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23.12.2008

Sogar Radiologen sehen ihre Existenz bedroht

Augsburg Bisher galten Radiologen als Fachärzte, die besonders gut verdienen. Doch bei der künftigen Budgetierung sieht es für die hoch spezialisierten Mediziner schlecht aus. Und sie sind nicht die einzigen. Augenärzte, Orthopäden, Kardiologen, Frauenärzte - alle sehen mit Einführung des Gesundheitsfonds im kommenden Jahr ihre Existenz bedroht. Um 30 bis 40 Prozent weniger Honorar als bisher soll Fachärzten zugestanden werden.

Das ist der Hintergrund des Streits ums Geld? Die AOK Bayern hat einen exklusiven Vertrag mit dem Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV) ausgehandelt, mit den Fachärzten jedoch nicht. Nun aber drohen diese Gegenwehr an - denn sie sehen im schlimmsten Fall ihre Existenz bedroht. Heinz Reiniger, der Landesvorsitzende der Kinder- und Jugendärzte sagte: Durch "politisch erzwungene Umverteilung der Versichertengelder" zugunsten des Hausärzteverbandes sei die gute Versorgung der Bürger mit wohnortnaher Fachmedizin gefährdet. Insbesondere regionale Sonderzahlungen bei hoch qualifizierten Leistungen wie ambulanten Operationen (beispielsweise Augen, Knie etc.) fallen mit dem Gesundheitsfonds künftig weg.

Über die Gründe herrscht unter den Beteiligten jedoch Uneinigkeit. Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU), der Verständnis für die Klagen er Fachärzte zeigt, sieht in der vom Bund beschlossenen Vergütungsreform für Ärzte das Problem: "Sie ist fehlerhaft und bedarf weiterer Korrekturen", sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Die von den Fachärzten angegriffene AOK schiebt den Schwarzen Peter wiederum an die der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Kassen-Chef Helmut Platzer erklärt, die KVB enthalte den Fachärzten die Hälfte und den Hausärzten ein Viertel des ihnen zustehenden Geldes in der aktuellen Honorarkalkulation vor. Der Rest des Geldes werde in einer Rücklage geparkt. Erst im Herbst 2010 würden die Kassen informiert, wie viel Geld sie aus dem Gesundheitsfonds tatsächlich bekämen. Dies mache eine Kalkulation der Ausgaben fast unmöglich, kritisierte er. "Die Kassen zahlen 2009 rund sechs Prozent mehr, aber bei vielen kommt das Geld nicht an", so der AOK-Landeschef. Die KVB weist diese Vorwürfe zurück. "Unter der Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums seien die Vorgaben so festgezurrt worden, dass den Kassenärztlichen Vereinigungen auf Landesebene praktisch keine Steuerungsmöglichkeiten für Sonderzahlungen mehr blieben", heißt es.

Eine mögliche Lösung im Konflikt erhofft sich Söder über "klare und transparente Information". Er erinnerte an die Ergebnisse des bayerischen Gesundheitsgipfels vergangene Woche. Dort seien KVB und Krankenkassen beauftragt worden, die Ärzte noch 2008 über die Vergütungssituation zu informieren. Zudem würden KVB und Kassen eine Härtefallkommission für all die Fälle bilden, in denen es tatsächlich zu unzumutbaren Honorareinbrüchen komme.

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