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Dinkelscherben

24.01.2019

So kämpft ein Ort für sein Altenheim

Seitdem bekannt wurde, dass das denkmalgeschützte Spital geschlossen werden soll, demonstrieren regelmäßig viele Bürger in Dinkelscherben im Landkreis Augsburg für den Erhalt ihres Seniorenheims.
Bild: Marcus Merk

Plus Seitdem klar ist, dass ihr Jahrhunderte altes Seniorenheim schließen soll, gehen die Menschen in Dinkelscherben auf die Straße oder drohen mit Kirchenaustritt.

Es sind Szenen, die man eigentlich nur aus größeren Städten kennt. Hunderte Menschen protestieren auf der Straße in Dinkelscherben (Landkreis Augsburg). „Bedürftigkeit braucht Nächstenliebe“ steht auf ihren Plakaten oder: „Wo bleibt der Respekt vor dem Alter?“ Seit Wochen schon treffen sich die Demonstranten immer wieder sonntags. Bürger drohen mit Kirchenaustritt, der Bürgermeister zieht vor Gericht. Seit bekannt ist, dass das Dinkelscherber „Spital“, eine jahrhundertealte Einrichtung, geschlossen werden soll, sind die Menschen wütend. Die Situation ist festgefahren.

Die Hospitalstiftung, der das Gebäude gehört, möchte das Seniorenheim Ende Juni 2019 schließen. Grund dafür ist der Zustand des rund 400 Jahre alten Spitals. Das Haus entspreche nicht mehr den hohen Anforderungen des Gesetzgebers, erklärt die Hospitalstiftung. Eine Sanierung sei schlicht zu teuer. Es ist von Kosten in Höhe von rund neun Millionen Euro die Rede.

Im Seniorenheim in Dinkelscherben ist Platz für 80 Bewohner

Beim Rundgang durch das denkmalgeschützte Gebäude wird klar, dass eine Menge zu tun ist. Grundsätzlich ist hier Platz für 80 Bewohner. Viele Zimmer sind nicht barrierefrei. Einige Duschen sind erhöht, Fenstergriffe zu weit oben, vor den Balkonen gibt es eine Stufe – Rollstuhlfahrer stehen im Spital oft vor unüberwindbaren Problemen. Bei einigen Gruppen sind die Bäder keine fünf Quadratmeter groß. Vier Menschen müssen sie sich jeweils teilen. Die Zimmertüren sind teils so eng, dass man kein Krankenbett durchschieben kann. Doch nicht jedes Zimmer sieht so aus. Und: Angehörige von Spitalbewohnern berichten, dass sich die Senioren hier wohlfühlen. Experten erklären, dass ein Umzug sehr belastend für die Bewohner sein kann.

Unser Bild gibt einen Einblick in das von der Schließung bedrohte Seniorenheim in Dinkelscherben.
Bild: Marcus Merk

Die Verantwortlichen betonen wiederum, dass jeder der Senioren in einer nahe gelegenen Einrichtung in einem anderen Ort untergebracht werden kann. Auch den Mitarbeitern wurde versprochen, dass ihr Job in einem anderen Heim sicher ist. Die Dinkelscherber wollen sich damit aber nicht zufriedengeben.

Kurz nachdem Ende November bekannt wird, dass die Stiftung das Spital zumachen möchte, gründen Bürger in der Marktgemeinde ein Aktionsbündnis für dessen Erhalt. Bei der ersten Demonstration stehen rund 300 aufgebrachte Bürger auf der Straße zwischen Seniorenheim und Kirche. Ihre Wut richtet sich auch gegen die Pfarrei, schließlich trägt auch der Pfarrer als Mitglied des zuständigen Ausschusses die Verantwortung für das beschlossene Aus. Außerdem wird die Arbeit vor Ort von der Caritas übernommen.

In Dinkelscherben gibt es vor allem ein Thema: das Seniorenheim

Ein paar Wochen nach der ersten Demonstration sind es bereits rund 800 Menschen, die sich mit Protestplakaten auf dem Dinkelscherber Marktplatz zusammentun. Für eine 6500-Einwohner-Kommune ist das immens. Überall in den Schaufenstern der Dinkelscherber Geschäfte sind große, gelbe Protestplakate zu sehen. Seit Wochen ist das Seniorenheim das bestimmende Thema.

In vielen Dinkelscherber Geschäften hängen Plakate gegen die geplante Schließung des Senionrehiems.
Bild: Michael Kalb

Auch in der Politik regt sich Widerstand. Carolina Trautner (CSU), Staatssekretärin im Familienministerium, mischt sich in die Diskussion mit ein. Sie sagt: „Das Seniorenheim in Dinkelscherben ist eine Institution, die nicht kampflos aufgegeben werden darf.“ Der Dinkelscherber Bürgermeister Edgar Kalb (unabhängige Wählergruppe) beantragt vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den Beschluss zur Heimschließung. Doch die wird schließlich abgelehnt. Die Stiftung, der das Heim gehört, hält an ihrem Plan fest. Der Beschluss sei alternativlos. Nun gehe es darum, neue Konzepte für das denkmalgeschützte Gebäude wie auch für das gesamte Gelände zu entwickeln.

Eine Wohnbebauung für Familien oder einkommensschwache ältere Menschen, ein Ärztezentrum, eine Kindertageseinrichtung, heilpädagogische Angebote und Beratungsstellen – an Ideen mangelt es nicht. Doch die Bürger in Dinkelscherben kämpfen weiter für den Erhalt ihres Spitals. Das Aktionsbündnis plant weitere Protestaktionen. Sie wollen das Spital unbedingt erhalten.

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