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Kulturpolitik: Personalnotstand in den Augsburger Kunstsammlungen

Kulturpolitik

Personalnotstand in den Augsburger Kunstsammlungen

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    Die Städtischen Kunstsammlungen und Museen - hier ein bild des Viermetzhofes im Maximilianmuseum - leiden unter eklatantem Personalmangel.
    Die Städtischen Kunstsammlungen und Museen - hier ein bild des Viermetzhofes im Maximilianmuseum - leiden unter eklatantem Personalmangel. Foto: Silvio Wyszengrad

    Man hört und liest es immer wieder: Der Stadt Augsburg fehlt das Personal. Genau das ist auch eines der drängenden Probleme der Kunstsammlungen. Es fehlen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – in der Verwaltung, im wissenschaftlichen Bereich des Museums, aber auch beim Aufsichtspersonal. Bekannt ist das schon lange, nun geht Kulturreferent Jürgen Enninger gemeinsam mit Kunstsammlungsdirektor Christof Trepesch die personellen Probleme der Kunstsammlungen an.

    Unter den Stadträtinnen und Stadträten des Kulturausschusses hat die Bestandsaufnahme jüngst für Verwunderung und Diskussionsbedarf gesorgt, als dort Kerstin Lidl, Leiterin der Kunstsammlungs-Verwaltung, das kritische Bild der Lage hinter den Kulissen gezeichnet hat: In der Verwaltung fehle es an notwendigen Stellen, Arbeitsverträge seien zudem zeitlich befristet, etwa bei der Inventarisierung der Objekte. Es fehle eine professionelle Kraft, die vor allem die Online- und Social-Media-Auftritte der Kunstsammlungen und Museen betreut. Es fehlt jemand, der eigens für das Sammlungsmanagement und den wissenschaftlichen Service des Hauses zuständig ist, dazu eine Bibliothekarstelle für die mehr als 70.000 Bände im Bestand des Hauses. Im immer wichtiger werdenden Bereich der Kunstvermittlung müsste auch jemand eingestellt werden. 

    Viele Mitarbeiter beim Aufsichtspersonal seien älter

    Außerdem mangelt es an Aufsichtspersonal. Kunstsammlungsleiter Trepesch sagt, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort älter seien und Vorerkrankungen hätten, sodass der Krankenstand im Aufsichtspersonal überdurchschnittlich hoch sei. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an das Personal, etwa auch durch die Aktionen der Klimaschützer von Letzte Generation, weil sie immer wieder Sammlungen von Museen zum Ziel von Klebeaktionen gemacht haben.

    Zu den personellen Nöten kommen auch noch finanzielle, etwa was den Ausstellungsetat des H2-Zentrums für Gegenwartskunst betrifft. Als das Haus 2006 seinen Betrieb aufnahm, belief sich das jährliche Budget für Sonderausstellungen auf 70.000 Euro. In Oberbürgermeister Kurt Gribls erster Amtszeit setzte das große Sparen in Augsburg ein, woraufhin der Etat drastisch gekürzt wurde. Erholt hat sich das Budget seitdem nicht mehr. Im Haushalt 2023 sind 33.600 Euro vorgesehen – die Hälfte von 2006, wobei die Inflation dabei noch gar nicht berücksichtigt ist. In Zukunft kommen auf das H2-Zentrum für Gegenwartskunst weitere Aufgaben hinzu, weil mit der Halle 1 (den Räumen, in denen zuvor die Staatsgalerie untergebracht war) eine neue Sonderausstellungsfläche hinzugekommen ist. 

    Gegen den Platzmangel ist eine Lösung gefunden worden

    Eine Erfolgsmeldung können Enninger und Trepesch bereits vermelden: Gegen den Platzmangel – vor allem bei den Büros für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ist eine Lösung gefunden worden. Ursprünglich sollten die Büros der Kunstsammlungen ja in die ehemaligen Räume des Leopold-Mozart-Zentrums an der Maximilianstraße ausgelagert werden. Weil die Sanierung des Gebäudes aber teurer als gedacht ist, schiebt die Stadt dieses Projekt auf. Nun hat sich eine andere Option aufgetan, nämlich die frei gewordenen Räume im Höhmannhaus als Büros zu übernehmen. 

    Bekannt sind die Nöte der Kunstsammlungen übrigens schon länger. Bereits das Kulturentwicklungskonzept (KEK), das unter Kulturreferent Thomas Weitzel 2018 und 2019 entstand, hielt die großen Baustellen der Kunstsammlungen fest. Schon damals kam der Personalmangel deutlich zur Sprache. Als erste Maßnahme wurde die Pressestelle der Kunstsammlungen besser ausgestattet. Angemahnt wurde damals auch die Situation der Museumsdepots. Die Objekte der Kunstsammlungen sind über mehrere Liegenschaften verteilt, die alle nicht den Anforderungen an ein modernes Depot erfüllen – etwa was die Klimatisierung angeht.

    In internem Verfahren soll Personalsituation genauer angesehen werden

    Eine Anregung des Kulturentwicklungskonzepts hat Kulturreferent Jürgen Enninger erst kürzlich umgesetzt: Damals ist festgehalten worden, dass Augsburg eine reiche Museumslandschaft hat, aber kein stadthistorisches Museum, das die lange Geschichte der Stadt nachzeichnet. Die Idee damals war, mit einer Kuratorin oder einem Kurator über virtuelle Ausstellungen und Rundgänge unterschiedliche Aspekte der Stadtgeschichte in den Museen der Kunstsammlungen herauszuarbeiten. Diese Stelle ist nun unter Enninger mit der Historikerin Cosima Götz besetzt worden. Im Augenblick ist die Stelle noch im Kulturreferat angesiedelt, perspektivisch soll sie zu den Augsburger Kunstsammlungen wandern.

    Bis sich an den personellen Engpässen im Haus allerdings etwas ändert, wird es noch dauern. Kulturreferent Jürgen Enninger sagt, dass indessen ein stadtinternes Verfahren beginne, um die Personalsituation der Kunstsammlungen genauer anzusehen. Laut Enninger könne diese Untersuchung zwischen sechs Monate und einem Jahr dauern. Geduld ist also weiterhin gefragt. 

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