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Sommerserie

31.07.2018

Erst ein eigener Mini-Staat, nun ein Stadtteil

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2 Bilder
Haunstetten im Jahr 2018.
Bild: Geodatenamt

Das Kloster St. Ulrich und Afra, die Wasserkraft der Bäche und Messerschmitts Flugzeugbau prägten den Stadtteil Haunstetten stark

Haunstetten blickt auf eine bewegte Geschichte: Die aufstrebende Gemeinde beglückte der Freistaat im Jahr 1952 mit der Stadterhebung, bei der Gemeindegebietsreform von 1972 wurde die stolze Stadt Haunstetten zu einem Augsburger Stadtteil degradiert. 22733 Bewohner auf 13,5 Quadratkilometern wurden trotz massiver Proteste Augsburger. Die ehemalige Selbstständigkeit wirkt jedoch positiv nach durch starkes bürgerliches Engagement, genannt seien die ARGE, die Feuerwehr, der Kulturkreis, die Parteien, Pfarreien und der TSV.

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Mini-Staat im Reich

Schon in der Bronzezeit wurde in Haunstetten gesiedelt. Das Dorf Haunstetten entstand im 8. Jahrhundert und gehörte zum Hochstift Augsburg. Im Jahr 1012 übertrug der Fürstbischof die Herrschaft über Haunstetten dem Kloster St. Ulrich und Afra. Die dortigen Äbte regierten bis 1803. Die Haunstetter genossen dabei eine gewisse Mitbestimmung. Mit rund 14 Quadratkilometern galt das Reichsstift St. Ulrich und Afra als einer der kleinsten der rund 300 Staaten im Heiligen Römischen Reich.

Wasserkraft und Textilgewerbe

Die günstige Haunstetter Lage an einer Reichsstraße und am Lochbach förderte das Gewerbe. Mit der Industrialisierung entstanden anstelle alter Mühlen zwei Textilfabriken, welche die Kraft des Lochbachs nutzten. Die Betriebe sorgten dafür, dass Haunstetten 1900 an das Schienennetz angeschlossen wurde. Anfangs verkehrten auch Personenzüge, bis man die Augsburger Straßenbahn bis zum Georg-Käß-Platz verlängerte. Neben dem Lochbach war der Brunnenbach mit seinen Quellen auf Haunstetter Flur von wasserwirtschaftlicher Bedeutung.

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Flugzeugbau

Willy Messerschmitt kam im Jahr 1927 zu den Bayerischen Flugzeugwerken ins heutige Univiertel. Der Flugzeugkonstrukteur gründete 1938 die Messerschmitt AG mit Sitz in Haunstetten. Die Firma mit ihren vier Werken auf Haunstetter und Augsburger Flur entwickelte sich im Dritten Reich zu einem Zentrum der Flugzeugindustrie. Hier wurden Maschinen vorwiegend für militärische Zwecke konstruiert und produziert. Für die Beschäftigten baute man die Messerschmitt-Siedlung. Ein düsteres Kapitel war das für den (Zwangs-)Arbeitseinsatz bei Messerschmitt eingerichtete KZ-Außenlager. Die Haunstetter Flugzeugbau-Tradition wird von Premium Aerotec fortgeführt.

Künftige Entwicklung

Rund 27700 Bürger leben heute in Haunstetten. Statistisch kennzeichnen den drittgrößten Augsburger Stadtteil ein hohes Durchschnittsalter und ein geringer Bevölkerungszuwachs. Beides liegt an der begrenzten baulichen Entwicklung seit der Eingemeindung von 1972. Das wird sich mit dem Projekt Haunstetten-Südwest ändern. Für das landwirtschaftliche Areal zwischen dem südlichen Haunstetten und der Bundesstraße 17 neu gab es bereits in den 1990er Jahren konkrete Vorstellungen. Nun soll hier in einigen Jahren unter der Annahme von jeweils einem Drittel Wohnen, Gewerbe und Grün ein neuer Wohnraum für 10000 Einwohner entstehen.

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Wilfried Matzke ist Leitender Vermessungsdirektor der Stadt Augsburg. Er beschäftigt sich gerne mit der Geschichte der Stadtvermessung und der Entwicklung der Stadtteile.

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