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Interview

03.06.2019

Ex-FCA-Spieler Thiede: "Im Profi-Fußball scheint nicht immer die Sonne"

Marco Thiede (rechts, links im Bild David Pisot) stieg nicht nur mit dem KSC in die Bundesliga auf. Der gebürtige Augsburger gewann mit dem Traditionsklub auch den württembergischen Pokal gegen Mannheim.
Bild: Imago Images

Der Fußball-Profi Marco Thiede ist gerade mit dem Karlsruher SC in die 2. Bundesliga zurückgekehrt. Doch von der Glitzerwelt Bundesliga ist er Lichtjahre entfernt.

Herr Thiede, kommen Sie aus dem Feiern überhaupt noch heraus? Es liegen ja aufregende Wochen mit dem Karlsruher SC hinter Ihnen. Zuerst der Zweitliga-Aufstieg und jetzt auch noch der 5:3-Sieg im nordbadischen Pokal-Finale gegen den Erzrivale des Karlsruher SC, gegen Waldhof Mannheim.

Marco Thiede: Kann man so sagen. Wir sind am Mittwoch zuvor von Malle zurückgekommen und was witzig war, wir haben dort die Mannheimer getroffen. Die feierten dort ihren Aufstieg in die 3. Liga, wir unseren. Und diese Stimmung hat man am Sonntag auch auf dem Spielfeld gemerkt. Beide Mannschaften waren ja schon vorher für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal qualifiziert, alle haben zwar alles gegeben, aber es waren auch alle gut drauf. Darum ist so ein Torfestival zustande gekommen.

Was bedeuten diese sportlichen Erfolge für Karlsruhe?

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Thiede: Der Zweitliga-Aufstieg ist für die Region wahnsinnig wichtig. Nach der verpassten Relegation im Vorjahr (Anm. der Red.: 0:0 und 1:3 gegen Aue) sehnten sich der Verein und die Fans nach der 2. Liga. Und da gehört Karlsruhe auch hin. Was ich die letzten zwei Jahre hier erlebt habe, auch mit den KSC-Anhängern, ist der Wahnsinn. Unglaublich, wie viele uns auswärts während der Saison begleitet haben. Aber ich muss auch zugeben, den Fans war der Sieg im Pokalfinale unheimlich wichtig.

Wie meinen Sie das?

Thiede: Sie haben letztes Wochenende zu uns gesagt: Fliegt nach Malle, habt Spaß, aber dann müsst ihr die Waldhöfer unbedingt weghauen. Denn das ist schon noch ein Derby von früher. Aber am Sonntag ist ja alles friedlich abgelaufen.

Die KSC-Ultras gelten als nicht gerade einfaches Klientel, auch der eigenen Mannschaft gegenüber.

Thiede: Ich denke, sie wollen einfach, dass du als Spieler immer alles gibst. Das kommt mir entgegen. Ich bin vielleicht nicht der technisch beste Spieler, aber ich kämpfe immer. Wenn sie merken, dass wir uns den Arsch nicht aufreißen, wie beim 0:3 gegen den damaligen Tabellenletzten Lotte, dann kann es ungemütlich werden. Andererseits macht es richtig Laune, vor diesem Publikum zu spielen.

Sie haben zwei aufregende Jahre beim KSC hinter sich. Als Ihr Vertrag in Sandhausen nicht verlängert wurde, waren Sie im Sommer 2017 drei Monate ohne Verein, also quasi arbeitslos. Hat man da Existenzängste? Sie sind zwar auch Fußball-Profi, doch von der Glitzerwelt der Weltstars noch weit entfernt.

Thiede: Existenzängste hatte ich keine. Ich hatte Angebote vorliegen, aber es war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Darum habe ich ein wenig auf Zeit gespielt. Aber als dann die Vorbereitung begann und die ersten, zwei, drei Spiele gespielt waren und ich immer noch zu Hause saß, war es schon unangenehm. Ich habe mich damals beim FV Illertissen mit Trainer Ilija Aracic fit gehalten. Umso glücklicher bin ich aber, wie es jetzt läuft.

Sie haben in der abgelaufenen Saison als rechter Verteidiger 37 von 38 Punktspiele für den KSC absolviert. Der FCA sucht Verstärkung auf dieser Position.

