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Erinnerung

25.06.2009

Vor drei Jahren wurde Bär Bruno erschossen

Er war der Problembär. Darum musste er sterben. Heute vor drei Jahren wurde Braunbär Bruno durch eine Kugel niedergestreckt. Eine Erinnerung an ihn und das legendäre "Stoibär"-Video.

München (AZ). Am Freitag jährt sich der Todestag von Braunbär Bruno zum dritten Mal. Und noch immer polarisiert das damals als "Problembär" bezeichnete Tier die Gemüter.

Im Museum für Mensch und Natur in München, wo der ausgestopfte Bär seit März 2008 ausgestellt ist, haben vor allem viele Kinder an einem schwarzen Brett ihre Gedanken niedergeschrieben. Bekundungen wie "Du lebst jetzt im Himmel" finden sich dort. Aber immer öfter auch anklagende Worte. Die Grundschülerin Clara will von Bruno wissen: "Warum hast du die Schafe getötet?".

Im Frühjahr 2006 war der von den Medien "Bruno" getaufte Bär JJ1 von seinem Zuhause im Naturpark Adamello-Brenta über die Alpen nach Bayern gewandert. Weil er der erste Bär auf deutschem Boden seit über 170 Jahren war, wurde Bruno zur echten Sensation. Doch je mehr Haus- und Nutztiere er tötete, desto unbeliebter wurde er. Am Ende erteilte der damalige bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) den Abschussbefehl. Am 26. Juni wurde Bruno in der Nähe des Spitzingsees von immer noch anonymen Jägern zur Strecke gebracht.

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Heute wacht Gisella Simon über den "Problembären". Die stellvertretende Leiterin des Museums Mensch und Natur hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass ihr Arbeitsplatz vor allem als "das Haus von Bruno" bekannt ist. Hier, im Nymphenburger Schloss, kann man ihn wahrlich nicht verfehlen. "Alle Wege führen zu Bruno", lacht Simon. Er steht im ersten Stock in der Mitte einer ihm gewidmeten Ausstellung und bedient sich mit stoischem Blick an ein paar Bienenstöcken.

Wäre es nach Tierpräparator Dieter Schön gegangen, würde Bruno bei den vielen Schulklassen, die das Museum besuchen, eher Ängste auslösen. Er hatte eine andere Szenerie mit dem präparierten Tier geplant: "Mein Favorit war die Idee mit den zerrissenen Schafen, aber das haben wir schnell verworfen", erinnert sich Schön. Den schwer vermeidbaren Konflikt zwischen Mensch und Natur habe man aber auch ohne Blutbad zeigen können, meint Ausstellungsleiterin Simon.

Das Museum will vor allem deutlich machen, dass Bruno ein Problem wurde, weil ihm neugierige Menschen zu nahe kamen. Er verlor seine natürliche Scheu und kam schließlich bis an ihre Haustüren. Wer Bären liebt, mahnt Simon, sollte eine Regel stets beachten: "Ein gefütterter Bär ist ein toter Bär."

Dem stimmt Jürgen Vocke zu. Der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes ist heute noch ganz außer sich, wenn der Name Bruno fällt. Und das nicht nur, weil der Bär auf Nahrungssuche auch durch Vockes Grundstück gelaufen ist. Nach dem tödlichen Schuss musste die gesamte bayerische Jägerschaft in Deckung gehen. "Wir waren ernsthaft in Gefahr!" Über 6000 Morddrohungen, so Vocke, waren damals bei seinem Verband eingegangen. Tierschützer hätten hasserfüllt zur Jagd auf die Jäger geblasen. Dabei waren die gegen den mächtigen Braunbären mit ihren Hunden und kleinkalibrigen Gewehren völlig machtlos. "Wir waren alle völlig überfordert mit der Situation." Den finalen Schuss setzte dann ein Jäger in Staatsdiensten.

Es ist ein Bild des kollektiven Versagens, das Vocke zeichnet. Auf politischer Ebene hatte man keine Erfahrung mit so einem Fall. Dass JJ1 dann auch noch zu "Bruno" vermenschlicht wurde, habe die Situation zusätzlich kompliziert gemacht. Für den obersten Jäger Bayerns steht fest, dass Bären keine Zukunft in Deutschland haben. Die Menschen müssten radikal ihr Freizeitverhalten ändern, um den ständig wandernden Tieren Platz zum Leben zu geben. "Dazu sind sie aber nicht bereit," meint Vocke.

Volker Homes von der Tierschutzorganisation WWF ist nicht so pessimistisch. "Ich gehe davon aus, dass es in ein paar Jahrzehnten wieder Bären in Bayern geben wird." Der Freistaat hat aus dem Fall Bruno gelernt und einen Managementplan erstellt. Darin ist konkret beschrieben, wie man das Verhalten von Bären richtig einschätzt, und wie besonders gefährliche Exemplare unblutig gefangen und in andere Gegenden verlegt werden können. Eine aktive Wiederansiedlung ist aber ausdrücklich nicht geplant, und das findet Homes auch gut so. "Die Bären sollen auf natürliche Weise zu uns kommen."

Bis es soweit ist, will Gisella Simon den Besuchern im Museum so viel wie möglich über die wilde Natur der Bären beibringen. Sie liest noch einmal die Nachricht der kleinen Clara. Warum er die Schafe getötet hat? "Nun ja", sagt sie leise, "weil ihm seine Mutter das eben so beigebracht hat."

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