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Staatstheater Augsburg

23.05.2019

Opernpremiere: Don Pasquales Leiden werden eine Show

Bild: Mercan Mutluay Fröhlich

Plus Gaetano Donizettis Spätwerk „Don Pasquale“ hat am Samstag Premiere im Martinipark.  Regisseurin Corinna von Rad geht die Opernproduktion spielerisch an.

Eine Oper voller Tempo, voller Freude, voller virtuoser Musik, so beschreibt Regisseurin Corinna von Rad das Werk, das sie gerade im Martinipark für das Staatstheater auf die Bühne bringt. Gaetano Donizettis Spätwerk „Don Pasquale“ hat am Samstagabend Premiere. Und von Rad kommt gleich ins Schwärmen, wenn sie die Vorzüge der Oper aufzählt. „Das ist keine traurige, keine komplizierte Oper, sie hat auch keine Message, sie ist ein Rausch und macht einfach Spaß.“

Und anders als so oft im Standardrepertoire der Opernliteratur steht hier eine starke, eine selbstbewusste, eine durchtriebene Frau im Mittelpunkt der Handlung, kein Opfer der Liebe, sondern eine Täterin aus Liebe. Auch das gefällt der Regisseurin. Der Plan von Don Pasquale, als älterer Junggeselle eine hübsche junge Braut zu ehelichen, geht fürchterlich schief. Er bekommt zwar Norina, aber zu dem Preis, dass sie ihm fortan das Leben kunstvoll zur Hölle macht, so hartnäckig, dass er freiwillig bereit ist, die Verbindung wieder aufzulösen.

Corinna von Rad inszeniert Don Pasquale mit Menschen von heute

Von Rad, Jahrgang 1971, die schon an vielen großen Häusern in Deutschland als Schauspiel- und Opernregisseurin gearbeitet hat, will ihre erste Donizetti-Inszenierung in die Gegenwart holen. „Bei der Uraufführung 1843 wollten die Sänger die Oper ins alte Rom verlagern, Donizetti selbst hat ihnen widersprochen“, erzählt sie. Für den Komponisten waren das Menschen seiner Gegenwart. Genauso sieht es auch von Rad, für sie sind es auch Menschen der Zeit.

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Um das Ziel zu erreichen, erklärt sie die Szenerie zu einer Glücksagentur, in der die einzelnen Figuren im Rahmen einer Gameshow versuchen, so gut wie möglich abzuschneiden und so glücklich wie möglich zu werden. „Das ist unsere Setzung“, sagt von Rad. Es gibt zum Beispiel eine Anzeigetafel, auf der immer mal wieder etwas eingeblendet wird.

Mit „Don Pasquale“ hatte Corinna von Rad schon einmal zu tun, und zwar in ihrer zweiten Tätigkeit als Regie-Professorin. Ihre Studenten hatten das Werk inszeniert. Die Idee für ihren Zugriff kam ihr aber nicht damals, sondern, als sie sich mit ihrer ersten Augsburger Inszenierung auseinandersetzte und überlegte, wie die Oper ins Heute zu bringen sei.

Stefan Sevenich singt die Titelpartie in Don Pasquale am Staatstheater Augsburg

Ein gutes Gefühl und Zufriedenheit stellt sich bei von Rad erst nach der Premiere ein, wenn ihre Arbeit wirklich getan ist. Ihr Ensemble lobt sie aber schon jetzt in hohen Tönen. Zum Beispiel gibt es für das Augsburger Theaterpublikum ein Wiedersehen mit Stefan Sevenich. Der Bassist war von 2003 bis 2007 festes Ensemble-Mitglied in Augsburg und trat danach auch noch regelmäßig in Konzerten in der Region auf. Nun gibt er die Titelpartie, und von Rad ist angetan von den schauspielerischen Qualitäten, die Sevenich zu seinen musikalischen mitbringt.

Die Norina wird in der Premiere von Jihyun Cecilia Lee gesungen, die sich im weiteren Verlauf die Partie mit Olena Sloia teilen wird. Mit Emanuele D‘Aguanno und Florian Götz sind als Ernesto und Malatesta zwei weitere Gastsänger für die Produktion verpflichtet worden. Und die Augsburger Philharmoniker und Dirigent Domonkos Héja? Sie haben ebenfalls großen Spaß an der Musik mit ihren rasanten und noch rasanteren Tempi, versichert von Rad.

Die Familie kommt am Premierentag aus Berlin

Nach sieben arbeitsreichen Wochen hat von Rad am heutigen Freitag plötzlich frei. Wie sie den Tag verbringen wird, weiß sie noch nicht genau. Das sei nicht ganz so einfach. Eines allerdings weiß sie sicher, sie werde mit ihren drei Kindern im Alter von drei, neun und zwölf Jahren in Berlin via Videotelefonie länger sprechen.

Am Premierentag komme die Familie dann aus Berlin angereist. Die beiden älteren Kinder werden im Publikum sitzen, das jüngste bekommt auch etwas aus Augsburg zu sehen – die Puppenkiste. „Damit bin ich groß geworden, das war das einzige, das uns unsere 1968er Eltern im Fernsehen haben anschauen lassen“, sagt von Rad. Dann muss sie weiter, erst zur Beleuchtungsprobe, danach steht die Generalprobe an.

Die Inszenierung im Überblick

Premiere 25. Mai um 19.30 Uhr im Martinipark

Musikalische Leitung Domonkos Héja

Inszenierung Corinna von Rad

Bühnenbild Ralf Käselau

Kostüme Sabine Blickenstorfer

Dramaturgie Verena Gertz

Darsteller Stefan Sevenich, Florian Götz/Wiard Witholt, Jihyun Cecilia Lee/Olena Sloia, Emmanuele D´Aguanno, Erik Völker, Andreas Hobmeier

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