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Medizin

09.02.2012

Mit Schweineherzen rettet er Leben

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Dr. Paolo Brenner

Dr. Paolo Brenner ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Herzchirurgie. Seine Wurzeln hat der Arzt in Bissingen

Bissingen In Bissingen groß geworden, in Donauwörth das Gymnasium besucht, in Dillingen seinen Wehrdienst abgeleistet. Diese Eckdaten, insbesondere aber seine enge Bindung an sein Elternhaus, verbinden Professor Dr. Paolo Brenner mit seiner Heimat. Beruflich indessen fand der 45-jährige Herzchirurg seine Heimat in der Klinik Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität. Nach seinem Studium spezialisierte er sich auf den Bereich der Herzchirurgie und hatte hier von Anfang an einen engen Kontakt zu Professor Dr. Bruno Reichart, einem weltweit anerkannten Spezialisten für Herztransplantationen. Mit 40 Jahren bereits zum Oberarzt und fünf Jahre später zum Professor ernannt, hat sich der dreifache Vater, in Neuried wohnend, mittlerweile wie sein Mentor Professor Reichart weltweites Renommee in seinem Fachgebiet erarbeitet.

„Rund 70 Prozent meiner Arbeit ist nach wie vor Klinikarbeit im Operationssaal“, erklärt er. Daneben unterrichtet er aber auch Medizinstudenten an der Ludwig-Maximilians-Universität und überschlägt, dass er etwa 20 Prozent seiner Arbeitszeit, die nichts mit einer 40-Stunden-Woche zu tun hat, für Forschung und Vorträge aufwendet. Bei Kongressen in Vancouver oder San Diego referierte Prof. Brenner unter anderem im vergangenen Jahr. Er kann auch schon mehr als 50 eigene, englischsprachige Publikationen als Fachautor vorweisen und konnte bereits drei internationale Forschungspreise für seine Tätigkeit entgegennehmen.

Je nach Bedarf greift er, nicht selten um das Leben seiner Patienten zu retten, auf ganz unterschiedliche Verfahren zurück. Eine von dem Amerikaner Robert Jarvik entwickelte, daumengroße Turbinen-Axialpumpe beispielsweise wird direkt in die linke Herzkammer von Patienten mit unheilbaren Herzerkrankungen, der Herzinsuffizienz, eingesetzt. Derzeit wird dies vor allem dann erwogen, wenn ein geeignetes Spenderherz nicht zur Verfügung steht, manchmal auch um die Zeit bis zu einer Transplantation zu überbrücken.

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Tierische Organe in menschliche Körper transplantieren

„Das Ganze funktioniert dann als Linksherz-Unterstützungssystem wie eine Mini-Tauchpumpe, die Blut ansaugt und dieses in die absteigende Hauptschlagader transportiert“, so Prof. Brenner. Die Patienten kommen nach ihrer Entlassung lediglich einmal pro Monat in die Sprechstunde und sind ansonsten hochmobil, gehen ihrer Arbeit nach, betreiben ihre Hobbys und fahren in Urlaub. Ein weiteres Verfahren beschäftigt den Mediziner schon seit mehr als 15 Jahren: die sogenannte Xenotransplantation, also die Übertragung tierischer Organe in menschliche Körper.

„Bei der Übertragung von Schweineherzen im Huckepackverfahren, also, ohne dass das menschliche Herz entfernt wird, haben wir am Klinikum Großhadern inzwischen weltweit die größte Erfahrung“, sagt er über sein Spezialgebiet, zu welchem er dank seiner Forschungen auch mehrere europäische Patente sein eigen nennen kann. Das Herz des Patienten bleibt dabei im Übrigen für den Fall einer Abstoßung des Transplantats im Körper. Wenn es gelingt, die Übertragung von Schweineherzen in menschliche Körper zu perfektionieren, haben die Herzchirurgen eine riesige Ressource an Zellen und Organen und es ist dann keine Fiktion mehr, auch Nieren, Lungen oder die Insulin produzierenden Inselzellen zur Behandlung von Diabetikern zu transplantieren.

Weil es gegenwärtig viel zu wenig Spenderorgane gibt, sterben viele Patienten, die auf der Warteliste stehen. Alleine bei den Herzpatienten, die ein Spenderorgan benötigen, sind es rund ein Fünftel. Nicht alle Menschen wissen zudem, dass Patienten, die älter als 65 Jahre sind oder an schweren zusätzlichen Krankheiten wie Diabetes leiden, überhaupt keinen Platz auf dieser Warteliste erhalten.

Um Letzteren zu helfen, haben Prof. Bruno Reichart und Prof. Paolo Brenner in Zusammenarbeit mit mehreren Kollegen in München und Hannover sowie mit dem Paul-Ehrlich- und dem Robert-Koch-Institut ein Konsortium gegründet, das mit der Xenotransplantation eine neue Schlüsseltechnologie in diesem Bereich schafft. Da man hierbei auch die Antikörper im Blut herausfiltern muss, entwickelte Prof. Brenner ein neues Verfahren, das er wiederum patentieren ließ.

„Es kommt immer wieder vor, dass ich Patienten aus Nordschwaben, Augsburg oder dem Allgäu operiere“, meint der Herzspezialist. Aber egal, woher seine Patienten stammen, er arbeitet selbst mit ganzem Herzen daran, ihnen das Leben zu retten oder es zumindest eine ganze Reihe von Jahren zu verlängern, so Brenner.

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