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Bad Grönenbach

09.07.2019

Augsburger Tierschützer decken Missstände bei Mega-Milchbauer im Allgäu auf

Das Bild einer kranken Kuh aus dem Stall in Bad Grönenbach.
Bild: Soko Tierschutz

Ein Milchbauer in Bad Grönenbach steht unter Verdacht, Kühe wochenlang misshandelt zu haben. Augsburger Tierschützer deckten den Fall auf.

Einer der wohl größten Milchviehbetriebe Deutschlands im Unterallgäu steht unter Verdacht, Tiere über Wochen hinweg gequält und misshandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Aufgedeckt haben die mutmaßlichen Missstände die Tierschützer vom Verein „Soko Tierschutz“ aus Augsburg. Wir sprachen mit dessen Gründer Friedrich Mülln.

Wie sind Sie dem Betrieb im Unterallgäu auf die Schliche gekommen?

Friedrich Mülln: Bei Soko Tierschutz arbeiten wir in der Regel mit Informanten zusammen, die uns von diversen Missständen berichten. Auch die Bilder und Berichte aus dem Stall in Bad Grönenbach haben wir aus vertrauensvollen Quellen erhalten. Wir haben trotzdem alle Informationen noch einmal überprüft und dabei die Personen sowie und die Orte, die zu sehen sind, eindeutig identifizieren können. Es handelt sich also tatsächlich um den Betrieb in Bad Grönenbach.

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Die Soko Tierschutz berichtet regelmäßig von Missständen in Ställen oder Schlachthöfen – ist der Fall in Bad Grönenbach einer von vielen?

Mülln: Nein, dieser Fall ist in besonderem Maße erschreckend. Ich bin jetzt schon einige Jahre als Tierschützer unterwegs und weiß, dass die Zustände in manchen Ställen wirklich gruselig sind. Aber diese Dichte an Verstößen, die Brutalität, die Systematik der Misshandlung der Tiere auf einem Hof, der sich selbst gerne als Prestige-Betrieb darstellt – so etwas habe auch ich nicht erwartet. Ich kenne mittlerweile viele Milchviehbetriebe, auch weil ich selbst aus dem Chiemgau komme. Es kommt in vielen Ställen mal vor, dass einer Kuh mal der Schwanz umgedreht wird oder dass mal mit einem Knüppel zugeschlagen wird. Aber solche Zustände wie in dem Stall in Bad Grönenbach habe ich vorher noch nicht gesehen. Das hängt womöglich auch mit der schieren Größe des Betriebes zusammen. Der Landwirt selbst hat einmal von 1800 Tieren gesprochen, wir gehen von deutlich mehr aus.

Werden wir doch konkreter. Was haben Sie in dem Stall alles gesehen?

Mülln: Dort werden Tiere systematisch misshandelt. Kranke Tiere, die nicht mehr stehen können, kämpfen liegend tagelang mit dem Tod. Sie werden teilweise zweimal am Tag mit Zangen zum Aufstehen gezwungen und stürzen sofort wieder auf den Boden. Sie werden geschlagen, verletzt, gequält. Manche Tiere werden mit einem Bolzenschussgerät „getötet“ – dabei ist diese Methode eigentlich nur zur Betäubung der Tiere gedacht.

Welche Konsequenzen haben Sie aus den Bildern gezogen, die Sie gesehen haben?

Mülln: Wir können bei so etwas nicht tatenlos zusehen und haben am 10. Juni eine anonyme Anzeige beim Veterinäramt zur Gefahrenabwehr erstattet, in der Hoffnung, dass die Behörden einschreiten. Doch diese Hoffnung wurde enttäuscht. Als am nächsten Tag ein Kontrolleur in den Betrieb kam, wurde vorher auffällig gründlich aufgeräumt.

Sie glauben, die Betreiber wussten von der Kontrolle?

Mülln: Das kann ich nicht behaupten. Unseren Informationen nach wich der Morgen der Kontrolle aber auffällig von einem normalen Tagesablauf ab. Das Schlimmere aber ist: Nach der Kontrolle ging es mit den Misshandlungen und Verstößen quasi nahtlos weiter. Das wirft kein gutes Licht auf die Schlagkraft der örtlichen Behörde. Daher haben wir am vergangenen Donnerstag auch Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Memmingen erstattet.

Die Soko Tierschutz wurde 2012 in Augsburg gegründet. Was ist Ihr Ziel?

Mülln: Wir wollen blinde Flecken beim Tierschutz aufdecken. Daher haben wir auch vor etwa zwei Jahren beschlossen, uns auf die Milchindustrie zu konzentrieren. Über die Zustände in Geflügelmastanlagen oder in Schweineställen wurde in der Vergangenheit immer wieder und viel berichtet. Aus unserer Sicht wurden und werden die Probleme in der Milchviehhaltung dagegen oft verharmlost. Das wollen wir ändern.

Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz bei einer Demo in Ulm im Jahr 2016.
Bild: Ralf Zwiebler, dpa
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11.07.2019

Tiere sind immer noch eine SACHE.....deshalb werden Tierquäler leider zu lasch oder gar nicht bestraft...solange dieses Gesetz nicht geändert wird, passiert solchen edit/bitte versuchen Sie sachlich zu bleiben/mod)....doch sowieso nix...

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11.07.2019

Wir haben alles Nötige getan . Ich frage mich was?
Der Landwirt mit seinen Arbeitern quälten die Tiere weiter. Weshalb? Hat es Spaß gemacht? Oder wissen Sie nicht wie, man mit Lebewesen ,ob Tier oder Mensch, umgeht?
Die Tiere mussten die Schmerzen aushalten. Sie konnten sich nicht wehren.
Das Amt hat alles Nötige getan. Trotz Hinweise.
Danke Soko Tierschutz,dass es euch gibt.

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10.07.2019

Erfreulich,
dass hier niemand die Arbeit der "Whistleblower" (Alarmschlager) kritisiert, obwohl sie vermutlich auch teilweise gesetzliche Vorschriften verletzt haben.
Gerade wenn der Staat seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, die Menschen, Tiere, Gesundheit und Umwelt zu schützen, werden couragierte Bürgerinnen und Bürger umso wichtiger!

Raimund Kamm

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09.07.2019

Es ist immer wieder erschreckend wieso solche heftigen Missstände durch Tierschutz-Vereine aufgedeckt werden müssen.
Wo ist hier die Kontrolle seitens der Behörden? War dort mal ein Kontrolleur vor Ort? Des kann es doch wohl nicht sein...

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09.07.2019

Schlimm - und wir können die boykottieren!

Vor Jahren haben Tier- wie Umweltschützer den Bau dieser Milchfabrik kritisiert. Damals befürchteten wir durch die extreme Tierdichte, dass zu viel Nitrat in den Boden kommt und die Massenhaltung tierquälerisch werden könnte. Doch der Bau wurde genehmigt und offenbar der Betrieb nur schlecht kontrolliert. Was jetzt wohl die Landwirtschaftsministerin dazu sagen wird?

Als Milchkunde möchte ich jetzt wissen, über welche Molkerei und unter welchem Namen diese Milch vermarktet wird. Ich möchte solch einen Betrieb nicht mittragen! Wobei man vermutlich sicher sein kann, dass die Milch nicht als Biomilch deklariert werden kann.

Raimund Kamm

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09.07.2019

In diesem Punkt, Herr Kamm, muss ich Ihnen voll zustimmen! Und ich kann Ihnen auch sagen wo die Milch drin steckt: u.a. Champignon-Camembert.. (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

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10.07.2019

Die Käserei Champignon hat die Zusammenarbeit mit der Molkerei soeben beendet. Zum Glück!

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09.07.2019

Das mindeste was die zuständigen Behörden tun sollten, wäre eine sofortige Schliessung des Betriebes
und ein dauerhaftes Tierhalteverbot.

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09.07.2019

(edit/bitte kommentieren Sie sachlich)

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09.07.2019

Tierschutz ist die letzte Möglichkeit den misshandelten Tieren zu Helfen.
Tierquälerei muss Straftatbestand werden und hart bestraft werden.
Den Tierschützern weiterhin viel Erfolg

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09.07.2019

Tierquälerei ist bereits eine Straftat :

Parg. 17 TierSchG .

Es fehlt hier - wie auch bei den Verbrechen und Veegegen des StGB - allerdings an der Umsetzung - namentlich und hauptsächlich in der dafür zuständigen Rechtssprechung .

Eine weitere Parallele s

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09.07.2019

Fakt ist, dass Tierquälerei in diesem Extrem-Konsumerland als Kavaliersdelikt abgehandelt wird. Kontrollen über einen längeren Zeitraum sind in diesem Land ein Fremdwort und wer sollte es machen, wo doch an allen Ecken und Endenl Fachkräftemangel herrscht? Alle bisherigen Taten sind doch lasch verfolgt und bestraft worden, wenn man überhaupt von "Bestrafung" reden kann.
Wie sollte man das auch, wenn die betroffenen Betriebe staatlich gefördert bzw. unterstützt werden. Wäre doch ein Schuß ins eigene Knie. Also bleibt alles beim Alten und Ruhe bis zum nächsten Missstand - dann darf man sich wieder erregen!

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