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Lauingen
09.08.2019

Warum St. Martin in Lauingen ein "historisch bedingter Einzelfall“ ist

Wer übernimmt die Kosten für Sanierungen des Martinsmünsters? Wegen eines Vertrages von 1531 ist das die Stadt Lauingen. Die hoch verschuldete Kommune will nicht mehr für Sanierungen der Kirche aufkommen. Aktuell steht die Turmdachsanierung an, die Kostenschätzung liegt bei 347.000 Euro.
Foto: Jakob Stadler (Archiv)

Die Baulast für das Lauinger Martinsmünster liegt bei der Stadt, nicht bei der Kirche. Wie das Bistum Augsburg die aktuelle Diskussion um die Übernahme von Kosten für die Sanierung sieht.

Die Stadt Lauingen ist wegen eines fast 500 Jahre alten Vertrages der Baulastträger des Martinsmünsters. Die Sanierungen kosten die Stadt in unregelmäßigen Abständen hohe Summen – aktuell steht etwa die Turmdachsanierung an, für die die Kosten auf 347000 Euro geschätzt werden. Bei der Stadtratssitzung Ende Juli war die Baulast wieder ein Thema, denn die Stadt, die mit rund 20 Millionen Euro verschuldet ist, muss Geld sparen. Die Stadt will nun juristisch prüfen lassen, ob die Grundlage dieser alten Vereinbarung noch gültig sein kann (lesen Sie hier mehr dazu).

St. Martin Lauingen: Verpflichtung geht auf das Jahr 1531 zurück

Nun hat sich auch das Bistum Augsburg zu Wort gemeldet. Das erklärt, im Bereich der Diözese gebe es rund 1000 Pfarrgemeinden, in deren Eigentum sich mehr als 2000 Kirchen und Kapellen befinden. Etwa die Hälfte davon seien Pfarrkirchen, die anderen Filial- und Wallfahrtskirchen. Darüber hinaus gebe es weitere rund 2100 Kapellen und Bildstöcke (diese lassen sich laut Bistum nicht immer klar von einer Kapelle abgrenzen), von denen sich ein erheblicher Teil in Privatbesitz befindet. Was die rund 2000 Kirchen und Kapellen im Eigentum der örtlichen Kirchenstiftung betreffe, liegt bistumsweit in 18 Fällen die Baulast bei der Kommune. Dafür gebe es verschiedenste historische Gründe. Dementsprechend liegen den kommunalen Baupflichten unterschiedliche Rechtstitel zugrunde, die verfassungsrechtlich geschützt sind und bis heute Gültigkeit haben, heißt es vonseiten des Bistums.

Im Falle von Lauingen ist das zum Beispiel eine Verpflichtung, die auf einen Kaufvertrag aus dem Jahr 1531 mit dem Kloster Ettal (also nicht mit der Diözese Augsburg) zurückreicht. Wie das Bistum betont, wurde dieser von der Stadt bislang nicht bestritten – Lauingen ist immer seiner Baulastverpflichtung nachgekommen. Diese kommunalen Baulasten bedeuten jedoch nicht, dass es seitens kirchlicher Rechtsträger (also der Kirchenverwaltung und der Diözese) bei solchen Bauvorhaben keine finanzielle Beteiligung gebe.

Diözese beteiligt sich mit freiwilligem Zuschuss

Das lasse sich am Beispiel Lauingen verdeutlichen: Bei der letzten größeren Gesamtsanierung (1986–1990) beliefen sich die Kosten auf etwa 2,3 Millionen Euro. Die Diözese Augsburg hat hierfür einen Zuschuss von 460000 Euro aus diözesanen Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellt. Außerdem hat die Diözese der Stadt Lauingen ein zinsloses Darlehen in Höhe von 409.000 Euro gewährt. Zudem gab es damals Drittzuschüsse in Höhe von 430.000 Euro. Inwieweit der Stadt damals auch Zuschüsse seitens der örtlichen Kirchenstiftung gewährt wurden, entziehe sich der Kenntnis des Bistums.

Und auch bei den aktuellen Baumaßnahmen am Turm des Martinsmünsters werde sich die Diözese wieder mit einem freiwilligen Zuschuss beteiligen. Dieser sei im Laufe des Projekts von zunächst 22000 Euro (maximal zehn Prozent der Gesamtkosten) auf mittlerweile maximal 55.000 Euro (25 Prozent der tatsächlich anfallenden Kosten) erhöht worden.

Bei anderen Baumaßnahmen in Lauingen werden beziehungsweise wurden ebenfalls erhebliche kirchliche Mittel eingebracht, erklärt das Bistum: So sieht der Finanzierungsplan für eine Baumaßnahme an der Andreaskirche (veranschlagt mit 186.000 Euro) 76.200 Euro aus Mitteln der örtlichen Kirchenstiftung und 74.600 Euro aus diözesanen Haushaltsmitteln vor. An der Restaurierung der Orgel in der Martinskirche hat sich die Kirchenstiftung mit 295.300 Euro beteiligt. Die Diözese gewährte für das insgesamt mit 577.000 Euro veranschlagte Projekt einen Sonderzuschuss in Höhe von 200.000 Euro. Zudem wurden im Jahr 2017 seitens des Bischöflichen Stuhls die Kosten für die Restaurierung des Albertus-Magnus-Denkmals vor dem Rathaus in voller Höhe übernommen.

Lauingen ist ein historisch bedingter Einzelfall

Wie das Bistum erklärt, zeige das Beispiel Lauingen: Es handelt sich um historisch bedingte Einzelfälle, die seitens der Diözese stets auch als solche betrachtet werden. Die Diözese und auch die örtlichen Kirchenstiftungen werden zudem auch weiterhin wie bereits in den vergangenen Jahrzehnten bei Bauvorhaben erhebliche Zuschüsse leisten.

Sollte es zu einer Bereinigung solcher Baulastverhältnisse kommen, würde dies im Rahmen eines Vergleichs zwischen der örtlichen Kirchenstiftung und der politischen Gemeinde erfolgen, heißt es vonseiten des Bistums. Unbestrittene Baulasten – und das sei auch in Lauingen der Fall – seien von der Diözese Augsburg jedoch in der Vergangenheit grundsätzlich nicht abgelöst worden. (jako mit pm)

Lesen Sie hier die Hintergründe zu diesem Thema: Alter Vertrag: Lauingen will nicht mehr für Kirche zahlen

Hier finden Sie zu diesem Thema einen Kommentar: Martinsmünster: Lauingen sollte sich von dieser Last befreien

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