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Medlingen

23.07.2019

Ausgrabungen: Haben in Medlingen die Römer gebadet?

Im geplanten Baugebiet „Turmäcker“ in Medlingen laufen derzeit archäologische Bodenuntersuchungen. Kürzlich fanden zwei Informationsveranstaltungen statt, bei denen Bürger mehr über die Ausgrabungen und die Ortsgeschichte erfuhren.
Bild: Taglang

Derzeit finden im geplanten Baugebiet in Medlingen Ausgrabungen statt. Die bisherigen Ergebnisse sind bemerkenswert. Die Spuren des Ortes reichen bis in die Jungsteinzeit zurück.

An der Lorettostraße in Medlingen wird derzeit fleißig gewerkelt. Arbeiter schaufeln, hämmern und vermessen. Aber nicht etwa für das neue Baugebiet „Turmäcker“, das dort geplant ist. Bevor an dieser Stelle neue Häuser entstehen, geht es zunächst darum, herauszufinden, welche Bauwerke früher einmal dort standen und welche Historie im Medlinger Boden schlummert. Der Bereich ist eine sogenannte „Verdachtsfläche“, dort ist also mit Spuren der Vergangenheit zu rechnen. Deshalb finden auf der Fläche in Medlingen seit einigen Wochen archäologische Untersuchungen statt.

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Medlingen: Die Spuren reichen bis in die Jungsteinzeit

Die bisherigen Ergebnisse sind bemerkenswert. Die Spuren führen zurück zu den Römern – und noch viel weiter. „Wir haben Überbleibsel einer Siedlung aus der Jungsteinzeit gefunden“, sagt Anja Seidel vom Archäologie-Zentrum Günzburg, die die Ausgrabungen leitet. Das heißt: Schon einige Tausend Jahre vor Christus haben Menschen im Gebiet des heutigen Medlingen gewohnt. „In dieser Zeit haben sich Menschen erstmals niedergelassen“, erklärt Seidel im Rahmen eines Vor-Ort-Termins mit Bürgern. Davon fanden kürzlich zwei statt, insgesamt kamen rund 100 Menschen, um sich über die Historie des Ortes und die Funde im geplanten Neubaugebiet zu informieren.

Um die Umrisse welches Gebäudes handelt es sich hier? Die Experten nahmen zunächst an, dass an dieser Stelle einmal ein römisches Badehaus stand. Mittlerweile geht man davon aus, dass es ein herkömmliches Wohnhaus sein könnte.
Bild: Andreas Schopf

In diesem Rahmen berichtet Seidel auch vom bisherigen „Höhepunkt“ der Ausgrabungen, den Grundmauern eines Hauses aus der Römerzeit. Zunächst nahmen die Experten an, dass es sich dabei um ein Badehaus gehandelt hat, mit Warm- und Kaltbecken. „Die Römer waren sehr reinlich“, sagt Seidel. Doch ob es in Medlingen vor zwei Jahrtausenden tatsächlich ein „Schwimmbad“ gab, ist ungewiss. Die Experten gehen mittlerweile davon aus, dass es sich bei dem Fund auch um ein herkömmliches Wohnhaus handeln könnte.

Ausgrabungen: Haben in Medlingen die Römer gebadet?

Die Gemeinde ist Eigentümer der Funde

Neben diesem Haus förderten die Ausgrabungen etwa auch die Umrisse von zwei Brunnen zutage, die in einen Kanal mündeten. Diese Wasserversorgung in Zusammenhang mit guten Ackerböden und der Hanglage zeichnete eine „perfekte Wohnlage“ aus, sagt Seidel. „Hier hat es sich bestimmt gut gelebt“, ist sie sicher. Die Experten haben auch diverse Kleingegenstände in der Medlinger Erde gefunden. Etwa ein Eisenmesser, das stark verrostet ist und nicht genau zu datieren ist. Unklar ist auch, von wann ein gefundener Bronzearmreif stammt. Der Schmuck ist schlicht – ihn könnte man auch heute noch genau so tragen, sagt Seidel. Sie präsentiert zudem ein Pferdegeschirr aus Bronze, Münzen und Keramikgegenstände, die entdeckt wurden. Die Funde gehen nun zu weiteren Untersuchungen an das Landesamt für Denkmalpflege.

Die Gemeinde Medlingen ist jedoch Eigentümer der historischen Gegenstände und kann diese wieder zurückholen. Bürgermeister Stefan Taglang kündigt an, die Gegenstände eventuell in einer Glasvitrine im Rathaus ausstellen und etwa eine Hinweistafel aufstellen zu wollen, um Menschen die Ortsgeschichte näherzubringen.

Die Ausgrabungen laufen weiter

Die Ausgrabungen laufen unterdessen weiter. Seidel kündigt weitere Informationsveranstaltungen an, um den Bürgern die neuesten Funde zu zeigen. In Zukunft sollen auf der insgesamt zwei Hektar großen Fläche einmal 22 Bauplätze entstehen. Je nachdem, wie sich die Ausgrabungen entwickeln, könnte es sein, dass ein künftiger Hausbesitzer auf dieser Fläche etwa auf einen Keller verzichten muss. Bürgermeister Taglang hofft, dass die archäologischen Arbeiten den Zeitplan für das Baugebiet nicht allzu sehr verzögern. „Es ist aber eine Bestätigung für uns, dass wir das Baugebiet am richtigen Ort ausgewählt haben“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Hier haben die Leute schon früher gerne gewohnt.“

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