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Maria Medingen

18.03.2016

Auf dem Weg zum Neuanfang

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4 Bilder
Die komplette Kirche des Klosters ist eingerüstet. Auch hier müssen die Wände von Ruß befreit werden. Die Schwestern wollen spätestens am Gedenktag des heiligen Franziskus hier wieder einen Gottesdienst feiern.
Bild: Stephanie Sartor

Die Flure des Klosters sind wieder weiß. Was noch getan werden muss

Mödingen Die in schmutziges Grau gehüllten Stuck-Kapitelle der Säulen in der Margaretenkapelle sind stille Zeugen jener Nacht, in der sich alles veränderte. Sie erinnern an jene Nacht im Sommer vergangenen Jahres, in der ein Feuer im Kloster Maria Medingen ausbrach, das Gebäude und seine Kunstwerke in eine tiefschwarze, morbide Traurigkeit hüllte, einer Schwester das Leben nahm. Noch immer haftet der Ruß an den Kapitellen. Die Wände der Kapelle aber sind mittlerweile wieder weiß. In den vergangenen Wochen wurden die verrußten Schichten abgetragen. „Die Wände hatten vor einigen Jahrzehnten einen neuen Anstrich bekommen. Das ist uns nun zugutegekommen, weil wir die oberen Schichten abziehen konnten“, sagt Dr. Michael A. Schmid, Diözesankonservator des Bistums Augsburg. Bei den Stuck-Kapitellen sei das allerdings nicht so einfach möglich. Schwere Schäden hat auch das ehemals farbenprächtige Deckenfresko des Dillinger Malers Vitus Felix Rigl erlitten. „Aber wir haben die Hoffnung, dass man von dem, was heruntergestürzt ist, einige größere Brocken noch retten kann. Damit am Ende wieder ein schönes Gesamtbild entsteht, in dem auch noch ein bisschen etwas vom Original enthalten ist“, sagt Schmid.

Hausoberin Schwester Eva Ortner steht inmitten der Kapelle, blickt nach oben an die Decke, die noch immer von einem schweren Holzgerüst gestützt wird. Auch wenn man die Fortschritte deutlich sehen kann, die Wände wieder hell sind, ist sie traurig. „Das ist der Ort, der bei mir am meisten Trauer auslöst. Ich vermeide es eigentlich, hierherzukommen“, sagt die zierliche kleine Frau, dreht sich um und geht durch eine schwere Tür in die Kirche des Klosters.

Im Gotteshaus ist ein gigantisches Gerüst aufgebaut. Denn obwohl die Kirche eigentlich glimpflich davongekommen ist, muss auch hier sauber gemacht werden, weil sich der Ruß auf den Bänken und Wänden abgelagert hat. „Wir wünschen uns, dass wir hier am 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franziskus, unseren ersten Gottesdienst feiern können“, sagt Provinzoberin Schwester Elke Prochus. Eventuell, so Diözesankonservator Schmid, könnte die Kirche sogar schon im Spätsommer fertig sein.

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In den Obergeschossen, dort, wo nach dem Brand die Wände kohlrabenschwarz waren, muss man nun beinahe die Augen zukneifen. Denn die Flure erstrahlen in hellem, leuchtendem Weiß, das durch die Frühlingssonne, die durch die Fenster dringt, noch intensiver wird. Am Ende eines dieser Flure befindet sich das Gemäldedepot. Auf einem Tisch liegt ein tiefschwarzes Bild, lediglich an einer kleinen Stelle, etwa so groß wie ein Taschenbuch, sind zarte Orange- und Rosétöne zu sehen. „Dieses Gemälde ist der extremste Fall. Aber man sieht an der Reinigungsprobe: Es gibt Zeichen der Hoffnung“, sagt Diözesankonservator Schmid. Man müsse nun relativ bald anfangen, die Bilder zu restaurieren, weil sie sonst eines Tages irreparabel beschädigt sein könnten.

Die Restaurierung der Bilder kann aber nicht allein durch die Versicherung abgedeckt werden, weil die Gemälde schon vorher Schäden hatten. Schmid könnte sich deshalb vorstellen, dass es künftig Patenschaften für einzelne Gemälde geben könnte.

Der Schaden, der durch die verheerende Brandkatastrophe entstanden ist, wird nach wie vor auf etwa 20 Millionen Euro geschätzt. „Es haben sich einige Aspekte ergeben, die sich positiv auf den Zeitablauf und somit auf die Kosten ausgewirkt haben, etwa, dass wir den Putz in der Kapelle großflächig abziehen konnten“, sagt Günter Selentin von der Versicherungskammer Bayern und fügt hinzu: „Trotzdem gibt es noch viele Unbekannte.“

Im Kloster soll nun auch eine Brand- und Rauchmeldeanlage installiert werden – bisher gab es so etwas nicht. Dann sollen die Schwestern auch endlich wieder in ihr Zuhause einziehen können. Bislang wohnen sie in Nebengebäuden. „Rein äußerlich haben wir alles, was wir brauchen. Aber je länger diese Übergangsregelung dauert, desto schwerer wird es, weil die Raumverhältnisse sehr eng sind“, sagt Schwester Eva Ortner und fügt lächelnd hinzu: „Aber wir sind zuversichtlich. Und wir sind sehr dankbar für alles, was für uns getan wurde.“

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