Thiede: Das habe ich auch gehört. Es hat sich aber noch niemand gemeldet, ich warte aber täglich darauf (lacht). Im Ernst: Es ist kein Geheimnis, dass ich mit zwölf Jahren vom FC Gundelfingen zum FCA gewechselt bin und alle Jugendmannschaften durchlaufen habe. Wenn es nur den Funken einer Chance geben würde, würde ich nach Augsburg zu Fuß laufen. Der FCA ist mein Verein.

Am 25. November 2011 hatten Sie beim FCA Ihren ersten Einsatz bei den Profis. Sie standen beim 1:0-Auswärtssieg in der 2. Runde im DFB-Pokal bei RB Leipzig in der Startelf. Dabei blieb es aber. Warum?

Thiede: Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht weit weg von Einsätzen in der Profimannschaft und saß nach dem Aufstieg in die Bundesliga ein paar Mal auf der Bank. Aber dann ging Trainer Jos Luhukay und das war der Knackpunkt für mich. Mein Förderer, der mich hochgezogen hatte, war weg.

Es folgte Markus Weinzierl. Was lief da schief?

Thiede: Als der FCA damals in der Winterpause mit neun Punkten dastand, wurden ich und noch ein, zwei andere junge Spieler aussortiert, obwohl wir keine einzige Minute gespielt hatten. Da haben wir auch etwas Kritik abbekommen.

Was wurde Ihnen vorgeworfen?

Thiede: Ich weiß es gar nicht mehr. Ich kann mich nur noch erinnern, dass sich Daniel Baier und Simon Jentzsch vor uns gestellt haben. Das werde ich nie vergessen, denn wir waren ja nur junge Spieler. Aber ich muss auch meinen Hut vor Markus Weinzierl ziehen. Als er Trainer auf Schalke und ich Spieler beim SV Sandhausen war, hatten wir ein, zwei gute Gespräche. Er hat mir seine Sicht der Dinge erklärt. Es war halt damals so schlimm, weil mein Herz am FCA hing. Mit einem gewissen Abstand kann ich auch Weinzierls Sichtweise ein bisschen nachvollziehen. Es bedeutet mir aber viel, dass er sich über meine sportliche Entwicklung gefreut hat.

Nach Ihrem Wechsel im Sommer 2013 vom FCA zum SV Sandhausen wurden Sie beim damaligen Zweitligisten Stammspieler. Warum wurde ihr Vertrag im Sommer 2017 nicht verlängert?

Thiede: Es war ein ähnliches Szenario wie in Augsburg. Mein Förderer Alois Schwartz, der mich später zum KSC holte, ging nach Nürnberg, und sein Nachfolger Kenan Kocak hielt dann nicht mehr so große Stücke auf mich. Manchmal muss man halt Glück haben.

Ihr Vertrag beim Karlsruher SC läuft noch bis 2020. Was sind Ihre persönlichen Ziele? Wollen Sie noch im neuen Wildparkstadion spielen? Der Umbau hat ja schon begonnen und soll bis 2022 abgeschlossen sein?

Thiede: So weit vorauszuplanen, ist schwer. Ich genieße das Hier und Jetzt. Wir sind aufgestiegen und ich bin Stammspieler, alles andere, was kommt, ist schwer zu beeinflussen. Mir gefällt es in Karlsruhe gut, aber ich habe noch einen großen Traum: Ich will einmal im Ausland spielen. Meine Sichtweise auf den Fußball hat sich gerade in meiner vereinslosen Zeit schon etwas geändert.

Wie meinen Sie das?

Thiede: Als junger Spieler war ich sehr verkrampft, es gab für mich nur Fußball. Jetzt habe ich noch mein Sportmanagement-Fernstudium. Ich habe erfahren müssen, dass es schnell auch in die andere Richtung laufen kann. Es scheint im Profi-Fußball nicht immer nur die Sonne.

Aber als Profi sind Sie doch in einer privilegierten Lage...

Thiede: Wir verdienen hier in der 3. Liga durchaus gutes Geld, aber wir sind Lichtjahre von einem Messi oder selbst von Bundesliga-Gehältern, die teilweise gezahlt werden, entfernt. Drittliga-Fußball ist schön, Zweitliga-Fußball ist noch schöner, aber von uns hat keiner ausgesorgt. Ich bin jetzt 27 geworden, ich werde nach meiner aktiven Zeit arbeiten müssen. Und darauf will ich vorbereitet sein.

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