Der Auftritt im Rahmen der 13. Hochzoller Kulturtage war die Premiere seines neuen Programms „One-Minute Wonder!“

Die Augsburger seien „schon sehr eigen“, findet Winterberg. Der Multikünstler meint es als Kompliment. Der Augsburger sei „ein bisschen offener als der typische Urbayer“. Er erinnert sich an Reggae-Musiker, die in der Schwabenmetropole zu Gast waren und sich von der „entspannten Atmosphäre“ begeistert zeigten, die „fast schon jamaikanisch“ wirkte.

Um den Unterschied zwischen dem Berliner und dem Augsburger Humorverständnis zu veranschaulichen, erzählt er: „Auf meine Frage an eine Berliner Händlerin, ob die Kartoffeln aus Deutschland sind, antwortete die: „Ja, wollen Sie die essen oder mit denen quatschen?“ Winterberg ist überzeugt: „So eine Antwort bekomme ich in Augsburg nicht.“

16 Jahre hatte Winterberg in Hochzoll gelebt, mittlerweile ist er nach „Augsburg Mitte“ gezogen. „Über Hochzoll kann ich nur Positives sagen“, erklärt Winterberg. „Wir haben hier 15 glückliche Jahre verbracht und uns bestens mit den Leuten verstanden.“ Auch habe er noch immer viel mit den Künstlern aus dem Stadtteil zu tun. Beeindruckt ist der Humor-Globetrotter von den Hochzoller Kulturtagen: „Man sieht an der Vielfalt des diesjährigen Programms, wie stark der Event gewachsen ist, das ist eine enorme Entwicklung.“

Das bestätigt der Vorsitzende Gregor Lang: „Wir bekommen mittlerweile bis aus Österreich Anfragen von Gruppen. Wir wollen allerdings möglichst lokal bleiben und hiesigen Talenten eine Plattform bieten.“ Dies sei auch „ein Beitrag zur Stadtteilentwicklung.“

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