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Unterglauheim

08.07.2020

Dramatische Rettung: So viel Glück hatte der ausgesetzte Säugling

Im Juli 2019 ist in Unterglauheim ein Säugling ausgesetzt worden. Der Junge lag mehr als 30 Stunden alleine und völlig unbekleidet in hohem Gras.
Bild: Arno Burgi, dpa (Symbol)

Plus Eine 32-Jährige hat ihr Kind in Unterglauheim ausgesetzt. Im Prozess kommen Details ans Licht. Der Junge überlebte nur mit viel Glück - und dank seiner Retter.

Der Säugling, der in Unterglauheim ausgesetzt worden war, hatte Glück. Enormes Glück. Das wurde am zweiten Prozesstag vor dem Augsburger Landgericht nochmals deutlich. Neben der Mutter sagte am Mittwoch unter anderem auch der Anwohner aus, der das Findelkind im Juli 2019 entdeckt hat.

Ausgesetzter Säugling überlebte nur mit viel Glück

Seine Frau hatte an diesem Tag frei, was den Tagesrhythmus verändert hat. Normalerweise geht der Mann morgens mit den beiden Hunden nach draußen. An diesem Tag habe ihn die Ehefrau mittags gebeten, Gassi zu gehen. Weil er schnell wieder nach Hause wollte, ging er nicht seine angestammte Strecke, sondern eine kürzere, entlang eines wenig frequentierten Weges neben der Wiese am Ortsrand von Unterglauheim. „Normalerweise kommt hier niemand vorbei“, betont der Mann. „Außer vielleicht mal ein Bauer, der die Wiese mäht.“ Als er dann ein Wimmern hörte, dachte der Mann zunächst an Katzenbabys und ging weiter. Doch erneut kam aus dem Gras ein Geräusch, diesmal lauter. Jetzt ging der Spaziergänger der Sache nach – und entdeckte den Säugling in der Wiese, Ameisen krabbelten über den kleinen Körper (hier lesen Sie mehr zur Rettung).

Anwohner entdeckt Säugling: "Normal findet das Baby niemand"

Zweimal strich er dem Bub mit dem Finger über den Bauch, dann rannte er los und holte seine Frau. Die machte sich auf zur Wiese und fand nach kurzer Zeit den Bub am Boden. Sie solle ihn so lassen, wie sie ihn vorfindet, hatte ihr Mann ihr gesagt – für die Spurensicherung der Polizei. Doch das Findelkind war augenscheinlich in einem derart schlechten Zustand, dass der Frau sofort klar war: Hier geht es um Leben und Tod. Sie wickelte das Baby in eine Decke ein und brachte es zusammen mit einer Nachbarin eilig ins Haus. Nach und nach trafen die alarmierten Rettungskräfte ein und kümmerten sich um den völlig unterkühlten Säugling. Angesichts der Umstände, die nötig waren, damit er den Jungen entdeckte, sagt der Finder: „Das Baby hat Riesenglück gehabt. Ich bin einfach nur froh, dass es überlebt hat.“ Auch seine Frau ist sich sicher: „Normal findet das Baby niemand.“

Unterglauheim: Temperatur des Säuglings nicht mehr messbar

Wie dramatisch dessen Zustand war, schildert die Kindernotärztin, die damals mit dem Hubschrauber im Blindheimer Ortsteil landete. Demnach sei die Körperkerntemperatur des Jungen derart niedrig gewesen, dass sie nicht einmal messbar war – also wohl geringer als 27 Grad Celsius. Der Bub erlitt in den mehr als 30 Stunden, in denen er nackt unter freiem Himmel lag, zwar einen Sonnenbrand, der einer Verbrennung ersten Grades gleichkam. Doch die Hitze rettete angesichts der zunehmenden Unterkühlung möglicherweise das Leben des Säuglings, so die Ärztin. Auch die Herzfrequenz sei mit 75 für ein Neugeborenes viel zu niedrig gewesen. Die geringe Sauerstoffsättigung zeigte sich daran, dass der Junge blau angelaufen war. Auch musste er dringend etwas zu essen bekommen. Die Ärztin tröpfelte sofort eine Zuckerlösung in den Mund des Säuglings. Die Medizinerin betont, dass der Junge in diesem Zustand wohl nicht mehr lange auf der Wiese überlebt hätte.

Nachdem der Bub gefunden wurde, befragte die Polizei Anwohner in Unterglauheim. Der Hinweis einer Familie brachte sie auf die Spur der 32-Jährigen aus dem Kreis Dillingen. Die Nachbarn hatten die Frau am Tag nach der Geburt an der Wiese gesehen. Die Mutter gab in ihrer Aussage vor Gericht zu, nochmals in die Nähe des Jungen gegangen zu sein, ohne sich jedoch um ihn zu kümmern.

Im Rahmen des Prozesses wird mehr und mehr deutlich, dass die Angeklagte geistig zurückgeblieben ist. „Sie versteht zum Teil gar nicht, was um sie herum vor Gericht passiert“, sagt Verteidigerin Cornelia McCready über ihre Mandantin. Immer wieder müsse man ihr Fragen im Prozess erklären.

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08.07.2020

Das Wort "Glück" in der Überschrift zu erwähnen ist mehr als gewagt. Schon wieder wieder wird versucht eine Täterin medial zu schützen.

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