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Ziertheim

19.01.2019

Das geheime Versteck im Ziertheimer Pfarrhof

Das Ziertheimer Pfarrhaus wurde 1719 erbaut. Bis zum Jahr 2007 war es im Eigentum des Fürsten von Thurn und Taxis.
Bild: Eugen Zacher

Wie ein frommer Geistlicher einem getürmten Soldaten half, das erzählen die Pfarrer in Ziertheim bis heute ihren Nachfolgern weiter.

Zu Beginn des Jahres widmen wir uns alten Sagen aus dem Landkreis Dillingen. Einige sind einem größeren Leserkreis bekannt – etwa die Erzählung von den Dillinger Biberstehlern – andere kennen nur wenige. In der heutigen Folge geht es heute um das Franzosenloch. Die Sage hat uns Eugen Zacher aus Ziertheim zugesandt.

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Bestimmt könnte das Pfarrhaus, ein altes ehrwürdiges Gebäude in Ziertheim viel erzählen, wurde es doch vor genau dreihundert Jahren, nämlich 1719 durch die Initiative der Äbte des Kloster Neresheim erbaut. Aber eine ganz besondere Geschichte, die höchstens noch den älteren, betagten Ziertheimer Einwohnern und Mitbürgern in unserer Gegend bekannt ist, dürfte das Geheimnis um das Franzosenloch in dieser Baulichkeit sein. Wie kommt es zu dieser Bezeichnung und was wird darüber erzählt?

Eine verwinkelte Nische im Ziertheimer Pfarrhaus

Im Erdgeschoss des Pfarrhauses, wenn man den Gang ganz nach hinten geht, im letzten zur rechten Seite liegenden Raum, befindet sich eine verwinkelte Nische. Es wird erzählt, dass beim Durchzug des Franzosenheeres mit Napoleon vom württembergischen Eglingen, Demmingen kommend nach Dillingen im August des Jahres 1796, ein verzweifelter französischer Soldat von den Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten des Krieges genug hatte und kurz entschlossen seine Heereseinheit verließ. Der Mann türmte, um dem schlimmen Treiben zu entgehen und nicht im Krieg sterben zu müssen.

Nach Verstecken in umliegenden Wäldern und Fluren kam er wohl ausgehungert, durchnässt und niedergeschlagen nachts im Ziertheimer Pfarrhaus an und bat um Einlass und Hilfe. Der damalige Ziertheimer Pfarrer Alois Klaus, der aus geschichtlichen Aufzeichnungen als sehr hilfsbereit und fromm beschrieben wird, und ein Mentor des Regens Johann Evangelist Wagner war, hatte Erbarmen mit ihm und öffnete sein Pfarrhaus für den Hilfesuchenden. Er flehte den Geistlichen an, ihn zu verstecken, bis die französischen Truppen weitergezogen sind. Der Priester hatte Erbarmen mit dem Deserteur und versteckte ihn kurzerhand in der Nische unter einem Treppenaufgang. Zur Tarnung schob er einen Schrank davor.

Ein Epitaph an der südlichen Kirchenfassade von St. Veronika erinnert an Pfarrer Alois Klaus. Der Zusatz Kamerer nennt den priesterlichen Titel. Diese Amtsbezeichnung für Priester gibt es heute auch noch, allerdings schreibt man diese inzwischen Kammerer.
Bild: Eugen Zacher

Der Deserteur wurde nicht entdeckt

Natürlich musste der Kirchenmann den Ausreißer unter strengster Geheimhaltung längere Zeit versorgen und verköstigen und um sein leibliches Wohl besorgt sein. Es ist anzunehmen, dass dies keine leichte Aufgabe war, nachdem die französische Soldateska, in der Gegend einquartiert, alles durchsuchte, plünderte und raubte. Doch die Aktion ist gelungen, das Versteck und der Deserteur wurden nicht entdeckt und gefunden, ansonsten wären wohl beide, der Pfarrer und der fahnenflüchtige Franzose, hingerichtet worden.

Es wird erzählt, dass sich dieses Ereignis wirklich zugetragen habe. Die Ziertheimer Pfarrherrn haben diese Geschichte immer an ihren Nachfolger weitergegeben und das geheimnisvolle Versteck im Pfarrhof dabei immer als Franzosenloch bezeichnet. Auf einem Epitaph an der südlichen Kirchenfassade ist ersichtlich, dass Pfarrer Alois Klaus sehr viel Gutes getan habe und ein sehr frommer, stiller Mann gewesen sei. (za)

Im Rahmen unserer Sagen-Serie bereits erschienen:

Blindheim: Warum nennt man Blindheimer "Bleede"?

Gundelfingen: Wie die Gundelfinger zu ihrem Necknamen kamen

Kesseltal: Eine große Katze und ein totes Mädchen

Dillingen: Als die Biberstehler im Kloster Maria Medingen einfielen

Lauingen: Ein großer Schimmel rettet den Bürgermeister

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