Friedberger Advent

02.12.2019

Jeder Ton mit Liebe gespielt

Sophie Heinrich, geboren in Augsburg, ist Konzertmeisterin der Wiener Symphoniker. Mit dem Pianisten Paul Rivinius spielte sie in Friedberg.
Bild: M. Hochgemuth

Geigerin Sophie Heinrich gräbt sich tief in die Werke von Schumann und Brahms ein. Die Leichtigkeit fehlt dabei nie.

Heimkommen – unter diesem Motto stand am Sonntagabend das Kammerkonzert im Rahmen der Konzertreihe „Friedberger Advent“ im Wittelsbacher Schloss in Friedberg. Die Protagonisten auf der Bühne: Sophie Heinrich an der Violine und Paul Rivinius am Klavier.

Geigerin Heinrich ist gebürtige Augsburgerin und wirkte viele Jahre mit ihrem Instrument in der Region, bevor es sie in die nationale sowie internationale Musikwelt zog. Ihren vorläufigen Karrierehöhepunkt erreichte die 1981 geborene Violinistin im vergangenen Jahr, als sie zur Konzertmeisterin der Wiener Symphoniker auserkoren worden ist. Eine Premiere, denn sie ist die erste Frau in der Geschichte des Orchesters, welche diese Position besetzt.

In der Romantik hat sie ihre musikalische Heimat gefunden

Die gebürtige Augsburgerin zeigte dem Friedberger Publikum zusammen mit Paul Rivinius ein- und ausdrucksvoll, in welcher Epoche sie ihre musikalische Heimat gefunden hat: nämlich in der Romantik. Den Anfang machten die beiden mit Clara Schumanns drei Romanzen op. 22 und der G-Dur Sonate von Johannes Brahms, op. 78. Ab dem ersten Strich zeigte Heinrich, was ihr Violinspiel ausmacht: eine dynamische Tonmalerei mit einem warmem Klang-Farbspiel und präzisem Duktus.

Jeder Ton mit Liebe gespielt

Aber – und das ist die Kunst – immer mit der Kultur im Sinne des Erfinders. Möchte man etwa mehr über den bei manchen Geigern eher gefürchteten Brahmsschen Charakter erfahren, Heinrichs Interpretation zeigt in Perfektion, wie er geht. Pianist Paul Rivinius beweist in der Begleitung seine Anpassungsfähigkeit und meistert die solistischen Stellen mit Bravour.

Anpassungsfähigkeit ist auch bei Heinrichs Interpretation von Robert Schumanns Sonate in d-Moll op. 121 das Stichwort. Die Geigerin lässt sich auf die Eigenarten und Befindlichkeiten des Komponisten ein. In ihrer Ansprache erzählt Heinrich, sie lese sich in die Werke ein, um Hintergründe zu erfahren. Als Überwinden von Mauern beschreibt sie die Schwierigkeiten, die Schumann mit seiner facettenreichen Art zu komponieren bereitet.

Nach wenigen Takten merkt man, dass die Geigerin etwas tief stapelt: Mit ihrer spielerischen Leichtigkeit und der dramaturgischen Ernsthaftigkeit beweist Heinrich, dass für sie keine Mauer zu hoch sein kann. Beeindruckend auch ihre konditionellen Qualitäten: Bis zuletzt lässt sie mit hoher Konzentration jeder Note die Liebe zukommen, die es bedarf, um den Funken aufs Publikum überspringen zu lassen. Dass sie dann auch noch etwa bei den anspruchsvollen Doppelgriffen jeden Ton lupenrein trifft, ist ein feiner aber eigentlich nur noch unwesentlicher Nebeneffekt.

Zum Abschluss spielt das Duo die eher selten aufgeführte C-Dur-Romanze von Joseph Joachim und als Zugabe Felix Mendelssohn Bartholdys berühmtes Werk „Auf Flügeln des Gesanges.“ Es ist „wunderschön“ – um einen Zuhörer zu zitieren, welchen Heinrichs herzerwärmendes Spiel packt. Er ist mit Sicherheit nicht der einzige im so gut wie ausverkauften Saal. So kann der Advent beginnen.

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