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Gundelfingen

23.01.2020

Fasching in Corona-Zeiten: Gundelfingen setzt mit Gemüse ein Zeichen

Die Gundelfinger Narren haben sich etwas Besonderes überlegt: Sie haben einen Gemüsebaum. Bewacht wird dieser von den Hexen Gundolfix und Gundolfina.
Foto: Tanja Ferrari

Plus Der Fasching muss ausfallen. Kein Grund für die Gundelfinger, komplett auf den Brauch zu verzichten. Tanzende Karotten sollen die Stimmung heben und Menschen in Not helfen.

Vielerorts ist der Christbaum längst verschwunden. Nicht aber in Gundelfingen. Das Exemplar vor dem Rathaus zieht sogar ungewöhnlich viele Blicke auf sich. Der Grund: Rosenkohl, Karotten und Rotkohl trägt er seit einigen Tagen als neuen Schmuck. Eine ungewöhnliche Aktion. Die Idee stammt vom Historischen Bürgerverein der Stadt. Der Gemüse-Narrenbaum, so das Ziel, soll ein bisschen Freude in die trüben Tage bringen und zeigen, dass der Fasching trotz Corona nicht vergessen ist. Heuer findet deshalb die erste närrische Gesundheitssaison statt.

Was 2021 an Fasching in Gundelfingen geboten ist

„Frohsinn, Vitamine und Vernunft gegen das Coronavirus“, so lautet deshalb das Motto in Gundelfingen. Der Fasching muss bleiben, findet Walter Hieber. Wenn auch heuer in anderer Form. Das soll längst nicht nur der elf Meter hohe Gemüse-Narrenbaum schaffen. Mit dem Gumpigen Donnerstag beginnt die Gundelfinger Gemüsekur, die bis zum Faschingsdienstag andauern soll. Passend dazu gibt die Stadthexe Gundolfina pünktlich um 12 Uhr jeden Tag über Lautsprecher ganz allgemeine Gesundheitsratschläge. Und auch die Gärtnereien sind mit am Start und geben in dieser Woche einen närrischen Rabatt von elf Prozent. Außerdem führt schon jetzt die Möhrengasse mit vielen tanzenden Plüsch-Figuren Schaulustige zum Gemüse-Narrenbaum inmitten der Stadt. „Närrisch sein – hoch das Bein, tanzen kann man auch alleine“, lautet der Spruch der Rüben.

Traditionell darf Kesselfleisch am Gumpigen Donnerstag in Gundelfingen nicht fehlen. Auch hier gibt es heuer eine coronakonforme Aktion. Dafür hat der Verein die Sonnenmetzgerei Anton Kempter ins Boot geholt, erzählt Elke Wagenhuber, die an den Planungen beteiligt war. Diese, verrät sie, spendet dann auch an alle Kinder in der Kita, im Kindergarten und im Kinderheim in Gundelfingen einen Krapfen. „Das gehört einfach dazu und ist schwäbisches Brauchtum“, freut sich Wagenhuber.

Gundelfinger spenden an Bedürftige

Dass die Gundelfinger auch in diesem schweren Tagen zusammenhalten, zeigen sie außerdem mit einer zusätzlichen Spendenaktion. Einen besonderen Faschingsorden gibt es dafür bei der Rathausbäckerei Vogt. Drauf zu sehen ist das Gemüsetrio bestehend aus Bauer Kohlkopf, Prinz Weißkraut und König Kartoffel. Der Erlös geht an die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung.

Mit einem Corona-Orden zur Faschingszeit hilft Gundelfingen Menschen in Not. Der Erlös geht an die Kartei der Not.
Foto: Tanja Ferrari

„Wir müssen in diesen Tagen auch an diejenigen denken, die es nicht so gut haben“, betont Hieber. Außergewöhnliche Zeiten, findet er, verlangten nach außergewöhnlichen Aktionen. Hätte es Corona nicht gegeben, wäre das wohl alles nicht entstanden, sagt er. Alte Bräuche müsse man schützen und deshalb habe sich der Historische Bürgerverein etwas einfallen lassen. Trotz Pandemie muss so der Fasching nicht komplett ausfallen. Hieber ist zufrieden mit der Aktion: „Wir besinnen uns damit wieder auf unsere alten Wurzeln und kommen weg von den immer größer werdenden Faschingswagen.“

Der Fasching als Brauchtum darf nicht verloren gehen

Ähnlich sieht es auch Elke Wagenhuber. Gundelfingen sei unter normalen Umständen eine Narrenhochburg. Dass der Fasching als Kulturgut weitergegeben wird, ist der ehemaligen Grundschullehrerin eine Herzensangelegenheit. „Das geht auch mit Abstand – den Kindern zuliebe“, sagt sie. Dass die ungewöhnliche Aktion des Vereins bei den Menschen gut ankommt, habe sie bereits beim Schmücken des Baumes bemerkt. „Viele Menschen, die einkaufen waren sind stehen geblieben und haben sich darüber gefreut, dass etwas passiert“, erklärt sie.

Und auch Rathauschefin Miriam Gruß freut sich über den ungewöhnlichen Baum vor ihrem Fenster und die geplanten Aktionen des Historischen Bürgervereins. „Die Zeiten waren und sind gerade schwer“, sagt sie. Umso wichtiger sei es, dass Gundelfingen trotzdem zusammenstehe und zusammenhalte. Der besondere Narrenbaum voller Gemüse und alle geplanten Aktionen sollen zeigen, dass die positiven Gedanken, Wünsche und auch der Optimismus von der Gärtnerstadt hinaus in den ganzen Landkreis getragen werden könne.

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