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Musikerpaar im Interview

14.02.2021

Sarah Christian und Maximilian Hornung vermissen ihr Publikum

Der Cellist Maximilian Hornung und die Geigerin Sarah Christian stammen aus Augsburg, leben in München und treten in der ganzen Welt auf.
Bild: Astrid Ackermann

Plus Auch Sarah Christian und Maximilian Hornung sind zum Stillstand gezwungen. Wie sie damit umgehen, und warum ein Konzert vor Publikum mit nichts zu vergleichen ist.

Sarah Christian und Maximilian Hornung, als international gefragte Musiker waren Ihre Konzertkalender in den vergangenen Jahren gut gefüllt. Wie geht es Ihnen mit dem Stillstand im zweiten Lockdown?

Maximilian Hornung: Der Start in den zweiten Lockdown war für mich persönlich schwer. Ich war am Anfang wirklich frustriert, weil sich die Kulturbranche so ins Zeug gelegt hatte, um einen sicheren Konzertbetrieb gewährleisten zu können – eigentlich die einzige Branche, die das in dieser Form getan hat. Trotzdem waren wir wieder mit die Ersten, die ausgeschieden sind. Politiker denken leider, dass wir nicht wichtig sind. Wir sind vielleicht nicht so wichtig wie ein Supermarkt, in dem man etwas zu essen kaufen kann, aber die Kulturbranche als Ganze ist Seelennahrung, ist Nahrung für unser Menschsein. Wenn das wegfällt, dreht man früher oder später einfach durch. So weit ist es jetzt noch nicht gekommen, aber wer weiß, wie das noch weitergeht.

Sarah Christian: Ich muss auch sagen, dass ich jetzt im Winter mit der Situation phasenweise wirklich schwer zurechtkomme. Ende Januar hatten wir eine Aufnahme in Augsburg mit der Bayerischen Kammerphilharmonie, da habe ich richtig gemerkt, welche Energie mir das gibt, wieder Musik zu machen. Und ich habe das Glück, dass ich auch noch in einem Orchester spiele, der Deutschen Kammerphilharmonie in Bremen. Dort werden aktuell alle Projekte realisiert, wenn auch ausschließlich im Livestream und mit strengen Hygieneregeln wie etwa Schnelltests. Das ermöglicht mir, dass ich ab und an ein paar Tage rauskomme und wie gewohnt reisen kann. Das ist herrlich. Manchmal durfte ich auch wieder in Präsenz unterrichten, allerdings nur den Teil meiner Studenten an der Musikhochschule Stuttgart, die bald ihren Abschluss machen. Die anderen haben weiterhin nur Online-Unterricht; hier ist es für manche sehr schwer, sich zu motivieren.

Sarah Christian: Es entstehen Momente im Konzert nur durch das Publikum

Wie schaffen Sie es, in dieser Zeit motiviert zu bleiben?

Hornung: Bei mir persönlich ist das sehr tagesformabhängig. Manchmal wache ich morgens auf und weiß sofort, dass das heute nichts mehr wird. An anderen Tagen bin ich total motiviert, und dann passiert auch sehr viel. Ich denke, Motivation bekommt man nur, wenn man sich überwindet, anzufangen. Wenn man diesen Punkt überwunden hat, dann geht es. Damit meine ich nicht nur das Üben an sich, sonders alles, was den Tag mit Sinn füllt – Organisationsaufgaben zum Beispiel.

Wer aktuell Konzerte erleben will, kann auf Livestream-Angebote zurückgreifen. Was ändert sich für Sie als Künstler, wenn Sie vor einer Kamera statt vor vollem Haus spielen?

Christian: Ein Konzert vor Publikum ist mit nichts zu vergleichen, das ist das, was eine Energie herstellt, einen inspiriert und diese Spannung erzeugen kann, die man als Musiker spürt, sobald man durch eine Bühnentür geht. Für mich ändert sich da die Haltung und der Gesichtsausdruck, die ganze Körperspannung ist eine andere, wenn man ein Konzert vor Publikum spielt. Das kann ich vor keiner Kamera abrufen, und das ist auch nicht der Sinn. Es gibt Momente im Konzert, die entstehen nur, weil das Publikum da ist. Dazu kommt: Wenn ein Mikrofon vor einem steht, geht man nicht das Risiko ein, wie man es in einem Konzert tun würde. Man weiß schließlich, dass die Aufnahme da bleibt – auch in mehreren Jahren noch.

Was muss aus Ihrer Sicht geschehen, dass die Kulturbranche wieder eine Perspektive bekommt?

Hornung: Ich wünsche mir, dass die Kultur generell einen wichtigeren Stellenwert erhält, denn sie ist wichtig für eine funktionierende, friedliche Gesellschaft. Kunst und Kultur sind die einzigen Bereiche, in denen man sich wirklich frei ausdrücken kann und die Gedanken dazu angeregt werden, kreativ zu sein. Durch Kreativität sind wir lebendig und spannend, wir haben dadurch ein reiches Leben. Aus politischer Sicht ist es aus meiner Sicht wichtig, dass man einen Weg findet, mit Corona zurechtzukommen, zum Wohle von uns allen.

Befürchten Sie, dass die lange Zeit des Ausnahmezustands unserer Gesellschaft nachhaltig schaden wird?

Christian: Meine Sorge ist, ob nicht dieses Vertrauensproblem, das wir durch die ganzen Vorsichtsmaßnahmen verinnerlicht haben, nachhaltig unsere Gesellschaft prägen wird. Ich hoffe, dass es nicht zu lange dauert, bis man wieder eine Hand schütteln kann, ohne sich danach ein Desinfektionsmittel zu holen. Persönlich fände ich es schön, wenn wir von der Distanz wieder Distanz nehmen könnten.

Dieses Interview ist ein Ausschnitt aus dem Gespräch mit Sarah Christian und Maximilian Hornung im Podcast "Augsburg, meine Stadt". Die ganze Folge können Sie hier anhören:

 

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