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Junge Künstler

06.02.2021

Musik für die Augen: Filmemacher Michael Gamböck reizt Sinnesgrenzen aus

Filmemacher Michael Gamböck aus Augsburg arbeitet gerade mit seinem Kollektiv an der Visualisierung von Musik.
Bild: Robert Hagstotz

Im zweiten Teil unserer Serie „Junge Künstler“ lässt der Augsburger Filmemacher Michael Gamböck die Grenzen zwischen Sehen und Hören verschwimmen.

Musik sichtbar machen. Das ist erst einmal schwer vorstellbar und auch in der Umsetzung eine Herausforderung. Trotzdem haben sich der Augsburger Videokünstler Michael Gamböck und sein Kollektiv Wide Horizon Films genau das vorgenommen. Mithilfe von Zeichnungen und Bewegungen wollen sie Musik aus der hörbaren Ebene in eine visuelle übersetzen.

Der 24-jährige Gamböck hat bereits mehrere besondere Projekte, welche Zuschauer in eine surreale Erfahrung mitnahmen, hinter sich. Seine Arbeiten waren bereits in Tokio, Melbourne und den USA zu sehen.

Ausstellung im Planetarium in Jena

Eine der liebsten Ausstellungsorte seiner Werke war für Gamböck jedoch Jena. Dort wurde sein Film „Water Dome“ mit millimetergroßen Aufnahmen von Eis und Wasser in einem alten Planetarium auf über 20 Metern Kuppel projiziert. „Es war gigantisch, den Film in dieser Größe zu sehen“, schwärmt Gamböck, der das gezeigte Video extra für Planetarien konzipiert hatte.

Der 24-Jährige trägt eine große Brille, hat verwuschelte braune Locken und nimmt gerne die Hände zur Hilfe, um seine Worte zu unterstreichen. Alle paar Minuten muss er seine unzähmbaren Locken, die ihm ständig ins Gesicht fallen, zurückstreichen. Die Leidenschaft für Filme hatte Gamböck während seiner Jugend beim Schneiden von Geburtstagsvideos für Freunde entdeckt. „Das war oft großer Schmarrn, wir waren sehr kreativ und idiotisch“, erinnert er sich mit einem Lächeln. Doch so habe ihn die Kunst gepackt.

Balance aus künstlerischem Schaffen und Sicherheit

Nach dem Abitur und mehreren Praktika in dem Bereich entschloss er sich für ein Studium der Interaktiven Medien an der Hochschule Augsburg. Aktuell arbeitet er Teilzeit in einer Agentur und widmet sich während seiner übrigen Zeit der Kunst. So, erklärt er, habe er einen guten Ausgleich: „Durch den Job habe ich eine Regelmäßigkeit und ein sicheres Einkommen, gleichzeitig kann ich eigene Projekte starten.“

Eines seiner Projekte hängt inzwischen an der Küchenwand in seiner WG in Augsburg-Lechhausen: die abstrakte Installation einer roten Eidechse auf grau-grünem Hintergrund. Gamböck hat sie mithilfe eines selbst gemachten Fotos entworfen.

Professor lobt jungen Augsburger Filmemacher Michael Gamböck

Nicht weniger als die Erfindung einer neuen Welt attestiert Robert Rose, Professor an der Hochschule Augsburg für Zeitbasierte Medien, seinem ehemaligen Studenten Gamböck. „Er forscht, experimentiert, beißt sich durch und ist für unerwartete Ergebnisse offen“, beschreibt Rose seine Arbeitsweise. Zudem habe der junge Filmemacher das Talent, gleichzeitig strategisch und intuitiv an seine Projekte heranzugehen.

Auch wichtig: Er scheue nicht vor riskanten Werken zurück und probiere sich an Neuland, auch wenn das bisher kein großes Publikum habe. All das führe zu einer besonderen Erfahrung für sein Publikum: „Seine Werke machen neugierig und inspirieren die Menschen, sensibler in die Welt zu schauen.“

Augsburger Künstler arbeitet in Kollektiv "Wide Horizon Films"

Momentan arbeitet Gamböck mit zwei Kollegen in ihrem selbst gegründeten Kollektiv Wide Horizon Films an einem VR-Musikvideo, das Musik in die visuelle Ebene übersetzen soll. Mithilfe „total abgefahren detaillierter“ handgezeichneter Illustrationen der Augsburger Künstlerin Hanna Verwohlt soll ein 360-Grad-Virtual-Reality-Film entstehen.

Möglich ist das Projekt durch die Gelder aus einem Crowdfunding des Kollektivs: 4000 Euro kostet der eine Song, ein ganzes Album versprechen die Künstler, wenn 12.000 Euro zusammenkommen sollten. Davon sind sie jedoch noch ein gutes Stück entfernt.

Video junger Augsburger Künstler soll im Mai fertig sein

Im Mai soll das Video fertig sein. Gerne würden die jungen Künstler Gehörlose und Gehörgeschädigte in ihren Schaffensprozess mit einbeziehen, da sie potenziell von einer „sichtbaren Musik“ profitieren könnten. Doch die Corona-Pandemie hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, ihr Besuch bei einem Förderzentrum Ende vergangenen Jahres musste ausfallen und konnte immer noch nicht nachgeholt werden. Dort planen sie, Menschen mit akustischen Einschränkungen „Probe hören“ zu lassen und mithilfe von deren Feedback das Video weiterzuentwickeln. „Durch ihren Input kann es vielleicht noch einen ganz anderen Touch bekommen“, hofft Gamböck.

An der Arbeit im Kollektiv schätzt Gamböck „den Rat der anderen, ihre Unterstützung, aber auch, wenn sie meine Ideen anzweifeln“. Zudem helfe ihm der Druck, bei längeren Projekten am Ball zu bleiben.

Videokunst ist nur was für Jüngere? Von wegen!

Neben seiner Kunst bedeuten dem 24-Jährigen auch die Reaktionen darauf viel. Besonders gerne erinnert er sich an eine ältere Dame, die bei einer Schau sein Video sah. Sie habe zum ersten Mal eine VR-Brille aufgehabt und hatte zu Beginn ob der ungewohnten Erfahrung etwas Angst und hielt sich an ihrer Begleiterin fest. „Dann hat sie aber echt Spaß gehabt und sich die ganzen vier Minuten angeschaut“, erzählt Gamböck stolz.

Der 24-Jährige ist offen, was die Zukunft an Projekten bringt, einen Traum hat er allerdings auch: „Ich habe unfassbar Lust, mal im Gaskessel in Augsburg ein Video zu projizieren.“

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie über die Augsburger Sängerin Lienne.

In der Serie "Junge Künstler" stellen wir den kreativen Nachwuchs aus der Region vor.

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