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Dillingen

04.06.2019

Immer mehr Kinder im Landkreis Dillingen kommen in Obhut

Im Dillinger Landratsamt gingen im vergangenen Jahr besonders viele Meldungen über vermeintliche Kindeswohlgefährdungen ein.

Im vergangenen Jahr gingen im Kreis Dillingen so viele Meldungen über Kindeswohlgefährdungen ein wie noch nie. Und nicht alle waren unberechtigt, im Gegenteil.

Ein Anruf beim Amt für Jugend und Familie kann gewaltige Auswirkungen haben. Meldet zum Beispiel dort jemand eine mögliche Kindeswohlgefährdung, wird dem nachgegangen. Zwei pädagogische Fachkräfte müssen eine Einschätzung vornehmen, ob an der Meldung etwas dran ist, oder nicht. Gehen die Experten von einer Kindeswohlgefährdung aus, muss das Kind in Obhut genommen werden oder es müssen beim Familiengericht Eingriffe in das elterliche Sorgerecht angeregt werden. Jugendamtsleiter Michael Wagner stellte am Montagnachmittag im Jugendhilfe-Ausschuss seinen Geschäftsbericht vor.

Bei jeder zweiten Mitteilung lag eine Kindeswohlgefährdung vor

Und dabei fällt vor allem eine Nachricht auf: Im vergangenen Jahr nun hat sich die Zahl der Meldungen über eine Kindeswohlgefährdung im Landkreis Dillingen mehr als verdoppelt. 169 Fälle (2017: 70) wurden beim Jugendamt angegeben – und alle von der Behörde geprüft. Betroffen von den Meldungen waren 261 Kinder. Bei 71, das sind 27 Prozent, lag tatsächlich eine akute Gefährdung des Kindeswohls vor. Weitere 59 Kinder, 23 Prozent, waren von einer latenten Kindeswohlgefährdung betroffen. Insgesamt lag also bei jeder zweiten Mitteilung tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung vor. 53 Prozent der betroffenen Kinder waren Buben, 47 Prozent Mädchen. Auch die Zahl der Inobhutnahmen ist mit 25 im Vergleich zu 17 im Vorjahr deutlich angestiegen. Zunehmend werde auch Kindeswohlgefährdungen in Asylbewerberfamilien nachgegangen. Grundlegende Erziehungsregeln, wie etwa das Verbot, Kinder zu schlagen oder die Schulpflicht, würde manchen Eltern erst mal vermittelt werden müssen.

Sowohl Landrat Schrell als auch Wagner vermuten, dass immer mehr Meldungen über das Thema eingehen, weil die Menschen dafür sensibilisiert sind. Zudem steige der tatsächliche Hilfebedarf. Das Jugendamt beobachte eine Zunahme psychischer Belastungen und Erkrankungen bei Kindern, Jugendlichen und Eltern. Manchmal melden sich aber auch Eltern, die den Umgang ihres Kindes mit dem geschiedenen Partner verhindern wollen und bezichtigen ihn deswegen der Kindeswohlgefährdung. In diesem Jahr würden sich die Meldungen wieder in einem normalen Maß einpendeln. Dagegen würden sozialpädagogische Familienhilfen immer mehr gebraucht. „Wir machen viel – und immer mehr präventiv.“

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Abschied vom Dillinger Jugendamt

Wagner hatte auch gute Nachrichten dabei: So wird inzwischen auch in Dillingen die Baby- und Kleinkindersprechstunde angeboten. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, betreuen Tagesmütter nun auch Kinder über drei Jahren. Das betreute Wohnen sei gut angelaufen, ebenso wie das Projekt „Finde deinen Weg“ (wir berichteten).

Es war Wagners letzter Auftritt im Jugendhilfeausschuss, weil er zum 1. Juli aus privaten Gründen nach Memmingen wechseln wird. Stephan Borggreve, Geschäftsführer der Dillinger Caritas und Stefan Wolk als Vertreter der Schulen dankten dem scheidenden Jugendamtsleiter und seinem gesamten Team ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit auch bei teils „happigen“ Fällen, wie Schwester Maria Elisabeth, Leiterin des Gundelfinger Kinderheimes ergänzte. Ihr war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht nur Kinder ins Heim kommen, sondern dieses zum Teil auch Richtung Pflegefamilie verlassen können. „Das ist ein Erfolg für die Zukunftsgestaltung des Kindes.“

Lesen Sie dazu auch:

So sieht das Dillinger Landratsamt inzwischen aus

Und unsere Serie über die Jugendhilfe im Landkreis Dillingen:

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