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Bildung

18.02.2020

Problemberuf Rektor: Kaum jemand will Schulleiter werden

In einem Video auf Youtube haben sich die Klassen der kirchlichen Edith-Stein-Realschule Schillingsfürst von ihrer besten Seite gezeigt – und endlich einen Schulleiter gefunden.
Bild: Daniel Karmann, dpa

Plus Eine kleine Realschule in Franken suchte per Video nach einem neuen Rektor. Jetzt hat ein Lehrer aus Schwabmünchen zugesagt. Doch hunderte Schulen suchen noch.

Endlich haben die Realschüler von Schillingsfürst ihn gefunden, ihren heiß ersehnten Schulleiter. Ein halbes Jahr mussten sie auf ihn warten. So lange, dass sie sich irgendwann selbst um einen bewarben. Mit einem Youtube-Video suchten die 180 Schüler nach dem passenden Kandidaten und kamen deutschlandweit in die Medien. Weil das Video so liebevoll und witzig gedreht ist – und weil es ein großes Problem zeigt: Immer weniger Lehrer wollen Schulleiter werden.

Allein an  Bayerns staatlichen Schulen waren vor Beginn des Schuljahrs 626 Rektoren- und Konrektorenstellen ausgeschrieben. Auf 226 davon bewarb sich nur eine Person. 23 Posten an Grund- und Mittelschulen konnten gar nicht besetzt werden, weil es keinen oder keinen geeigneten Bewerber gab. Das hat eine Anfrage der SPD-Bildungsexpertin Simone Strohmayr ans Kultusministerium ergeben. Bundesweit ist die Situation noch dramatischer, wie Ende des Jahres 2019 eine Umfrage der dpa zeigte: An mehr als 1000 Schulen fehlten damals Schulleiter, allein in Nordrhein-Westfalen lief der Betrieb an 450 Einrichtungen ohne Rektor.

Auch kirchliche Schulen tun sich bei der Rektorensuche schwer

Bei den kirchlichen Schulen in Bayern waren zuletzt alle Leitungsstellen besetzt. Doch auch sie tun sich nicht leicht, Rektoren zu finden, wie Siegfried Rodehau von der Evangelischen Schulstiftung bestätigt: „Es ist definitiv wesentlich schwieriger geworden, geeignete Kandidaten zu finden.“ Die Aufgaben einer Schulleitung würden immer komplexer. Der zeitliche Aufwand werde nur zum Teil durch Anrechnungsstunden kompensiert. Das heißt: Nicht zwangsläufig unterrichtet ein Schulleiter viel weniger als ein normaler Lehrer. „Zudem ist der Gehaltsunterschied zwischen einer Lehrkraft und einer Schulleitung offensichtlich nicht durchgängig so groß, dass sich das Mehr an Verantwortung für potenzielle Interessenten immer rechnen würde.“

Vor allem an Grund- und Mittelschulen lohnt sich der Platz an der Spitze kaum. Rektoren einer kleinen Grundschule etwa verdienen monatlich nur gut 200 Euro brutto mehr als herkömmliche Lehrer. Je nach Größe ihres Hauses werden sie zwar von Konrektoren unterstützt, doch die bleiben in erster Linie Lehrer und müssen ihre Zusatzaufgaben oft zwischen zwei Schulstunden hineinpressen.

Lehrermangel: Arbeit für Schulleiter häuft sich

Weniger schwierig ist die Suche nach Schulleitern für Gymnasien, wo es in Bayern - Stand 1. Januar - keinerlei offene Stellen gab. Bei den Realschulen wurden zuletzt drei Häuser kommissarisch geleitet. An diesen Schularten ist nicht nur die Bezahlung besser. Die erweiterte Schulleitung besteht aus mehreren Personen, die Aufgaben werden also verteilt.

Lehrer demonstrierten zuletzt bayernweit gegen ihre Arbeitsbedingungen - auch hier in Füssen. Das macht Schulleiterstellen nicht attraktiver.
Bild: Benedikt Siegert

SPD-Politikerin Strohmayr fordert, die Leitung auch an Grundschulen in mehrere Hände zu legen. „Ganztag, Inklusion, Digitalisierung – an den Grundschulen ist so viel Neues hinzugekommen wie an keiner anderen Schulart. Diese Bereiche brauchen ihre eigenen Organisatoren innerhalb der Schulleitung. Man muss die Rektoren entlasten, indem man Teams bildet.“ Sie fordert auch mehr Verwaltungsstellen. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat gerade angekündigt, drei Millionen Euro für zusätzliche Mitarbeiter in den Sekretariaten auszugeben. Strohmayr ist das zu wenig.

Das bayerische Kultusministerium macht sich seit einigen Jahren verstärkt auf die Suche nach Bewerbern. An der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen gibt es seit 2007 Kurse, in denen sich potenzielle Führungskräfte an ihre neue Aufgabe herantasten können.

Warum ein Schwabmünchner trotzdem Schulleiter werden will

Auch Marcus Pfalzer hat das getan und sich für den Posten des Schulleiters in Schillingsfürst entschieden. Das „Bewerbungsvideo“ der fränkischen Realschüler hat ihm so gefallen, dass er ab Herbst dort ins Direktorat einziehen wird. Der 43-Jährige, der aus Schwabmünchen im Kreis Augsburg stammt, unterrichtete vorher unter anderem Wirtschaft an der Realschule Rothenburg ob der Tauber.

Die Lust auf die neue Aufgabe überwiegt alle Bedenken, sagt Pfalzer im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich möchte mich organisatorisch austoben, möchte etwas auf die Beine stellen, möchte rausgehen.“ Ihm schweben etwa Schüleraustausche mit anderen Ländern vor. „An Grundschulen verwaltet man als Rektor vor allem den Mangel“, sagt Pfalzer. Seine künftige Realschule aber sei gut aufgestellt. „Ich glaube, dort kann man familiär miteinander umgehen.“

Lesen Sie dazu den Kommentar: „Wer mag schon den Mangel verwalten?“

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