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Dillingen

22.07.2020

Ein Kleinod erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Eine Oase mitten in Dillingen ist das „Künstlerhaus Lothar Schätzl“ mit seinem parkähnlichen Garten. Mitglieder der Kulturerbe-Bayern-Stiftung und der Lothar-Schätzl-Stiftung (Foto) arbeiten daran, dass hier ein offenes Haus für die Kultur entsteht: (von links) Felicitas Söhner, Rudolf Himpsl, Oberbürgermeister Frank Kunz, Dagmar Dietrich, Alexander von Hornstein, Albrecht und Ingrid Witte, Alfred Saur, Landtagsabgeordneter Georg Winter und Werner Bosch präsentierten das Projekt.
Bild: Berthold Veh

Plus Mitten in der Kreisstadt steht das „Künstlerhaus Lothar Schätzl“, das viele Dillinger gar nicht kennen. Zwei Stiftungen öffnen nun das verborgene Anwesen des großen Malers für Gäste. Startschuss ist am Sonntag mit dem ersten Event

Es ist ein mystischer Ort mitten in Dillingen, den vermutlich die wenigsten Bewohner der Kreisstadt kennen. Das fast immer verschlossene Holztor in der Konviktstraße 7 lässt beim Vorbeigehen wenig Aufregendes vermuten. Doch dahinter befindet sich ein kleines Paradies.

Ein 3000 Quadratmeter großer, parkähnlicher Garten

Durchs Tor gelangen Besucher in einen etwa 3000 Quadratmeter großen, parkähnlichen Garten, der einen umwerfenden Blick auf die Akademie, die Studienkirche und die Basilika freigibt. Der Weg führt an Sträuchern und Buchs vorbei zu dem Haus, in dem einst der Künstler Lothar Schätzl (1914 bis 2006) gelebt und gearbeitet hat. Dessen 2017 verstorbener Sohn, der den gleichen Namen wie sein Vater trug, hat in seinem Testament die Gründung der Lothar-Schätzl-Stiftung verfügt. Sie soll den Nachlass des Künstlers, der unter anderem mehr als 2000 Porträts gemalt und dabei auch Legenden wie den Schauspieler Johannes Heesters im Bild verewigt hat, erhalten. Dabei wird das denkmalgeschützte Wohnhaus Schätzls aus einem Dornröschenschlaf erweckt. Das „Künstlerhaus Lothar Schätzl“ soll nun ein lebendiger Kulturort werden. Startschuss ist am kommenden Sonntag, 26. Juli, mit einer Jazz-Matinee.

Die Kulturerbe-Bayern-Stiftung und die Lothar-Schätzl-Stiftung wollen das Künstlerhaus in der Konviktstraße 7 zu einem kulturellen Treffpunkt machen.
42 Bilder
Hier sehen Sie das "Künstlerhaus Lothar Schätzl"
Bild: Berthold Veh

Das Projekt haben jetzt die Stiftung Kulturerbe Bayern und die von ihr treuhänderisch geführte Lothar-Schätzl-Stiftung präsentiert. Kulturerbe-Bayern-Stiftungsvorstandsmitglied Alexander von Hornstein ist beseelt von dem Vorhaben. „Wir haben dieses versteckte Juwel in Dillingen wachgeküsst“, sagt von Hornstein. Als Kunst- und Kulturzentrum soll es ein echter Anlaufpunkt für Dillingen, die Region und darüber hinaus werden.

Dagmar Dietrich, Vorsitzende der Lothar-Schätzl-Stiftung, mit einem Selbstbildnis des Dillinger Malers.

So als ob Schätzl den Pinsel erst beiseite gelegt hätte

Viele Erinnerungen mit dem Anwesen verbindet Dagmar Dietrich. Die Kunsthistorikerin ist die Lebensgefährtin des Schätzl-Sohns Lothar, der sich als Architekt der Baukunst verschrieben hatte, und inzwischen Vorsitzende der von ihm ins Leben gerufenen Stiftung. Sie führt die Gäste ins Künstlerhaus, das eine Wirkung entfaltet, als ob der 2006 verstorbene Maler den Pinsel erst eben beiseitegelegt hätte. Denn in seinem Atelier im ersten Stock des 1889 im Stil der niederländischen Neo-Renaissance erbauten Hauses liegen noch die Farbtuben neben Wassergläsern herum. Auf einer Staffelei ist das halb fertige Gemälde eines etwas verstörten Kindes zu sehen, das offensichtlich wenig Begeisterung darüber empfand, dass es vom großen Meister gemalt wurde. An der Wand hängt unter anderem ein Bild von Bissingen, denn Schätzl malte auch gerne Landschaften und Stadtansichten, eine Büste des Gelehrten Johann Andreas Schmeller steht auf einem Schränkchen. So fängt einen Schätzls Welt nach und nach ein.

Auch für ehemalige Schüler des Kunsterziehers am Sailer-Gymnasium gibt es viel Neues zu entdecken. Dagmar Dietrich zeigt auf die Nussknacker, die der Künstler in großer Zahl gefertigt hat. Skurrile Figuren mit expressionistischen Anklängen sind dabei. Die Bibliothek im Erdgeschoss schaut ebenfalls so aus, als ob Schätzl gerade erst nach draußen gegangen wäre. Besucher werden dies bald in Führungen erleben können. Sie sehen dann einige der 800 Zeichnungen und Vorskizzen für Porträts, die in dem Haus lagern. Dagmar Dietrich, die in München lebt, hat mit dem Ordnen des Materials begonnen.

Farbtuben, Pinsel, Wasserglas – im Atelier schaut es so aus, als ob Lothar Schätzl den Raum eben verlassen hätte.
Bild: Berthold Veh

Die Planungen für den Umbau des Dillinger Künstlerhauses laufen

Die Kunsthistorikerin führt zurück ins Foyer und einen Nebenraum, in dem derzeit noch viel Gerümpel steht. Dort ist ein Umbau geplant, die Planungen laufen. Es soll ein Saal mit 70 Plätzen geschaffen werden, in dem kulturelle Veranstaltungen stattfinden können. Neben Kunstausstellungen könnten dies Konzerte, Lesungen, Kabaretts oder Workshops sein. „Spannend, inspirierend, zauberhaft“, so soll das Künstlerhaus nach Worten der Vorsitzenden der Lothar-Schätzl-Stiftung werden. Oberbürgermeister Frank Kunz zeigt sich beeindruckt von dem „wunderbaren Gebäude“. Er dankt allen, die dazu beigetragen haben, dass es nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, und sichert die langfristige Unterstützung der Stadt bei dem Kulturprojekt zu. Das Künstlerhaus werde eine Bereicherung für Dillingen sein. So sieht es auch der Landtagsabgeordnete Georg Winter. Er spricht von einem „Glücksfall für Dillingen“.

Am Samstag gibt es ein erstes Lebenszeichen

Ein erstes Lebenszeichen gibt das Künstlerhaus Lothar Schätzl am Sonntag, 26. Juli, mit einer Jazz-Matinee. Das Andy-Weiß-Trio (Andy Weiß, Gitarre, Wolfgang Düthorn, Kontrabass, und Peter Stenzel, Klarinette und Rhythmusgitarre) spielt ab 11 Uhr im Garten Gipsy-Swing im Stil von Django Reinhardt. Der Eintritt ist frei, Besucher erreichen das Anwesen über das Tor in der Konviktstraße 7.

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Das Werk Lothar Schätzls
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Das Werk Lothar Schätzls
Bild: privat
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