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Lehrermangel

25.02.2019

An einer Schule in Pfersee fällt seit Wochen Unterricht aus

In einer Augsburger Schule sind die Klassenzimmer seit Wochen schon am späten Vormittag verwaist. Dort wurde eine Lehrerin versetzt, eine Aushilfe gibt es nicht.
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa (Symbolbild)

In der Westpark-Grundschule in Augsburg fällt seit Wochen Unterricht aus, weil es zu wenig Personal gibt. Schulleitung wie Schulamt schweigen - und verweisen an das Kultusministerium.

Weniger Sport für die Zweitklässler, kein Eislaufunterricht, kein Religion und Ethik in den dritten und vierten Jahrgangsstufen: In der Westpark-Grundschule in Augsburg-Pfersee fallen schon den ganzen Monat Schulstunden aus. Schulschluss ist zum Teil bereits um 11.25 Uhr. Der Grund: Es fehlt an Lehrern.

Zum 1. Februar wurde eine Lehrerin von der Westpark-Grundschule von heute auf morgen an eine andere Schule versetzt, um dort wegen eines Notfalls auszuhelfen. Die Frau ist als Springerin beim Freistaat angestellt, als sogenannte mobile Reserve. Und weil an der anderen Schule eine Klassleitung fehlte, muss sie künftig dort übernehmen.

Der Fall der Augsburger Schule ist für Simone Fleischmann ein deutliches Zeichen, wie sehr es an den bayerischen Schulen brennt. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) sagt: „Wenn für die Kinder kein Unterricht mehr stattfinden kann, ist das ein Armutszeugnis der bayerischen Politik.“ Und die Situation wird nicht besser: Einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung zufolge fehlen allein an deutschen Grundschulen bis 2025 rund 35.000 Lehrkräfte, sofern die Politik nicht gegensteuert.

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Kultusministerium: Es gibt keine unbesetzten Stellen

Ein Pressesprecher des bayerischen Kultusministeriums hingegen erklärt, dass es „an Grund-, Mittel-, und Förderschulen im Regierungsbezirk Schwaben keine unbesetzten Stellen“ gibt. Trotzdem lasse es sich nicht ausschließen, „dass es an Schulen vorübergehend zu Engpässen kommt“, so der Sprecher weiter. Gerade jetzt im Winter bestehe eine „Sondersituation“ – bedingt durch die Influenza.

Wenn viele Lehrer krank sind, müssen die sogenannten mobilen Reserven aushelfen. Jeder Schulamtsbezirk in Bayern verfügt über einen Topf an diesen Lehrern, die nicht an einer Stammschule unterrichten und zwischen den Schulen hin- und her wechseln, um dort die Vertretungsstunden zu übernehmen – zum Beispiel im Fall von Krankheit, Schwangerschaft und anderen Notfällen.

Zu Schuljahresbeginn standen in Bayern 2450 solcher mobilen Reserven in Vollzeit zu Verfügung, teilt der Sprecher aus dem Kultusministerium mit. Für den Einsatz dieser Lehrer sind die staatlichen Schulämter zuständig, die den Schulen die Lehrkräfte zur Unterrichtsvertretung zuweisen.

Verbandspräsidentin Simone Fleischmann weiß, dass die Schulen im Freistaat immer wieder mit Personalengpässen zu kämpfen haben, besonders während der Grippewellen. „Deshalb fordern wir als Verband, dass der Topf der mobilen Reserven vergrößert werden muss.“

Schulleiterin und Schulamt schweigen

An der Augsburger Schule können die fehlenden Stunden bis zu den Faschingsferien nicht ersetzt werden. In Kernfächern wie Deutsch, Heimat- und Sachkundunterricht und Mathematik müssen die Kinder aber weiterhin unterrichtet werden.

Auf die Nachfrage, wie die Grundschule mit dem Lehrermangel umgeht, wie sie den Schulalltag organisiert und wie die Eltern auf den Unterrichtsausfall reagieren, wollten sich weder die Schulleiterin noch das staatliche Schulamt in Augsburg gegenüber unserer Redaktion äußern. Beide verwiesen auf das Kultusministerium in München als zuständige Stelle.

BLLV-Chefin Fleischmann ist es wichtig, die Schuld nicht bei der einzelnen Schule vor Ort zu suchen. „Wegen des akuten Lehrermangels müssen sich die Schulen selbst Lösungen für sich einfallen lassen, wie sie die Situation am besten meistern.“ Diese Maßnahmen dürfe man aber nicht von außen bewerten. Jede Schulleitung wisse am besten, wie sie eine Krisensituation an ihrer Schule managen muss. „Damit sollten sie aber nicht allein gelassen werden. Wir fordern, dass das Kultusministerium für solche Problemfälle mehr Lösungen von oben anbietet.“

Elternverband: Schulen sind nicht schuld

Genauso sieht es Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes. „Die Schulleiter sind in solchen Fällen oft zurückhaltend, weil sie Angst haben, es fällt negativ auf sie zurück. Es könnte ja so aussehen, als hätten sie ihre Einrichtung nicht im Griff.“ Dabei könnten die Schulen selbst ja gar nichts dafür, wenn Lehrer abgezogen werden.

Seit vielen Jahren beobachtet Paede, die in Stadtbergen bei Augsburg lebt, das Problem des Lehrermangels und ist bereit, mit vielen anderen Eltern auf die Straße zu gehen. „Doch was soll das bringen?“, fragt sie. „Es werden einfach nicht genug neue Lehrer eingestellt. Wir laufen dem Problem seit Jahren hinterher.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Lehrermangel wird nur kaschiert

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