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WIR 2020

10.03.2020

Bauernverband ist seit 75 Jahren im Einsatz für Familien

Der Landfrauenchor umrahmte den Gottesdienst zum 75-jährigen Bestehen des Bayerischen Bauernverbands im Festzelt auf der WIR musikalisch.
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Der Landfrauenchor umrahmte den Gottesdienst zum 75-jährigen Bestehen des Bayerischen Bauernverbands im Festzelt auf der WIR musikalisch.
Bild: VEH

Plus Der Bayerische Bauernverband feiert auf der Dillinger Messe Jubiläum. Präsident Walter Heidl nennt Probleme, mit denen Landwirte zu kämpfen haben. Und er warnt.

Manchmal zeigt der Blick auf Randaspekte mehr von dem, was eigentlich Sache ist. Landfrauen und ihre männlichen Helfer kümmern sich am Sonntag in der Halle des Bayerischen Bauernverbands (BBV) auf der WIR um den Festzeltbetrieb. Etwa 130 Helfer sind in diesen fünf Tagen der Messe ehrenamtlich im Einsatz, um den Gästen kulinarische Köstlichkeiten zu servieren. „Landfrauen haben für die WIR mehr als 300 Torten gebacken“, sagt Kreisbäuerin Annett Jung, als sie den Blick von Gästen in die reich bestückte Kuchentheke bemerkt. Im Zelt zeigt ein Banner, was am Sonntag gefeiert wird: „75 Jahre Einsatz für Bauernfamilien“.

Das sagt Diakon im Ruhestand, Xaver Käser

Der BBV feiert auf der Dillinger Messe sein Jubiläum. Den Wortgottesdienst dazu zelebriert der Diakon im Ruhestand, Xaver Käser. „Bauern Hand in Hand mit Gott“, so lautet das Thema der Predigt. Landwirte und Landfrauen seien „unverzichtbare Bestandteile im Schöpfungsplan Gottes“, sagt Käser. Der Landfrauenchor singt „I will follow him“ aus Sister Act, und die Bauernkapelle Neu-Ulm spielt nach dem Gottesdienst das Südtirol-Lied als Einzug vor dem Festakt.

Kreisobmann Klaus Beyrer betont, dass die vergangenen 75 Jahre ein Grund zum Feiern seien. Er erinnert an die Gründungszeit nach dem Krieg, als die Bevölkerung nicht viel zu essen hatte. Beyrer bedauert, dass inzwischen bei vielen in Vergessenheit geraten sei, wie Lebensmittel produziert werden. Und der Aislinger hat seine Probleme mit den Folgen des Artenschutz-Volksbegehrens. „Es ist ein Frevel an der Schöpfung, wenn auf besten Ackerflächen Blühstreifen angelegt werden“, sagt Beyrer.

Leo Schrell und Georg Winter hören auch zu

Die Festansprache, die auch Landrat Leo Schrell und Landtagsabgeordneter Georg Winter hören, hält der bayerische BBV-Präsident Walter Heidl. „Wir werden uns in zehn und 20 Jahren nicht alleine von Insekten ernähren können“, sagt Heidl. Bauern bräuchten vernünftige Rahmenbedingungen, damit sie ihre Arbeit fortführen können. Die Corona-Krise, die in einigen Supermärkten zu leer gekauften Regalen geführt habe, zeige, dass eine gute Versorgung mit Lebensmitteln keine Selbstverständlichkeit sei. Heidl kritisiert, dass bei der Debatte ums Insektensterben alleine die Landwirte in den Fokus genommen worden seien. Von den 100000 Höfen in Bayern habe sich die Hälfte auf Naturschutzprogramme verpflichtet – dies betreffe 40 Prozent der Fläche. Der BBV-Präsident fordert, dass auch andere gesellschaftliche Gruppen Vorgaben zum Insektenschutz bekommen. „Oft läuft hinterm Haus der Mähroboter, und vorne ist ein Steingarten“, stellt Heidl fest.

Bis Samstag kamen trotz ungünstigem Wetter und vielleicht auch Coronavirus bereits 28.000 Besucher
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Impressionen von der WIR 2020
Bild: Karl Aumiller

Die Düngeverordnung und speziell die Messstellen bei der Ausweisung von sogenannten Roten Gebieten sind dem Bauernverbandsvertreter ein Dorn im Auge. Wissenschaftlichen Kriterien genüge das Vorgehen vielerorts nicht. Dies kritisiert auch der BBV-Kreisverband an einem Beispiel im Zusamtal bei Wortelstetten. Die Messstelle liege in einem Wald, in dem gar keine Landwirtschaft betrieben werde. Folge der Messung sei aber, dass 15000 Hektar Landwirtschaftsfläche im Zusamtal und im nördlichen Kreis Augsburg zum Roten Gebiet erklärt wurden. Landwirte hätten dort massive Einschränkungen. „Die Roten Gebiete sind viel zu groß“, sagt Heidl. Bei 97 Prozent der in Bayern geförderten Rohwassermenge werden seinen Worten zufolge die Schwellenwerte nicht überschritten.

Die Anbindehaltung und die Milchviehhalter

Ein auch in der Region kontrovers diskutiertes Thema ist die Anbindehaltung von Kühen, die Heidl thematisiert. Die Hälfte der bayerischen Milchviehhalter habe Anbindehaltung. In diesen Ställen stünden 30 Prozent der Kühe, und dort werde 25 Prozent der anfallenden Milchmenge erzeugt. Und genau diesen kleineren Betrieben, die nachhaltig wirtschaften, werde mit einem Verbot der Anbindehaltung „das Wasser abgegraben“, stellt Heidl fest. Der BBV-Präsident plädiert dafür, dass bestehenden Betrieben die Anbindehaltung erlaubt bleiben soll, wenn sie dafür sorgen, dass die Kühe über 120 Tage im Jahr Auslaufmöglichkeiten bekommen.

Heidl erhält viel Beifall. Die Bauernkapelle Neu-Ulm spielt am Ende des BBV-Festtags auf, und die Landfrauen und Bauern haben alle Hände voll zu tun, um den Gästen Rinderbraten und Torten aus eigener Herstellung zu servieren.

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