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Corona-Sommer

06.08.2020

Experten fürchten mehr Badetote im Corona-Sommer

Kinder liebes es, im Sommer im Wasser zu planschen. Die DLRG warnt dafür, die Kleinen dabei nicht aus den Augen zu lassen.
Bild: Hannibal Hanschke

Plus Die Nachfrage nach Schwimmbecken im eigenen Garten ist in der Corona-Krise massiv gestiegen. Warum Experten vor Gefahren für Kinder warnen.

Die Tragödie geschieht an diesem warmen Sommertag in wenigen Minuten. Das vierjährige Mädchen spielt draußen vor dem Haus, die Mutter passt auf. Doch dann lässt die Frau ihre Tochter kurz aus den Augen – als sie wiederkommt, ist das Mädchen verschwunden. Die Polizei findet den leblosen Körper des Kindes schließlich im Pool der Nachbarn. Das Mädchen wird ins Krankenhaus gebracht. Und stirbt.

Der dramatische Unfall, der vor wenigen Wochen im baden-württembergischen Burladingen geschehen ist, lenkt den Blickt auf eine Gefahr, die bisher eher im Verborgenen geschlummert hat: Gartenpools – die schnell zur Todesfalle werden können.

Corona-Krise: Viele Menschen holen sich den Badespaß in den eigenen Garten

In diesem Sommer erleben die Becken einen Boom. Wegen der Corona-Krise fahren weniger Menschen in den Urlaub – den Badespaß, den sie eigentlich am Meer erleben wollten, holen sie sich nun in den eigenen Garten. Die Auftragsbücher vieler Pool-Hersteller sind voll, Baumärkte berichten von einer immensen Nachfrage. Die Firmenkette Bauhaus etwa teilt mit, dass gegenwärtig Gartenpools in Deutschland nur noch in sehr begrenzter Anzahl verfügbar seien – sowohl online als auch in Märkten.

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Angesichts dieser Entwicklung und nicht zuletzt wegen des schrecklichen Unglücks in Burladingen macht die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nun auf die Gefahren aufmerksam und warnt vor Unachtsamkeit. Volker Härdtl, Landesgeschäftsführer der DLRG Bayern, macht im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich: „Schon ab einer Wassertiefe von 20 Zentimetern besteht die Gefahr, zu ertrinken, sobald Nase und Mund unter Wasser sind.“

Das heißt: Auch Planschbecken können zur tödlichen Falle werden. Das Wichtigste sei, die Kinder nicht aus den Augen zu lassen, fährt Härdtl fort. Denn schon binnen 30 Sekunden könne es zur Katastrophe kommen. „Wir wollen Gartenpools nicht verteufeln“, sagt er. „Aber es geht uns darum, deutlich zu machen, dass man vorsichtig sein muss.“

Gefahr am Gewässer: An Badeseen ist es in der Corona-Krise extrem voll

Es sind übrigens längst nicht nur die Garten-Pools, die Organisationen wie der DLRG Sorgen machen. Auch in der Natur kommt es immer wieder zu tragischen Unfällen mit Kindern. Etwa Mitte Juli im oberbayerischen Tüßling im Landkreis Altötting. Dort stürzte ein vierjähriger Bub in einen Bach – er starb wenig später im Krankenhaus. Es waren nur wenige Minuten vergangen, bis die Mutter des Jungen bemerkt hatte, dass ihr Sohn nicht mehr im Haus war. Sofort rief sie die Polizei. Die Beamten fanden das Kind schließlich leblos in einem Bach ganz in der Nähe.

Auch in Badeseen ertrinken immer wieder Kinder, die unbeaufsichtigt sind und noch nicht richtig schwimmen können. Erst vor wenigen Tagen starb ein vierjähriges Mädchen im Kratzmühlsee bei Kinding im Landkreis Eichstätt. Eine Schülerin hatte das in Not geratene Mädchen, das im Wasser verzweifelt mit den Armen fuchtelte, entdeckt, andere Badegäste zogen es aus dem Wasser. Doch die Vierjährige starb.

Das Problem, das in diesem Jahr noch erschwerend hinzu kommt, ist dieses: An den Baggerseen und Weihern ist es so voll wie selten. „Der Andrang ist mancherorts um bis zu 50 Prozent höher als in einem normalen Sommer“, sagt Härdtl von der DLRG Bayern. Wegen der vielen Menschen, die wegen der Corona-Krise nun am Baggersee statt in der Adria baden, befürchtet man bei der DLRG, dass es in diesem Sommer mehr Badetote geben wird als in den Vorjahren. Bis Ende Juni seien in Bayern bereits zwölf Menschen ertrunken – und jede Woche kämen weitere Todesopfer dazu, teilte die Wasserrettungsorgansiation vor wenigen Wochen mit.

Pool, See oder Bach: So können Sie Leben retten

Endgültige Zahlen gibt es natürlich noch nicht, immerhin dauert der Sommer noch ein paar Wochen. Allerdings hat die DLRG eine Zwischenbilanz erhoben, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Das Ergebnis: Wie so häufig gab es bislang auch in diesem Jahr in Bayern die bundesweit meisten Badetoten. Zwischen Januar und Juli ertranken in den hiesigen Gewässern 35 Menschen. Allerdings sind das 32 weniger als im Vorjahreszeitraum. Als Grund nennt die DLRG das teil unstete Wetter. Der Frühling und die ersten Sommermonate seien doch eher verhalten gewesen.

Deutschlandweit gab es zwischen Januar und Juli der Statistik zufolge 192 tödliche Badeunfälle. Mehr als 90 Prozent davon ereigneten sich an ungesicherten Badestellen. 76 Menschen starben in Flüssen, 75 in Seen und Teichen, neun in einem Bach, fünf in einem Graben, vier in einem Kanal und drei in Hafenbecken. Hinzu kommen zwei Todesfälle in Pools.

Um gerade solche Unfälle zu vermeiden, empfiehlt die DLRG, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Der Pool sollte mit einem Gitter oder Netz abgedeckt sein und das Netz fest verankert werden. Die DLRG rät zudem, Tore zu Nachbargrundstücken so zu sichern, dass sie von Kindern nicht geöffnet werden können. Außerdem sollten Eltern ihre Kinder auf die Gefahren hinweisen, die beim Baden bestünden. Und: Schwimmtiere und Pool-Nudeln könnten Leben retten, weil sich die Kleinen notfalls daran festhalten können.

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