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Landkreis Dillingen

10.07.2020

Corona: Und wo hängen Sie diesen Sommer ab?

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist vieles nicht mehr selbstverständlich. Erst recht nicht das Reisen. Der Sommerurlaub 2020 ist heuer anders. Darunter leiden vor allem Reisebüros – auch im Landkreis Dillingen.
Bild: obs/CLARK/Pexels

Plus Hygienemaßnahmen, Einreiseverbot und ganz viel Unsicherheit: Die Reisebüros im Landkreis Dillingen haben zwar Anfragen, Buchungen sind aber überschaubar. Zwischen Existenzangst und großer Hoffnung.

Die Eier sind immer frisch und warm. Brezen, Schinken, Obst oder Müsli – die Auswahl am Tisch ist ausreichend. Beim Frühstück oder Abendessen kann die Maske abgenommen werden, beim Schlendern durch die Gänge nicht. An Deck, an der frischen Luft, gibt es keine Maskenpflicht. In den eigenen Kabinen sowieso nicht. Dafür aber aufgezeichnete Einbahnstraßen auf dem Boden. Vor der Reise muss ein negativer Coronavirus-Test vorgezeigt werden und an Board wird täglich Fieber gemessen.

Klingt kompliziert und so gar nicht relaxed? Bianca Pintar sagt: „Es war total entspannend und ich habe es genossen. Man kann auf jeden Fall einen schönen Urlaub erleben.“ Die Büroleiterin bei „HG-Reisen“ in Wertingen hat vor zwei Wochen an einer Flusskreuzfahrt auf dem Rhein teilgenommen – eine der ersten Fahrten, die wieder erlaubt waren. „Ich wollte mir das Hygienekonzept anschauen. Es war super“, schildert sie. Auch, wenn es kein Büffet gibt. Trotz Maske und trotz Fiebermessung. „Dafür ist momentan nichts überlaufen und in Deutschland gibt es wirklich auch viele schöne Ecken“, sagt Pintar.

Buchungen im Reisebüro Wertingen

Dennoch: Das Wertinger Reisebüro kämpft weiter – wie auch andere Kollegen in der Branche – mit den Folgen der Coronakrise. Kaum Buchungen, unzählige Stornierungen, angepasste Öffnungszeiten. „Wir haben riesige Einbußen. Viele Kunden sind nach wie vor verunsichert und haben die letzten Monate gar nichts gebucht. Arbeit mit Rückabwicklungen hatten wir aber ohne Ende. Arbeit, die nicht bezahlt wird“, so die Büroleiterin. Trotzdem merke sie, dass die Menschen wieder reisen wollen. Kroatien, Spanien und Griechenland seien in den vergangenen Tagen immer wieder gebucht worden.

Haben Bianca Pintar und ihre Kollegen den Kunden bislang schöne Poollandschaften, hervorragende Büffets oder erstklassige Hotels empfohlen, kommen jetzt viele Hinweise und Warnungen hinzu. Wo darf man aktuell überhaupt einreisen? Wie schaut es mit Rückholaktionen aus? Geht überhaupt ein Flieger? Welche Hygienemaßnahmen muss man wo beachten? Braucht es einen Coronatest? „Es ist alles anders. Dennoch haben wir Anfragen für Juli und August“, sagt die Reise-Expertin. Geld ist aber erst mit einer Buchung verdient.

Und Buchungen sind auch bei Helmut Hellebrand im Reisebüro „Pink Point“ in Gundelfingen Mangelware. Der Inhaber sagt es deutlich: „Es geht nichts. Und ich kann neue Buchungen ins Ausland mit Flug nicht mit ruhigem Gewissen empfehlen. Ich persönlich würde mich definitiv nicht einen Flieger setzen. Außerdem gibt es eh nicht viel.“ Auch Hellebrand hat angepasste Öffnungszeiten, er sei mobil aber jederzeit erreichbar. „Wenn die große Weltreise im nächsten Jahr gebucht werden will, bin ich natürlich erreichbar“, sagt er – mit Schmunzeln und ein wenig Hoffnung. Denn den Sommer habe er abgehackt. Er hofft, dass seine Kunden im Winter den Urlaub für 2021 buchen.

