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Dillingen

30.01.2019

19-Jähriger soll Ex-Freundin fast erwürgt haben

Ein 19-jähriger Asylsuchender aus dem Raum Dillingen steht vor dem Dillinger Amtsgericht. Er soll seine Ex-Freundin aus dem Zusamtal fast erwürgt haben.
Bild: Jan-Philipp Strobel, dpa (Symbol)

Plus Ein junger Mann rastet nach der Trennung offenbar völlig aus. Vor Gericht verstrickt sich das Opfer jedoch in Widersprüche. Das bringt den Vater des Mädchens in Rage.

Es muss eine sehr anstrengende Beziehung gewesen sein. Etwa ein dreiviertel Jahr waren ein heute 19-jähriger Asylsuchender aus dem Kreis Dillingen und eine 17-Jährige aus dem Zusamtal ein Paar. Es war eine sogenannte „On-Off-Beziehung“, man hat sich also immer wieder gestritten, getrennt und wieder zusammengerauft. Etwa zehnmal ist das passiert. Dazu kamen offenbar Gewaltausbrüche des jungen Mannes. Er habe seine Freundin immer mal wieder geschlagen und gewürgt. So schildert es das Mädchen heute. Ihr wurde es irgendwann zu viel und sie beendete die Beziehung.

Dillingen: Ein Gespräch im Taxispark eskaliert

Das passte dem 19-Jährigen, der in Syrien geboren wurde, offenbar überhaupt nicht. Als sich die beiden zufällig in der Dillinger Innenstadt trafen, kam es zum klärenden Gespräch. Dafür gingen die beiden in den Taxispark.

Was dort an einem Julinachmittag im vergangenen Jahr passierte, beschäftigt nun ein Schöffengericht am Dillinger Amtsgericht. Die Anschuldigungen der jungen Frau sind gravierend. Gegenüber der Polizei sagte sie aus, dass ihr Ex-Freund sie gegen einen Baum gedrückt und mit beiden Händen gewürgt habe. Dabei soll er immer wieder „stirb“ sowie diverse Beleidigungen gerufen haben. Erst als sie hustete und blass wurde, soll er von ihr abgelassen haben. Anschließend habe er sie auf eine daneben stehende Bank gezerrt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Danach soll er sie nochmals gewürgt haben.

Wie gesagt: So schilderte es das Mädchen bei der Polizei. Es sind gravierende Vorwürfe, sogar der Tatbestand des versuchten Totschlags stand im Rahmen der Ermittlungen im Raum.

Bei der Verhandlung ist das Mädchen die einzige Zeugin der Tat. Sie berichtet, wie sie zunächst aus dem Bus heraus den Ex-Freund erblickte, ausstieg und auf ihn zuging, um die Situation zu klären. Im Gespräch auf der Bank im Taxispark habe der 19-Jährige deutlich gemacht, dass er nach wie vor an einer Beziehung interessiert ist. Als die Jugendliche dies jedoch zurückwies, sei die Situation eskaliert. Mehrere Sekunden habe der junge Mann sie gegen den Baum gedrückt und sehr stark gewürgt. Sie habe in diesem Moment Todesangst gehabt. Weil sie so unter Schock stand, habe sie sich kaum wehren können, berichtet sie vor Gericht.

Zwei Wachtmeister müssen in den Gerichtssaal gerufen werden

Je länger ihre Aussage dauert, desto mehr verstrickt sich das Mädchen jedoch in Widersprüche. Immer wieder lässt sie entscheidende Details weg oder streitet diese sogar ab, um sie kurz darauf auf Nachfrage wieder zu bestätigen. Ein Beispiel: Erst verneint sie, dass der Ex-Freund ihr während des Würgens „stirb“ zuruft. Auf Nachfrage und Verweis auf das Vernehmungsprotokoll der Polizei sagt sie, dass sie es nicht mehr wisse, um wiederum kurz darauf zu beteuern, dass der Täter dies sogar mehrfach gerufen habe. Nach mehreren Vorfällen dieser Art meldet sich Verteidiger Alexander Grob zu Wort. „Man versucht hier, etwas aus der Zeugin herauszukitzeln, was vielleicht gar nicht so war“, sagt er.

Eine Andeutung, die den Vater des Mädchens, der die Verhandlung bis dato ruhig als Zuschauer verfolgte, auf den Plan bringt. „Was ist nicht wahr?“, ruft er mehrfach dem Anwalt entgegen, der erstaunt entgegnet: „Geht’s noch?“ Die Vorsitzende Richterin Gabriele Held will der Zeugin eine Pause gönnen und beruft eine Unterbrechung ein. In der wird es noch schlimmer. Im Gang vor dem Gerichtssaal schreit der Vater auf die Tochter ein. Der Anwalt will beruhigen, was die Situation vollends eskalieren lässt. „Was sind Sie für ein Rechtsanwalt? Haben Sie selbst Kinder?“, schreit ihm der Vater entgegen. Zwei Wachtmeister werden gerufen, die fortan neben dem Mann sitzen.

Das Gericht sucht eine weitere Zeugin

Nach der Unterbrechung schildert das Mädchen nochmals den ganzen Vorgang aus seiner Sicht, diesmal annähernd so wie bei der Polizei. Bei Rückfragen kommt sie jedoch wieder ins Schlingern. „Ich kann es nicht nachvollziehen“, sagt Richterin Held. „So etwas vergisst man doch nicht.“ Das Mädchen antwortet: „Erleben Sie so etwas, dann verstehen Sie es vielleicht.“ Nach einiger Zeit gibt sie zu, dass sie ihren Ex-Freund beschützen und mit der Angelegenheit abschließen will. „Wir sitzen hier nicht zum Spaß stundenlang“, macht Held mit zunehmendem Ärger in der Stimme klar und verweist auf die Pflicht, vor Gericht die Wahrheit zu sagen.

Das Mädchen bringt nun eine womöglich weitere Zeugin ins Spiel, der sie sich nach der Tat anvertraut habe. Sie weiß jedoch nur noch den Vornamen und ihre Schule. Das Gericht will dieses Mädchen nun ausfindig machen – ebenso wie den Arzt, der das Mädchen damals nach dem Vorfall behandelt hat.

Der Prozess ist dadurch unterbrochen. Am 4. Februar soll er fortgesetzt werden. Dann sagt womöglich auch der Angeklagte aus, der sich bislang nicht zu den Vorwürfen äußern wollte.

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