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Staatstheater Augsburg

24.03.2019

"Tatort Augsburg": Diese Clowns lassen nicht mit sich spaßen

Gar nicht so lustig: Die Clowns stellen im „Tatort 5“ dem Kommissar Kaspar Einfalt ein Ultimatum (von links: Katja Sieder, Sebastian Müller Stahl, Linda Elsner).
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Plus Der fünfte „Tatort Augsburg“ spielt in der alten JVA im Hochfeld. Der Krimi des Staatstheaters lässt Zuschauer und Ermittler rätseln: Wer ist Opfer und wer Täter?

Spätestens seit Stephen Kings „Es“ wissen wir: Mit Clowns ist nicht zu spaßen. Insbesondere wenn sie mit furchteinflößender Fratze und auffällig buschiger Halskrause auftauchen. Das merken auch die Zuschauer beim fünften „Tatort Augsburg“ gleich zu Beginn der Krimi-Inszenierung. Während der sie nicht nur Einblicke in einen sonst verschlossenen Teil der Stadt erhalten, sondern fleißig mitermitteln dürfen. Für „Escape – Codename Clown“, die neue Folge der Reihe, hat das Staatstheater das Tor zur leer stehenden Justizvollzugsanstalt in der Hochfeldstraße geöffnet.

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Allein der Spielort sorgt für eine einmalige, düstere Atmosphäre, richtig unheimlich wird es dann aber, als die beiden Clowns ihren Auftritt haben und Kommissar Kaspar Einfalt (Sebastian Müller-Stahl) entführen. Was der dort überhaupt macht? Rätsel lösen, um einen Weg aus dem Gefängnis zu finden, eigentlich alles rein zur Unterhaltung. Denn die Eventagentur „High-Rate“ hat inmitten der hohen Mauern einen „Escape-Room“ geschaffen, ein Gesellschaftsspiel für Abenteuerlustige.

"Tatort Augsburg": Der Kommissar ist in höchster Not

Eine ungewöhnliche und spannende Ausgangssituation für das Stück: Die Ermittler, neben Einfalt Kommissarin Corinna Bruch (Natalie Hünig) und Polizeipräsident Moser (Gerald Fiedler), sind Teil der spielenden Menge. Ebenso wie alle anderen suchen sie den Innenhof nach Puzzleteilen ab. Dann die lauten Schüsse, die Zuschauer zucken zusammen, Einfalt ist gefangen und die Clowns heißen per Megafon herzlich willkommen zum Spiel.

Kaspar Einfalt (Sebastian Müller-Stahl) und Polizeipräsident Moser (Gerald Fiedler) im "Tatort Augsburg".
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Jetzt aber mit ernstem Unterton: Löst die Gruppe die Rätsel nicht in der vorgegebenen Zeit, stirbt der Kommissar. Wie eine Erkundungstour führt die Tatort-Folge von Hausregisseur David Ortmann und Drehbuchautor Peter Dempf fortan quer durch das Gefängnis, vorbei an den schmalen Zellen, in den Hinterhof, die alte Werkshalle. Jedes gelöste Rätsel gibt weitere Hinweise darauf, was die Clowns eigentlich wollen. Was hat die alte Fallakte „Tirana“ damit zu tun? Welche Verbindung gibt es zur albanischen Drogenmafia? Vor allem drängt sich aber immer mehr die Frage auf: Wer ist hier Opfer und wer Täter?

Moser und Bruch nehmen zwar das Ruder in die Hand, doch die Zuschauer sind die ganze Zeit über gefragt. Die Schauspieler gehen auf Hinweise und Vorschläge ein, plaudern mit dem ein oder anderen über den möglichen Täter und lassen sich gerne helfen, all das nicht nur beeindruckend flexibel, sondern ebenso schlagfertig und unterhaltsam. Das lässt schnell vergessen, dass sich an diesem Theaterabend keine allzu komplizierte und vielschichtige Geschichte entwickelt.

Aufgekratzt begleitet der Mann der Eventagentur die Zuschauer

Dirk (Daniel Schmidt), ein Mitarbeiter der „High-Rate“-Eventagentur.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Lokalkolorit und Anspielungen auf das sonntägliche Fernseh-Pendant kommen auch dieses Mal nicht zu kurz. Ebenso wie ein dramaturgisches Element, das sich in früheren Folgen bewährt hat: Video-Einspielungen. Per Skype schaltet sich einmal Bruchs Teampartner Thomas Weber (Klaus Müller) zu, einbandagiert im Krankenhaus liegend – natürlich hat sein Unfall etwas mit dem Spiel im Gefängnis zu tun. Und zum anderen Rechtsmedizinerin Karin Thielemann (Marlene Hoffmann), herrlich mit ihrem trockenen Humor. Ebenfalls zum Schmunzeln, jedoch auf ganz andere Weise: Dirk (Daniel Schmidt), ein Mitarbeiter der „High-Rate“-Eventagentur. Sichtlich aufgekratzt und ungemein hibbelig begleitet er die Zuschauer auf ihren Weg. Überbrückt mit seinem ungebremsten Redeschwall jene Momente, in denen erst mal alle in einen Raum hinein oder wieder hinaus müssen.

Am Ende verlässt der Zuschauer die JVA mit dem Gefühl, gleichzeitig dreierlei erlebt zu haben: Ein stimmiges Theaterstück mit starkem Ensemble und lebhaften Figuren, eine interessante Tour durch das alte Gefängnis und ein nervenaufreibendes „Escape-Spiel“.

Weitere Vorstellungen am 7. und 9. April; außerdem im April und Mai.

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