Kroatien, Spanien oder doch lieber Deutschland?

Zwar hatte er in den vergangenen Wochen immer wieder Anfragen und vereinzelte Buchungen. Wenn er aber aufkläre, welche Hygienemaßnahmen und Regelungen es in welchem Land wie zu beachten gebe, hätten viele schon keine Lust mehr – überteuerte Angebote würden hinzukommen. Hellebrand sagt: „Ein Haus an der Nordsee oder der Ostsee in den Ferien? Gibt es so gut wie nicht. Oder kostet das Doppelte.“ Reisen nach Kroatien seien dafür gefragt, „aber wie lange noch? Die Corona-Zahlen steigen“.

Der Gundelfinger Reise-Experte kritisiert, dass aktuell der Eindruck erweckt werde, dass man wieder beliebig Reisen buchen kann. „Das sind Luftblasen, die ausgetreten werden. Es gibt immer noch so gut wie nichts. Und so lange man nicht definitiv weiß, ob man aus einem Land wieder zurückkommt, ist es ein völliges Risiko“, so Hellebrand. Die Folge für ihn persönlich: „Buchungen werden storniert, die Provision, die ich erhalten habe, wird zurückgebucht oder gibt es erst gar nicht. Außer Kosten nichts.“ Sein Reisebüro werde überleben, sagt er. „Ich bin relativ klein, mich trifft es vielleicht nicht so wie die großen Büros. Aber all zu lange darf es für uns alle so nicht weitergehen.“

Das betont auch Stefanie Benaczek von „Reisepoint Treff“ mit Filialen in Höchstädt und Dillingen. „Momentan wird gebucht und wieder storniert. Irgendwann bricht das jedem Reisebüro das Genick. Ich hoffe einfach, dass sich die Lage stabilisiert und wir nicht immer ins Blaue arbeiten. Wir brauchen eine klare Linie, die kann man aber aktuell von niemanden erwarten.“ Die Gesundheit jedes Einzelnen – weltweit – stehe im Vordergrund, aber die Folgen in der Corona-Krise dürfe man nicht vergessen. Die Reise-Expertin nennt als Beispiel die zigtausenden Mitarbeiter der Kreuzfahrtbranche. „Die haben alle kein Einkommen mehr“, so Benaczek. Auch sie selbst habe Existenzängste. Es sei ein tägliches Auf und Ab.

Dramatische Situation auch im Landkreis Dillingen

Denn, so schildert sie es, es gab in den vergangenen Tagen tatsächlich „einige“ Neubuchungen. Die Menschen würde es wegziehen. Entweder mit dem Auto oder mit dem Flieger ins nahe europäische Ausland. Wobei sogenannte „erdgebundene Kurzurlaube“ klar überwiegen würden. Die Expertin sagt: „Auf diese Buchungen sind wir auch angewiesen. Wir bauen darauf, dass unsere Kunden an uns denken und solche kleinen Reisen nicht selbst im Internet buchen.“

Und wer mit dem Auto in den Sommerurlaub fährt, der muss sich nicht nur auf Deutschland begrenzen. Aktuell zumindest. „Und möglicherweise ist die Autoreise ins umliegende Ausland gerade entspannter als Urlaub in Deutschland“, sagt Stefanie Benaczek. Die Strände bei uns seien komplett voll und „viel zu viele Menschen auf einem Fleck“. In Kroatien sei aktuell beispielsweise viel weniger als üblich los. „Aber alles, was jetzt und heute gilt, muss beim Antritt des Urlaubes nicht mehr gelten“, sagt sie weiter. Deshalb beschreibt die Experten die Situation der Reisebranche mit einem Wort: „Dramatisch.“

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