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Landkreis Dillingen

13.07.2020

Mülltrennen, das können wir im Landkreis Dillingen!

Ob das in die braune Tonne darf? Jein! Gemüseabfälle wie der übriggebliebene Salat kann in den Biobehälter, wie auch andere Reste, etwa Zwiebel- und Kartoffelschalen. Die transparente Plastikbox dagegen auf gar keinen Fall. Auch nicht Biokunststoff-Verpackungen, die eine lange Zersetzungszeit aufweisen.
Bild: Günter Stauch

Plus Im Nachbarlandkreis Augsburg Land gibt es „Abfall-Spione“. Im Landkreis Dillingen dagegen nicht. Warum?

Abfall-Detektoren zum Aufspüren „falschen“ Mülls, wie sie vor rund drei Wochen im Augsburger Land eingeführt wurden, wird es in der Region zwischen Donau und Zusam nicht geben. Darauf hat jetzt mit Gerhard Wiedemann der Werkleiter beim Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben (AWV) hingewiesen. Aber warum braucht es das bei uns nicht? Ist bei uns in den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries die Disziplin beim Mülltrennen größer?

Im Großraum Augsburg gibt es zunächst eine Gelbe Karte

Seit dem 22. Juni gibt es im Großraum Augsburg die „Gelbe Karte“, wenn erstmals sogenannte Störstoffe wie Plastik, Metall oder Restmüll im braunen Behälter, der Biotonne, gelandet sind. Im September soll beim wiederholten Mal sogar die „Rote Karte“ gezückt sowie die Leerung verweigert werden.

Werkleiter Wiedemann: Wir haben keine großen Probleme

„Wir haben da keine großen Probleme“, betont Gerhard Wiedemann beim Umgang mit dem speziellen Container, den sich jeder Verbraucher freiwillig vors Gartentor stellen kann. Dort können Materialien verschiedenster Art von A wie Apfelsinenschalen bis Z wie zerkleinerte Zweige abgelagert werden, Genauso wie Kaffeesatz, Obstabfälle, Sägemehl, Wildkräuter, Laub- und Grasschnitt. Die Tonnen, laut AWV von rund 60 Prozent der Kunden benutzt, werden zwischen April und November im Wochentakt bedient. Ihnen bietet der Verband, der vor über viereinhalb Jahrzehnten von den beiden Landkreisen Dillingen an der Donau und Donau-Ries gegründet wurde, auch besondere Schwerkraftschlösser samt zwei Schlüsseln zum Kauf oder zur Nachrüstung an. Der Hintergrund: Schutz vor „Fremdbefüllung“, auf die der Anbieter ausdrücklich hinweist. Kommt einer der sechs vom AWV beauftragten Abholdienste mit seinem Transporter vorbei, öffnet das Sicherungssystem den Behälter aufgrund seines eigenen Gewichts.

Doch den kurzen Kontroll-Blick, den sich die Mitarbeiter schon mal herausnehmen, scheinen die Bürger in der Region nicht fürchten zu müssen. „Die Mentalität hier stimmt einfach“, glaubt Entsorgungschef Wiedemann, wenn er an sein 230.000 Einwohner umfassendes Einzugsgebiet denkt: Es reicht von Gundelfingen und Zöschingen im Westen, über Nördlingen und Wemding im Norden, Rain am Lech im Osten sowie Villenbach und Glött im Süden. Dort wird buchstäblich viel Müll gemacht, fast 200.000 Tonnen. Jedes Jahr müssen bis zu fünf Millionen mal Tonnen geleert werden. In der hohen Abfallmenge stecken auch die „Entsorgungsdienstleistungen“ der fast vier Dutzend Recyclinghöfe, über 300 Containerstationen und rund 70 Grünabfallsammelplätze sowie zweier Deponien. Diesem „bürgerfreundlichen Angebot“ (Wiedemann) fürs ganze Entsorgungsgebiet setzen die Leute offenbar gewissenhaftes Vorgehen beim Müllsortieren in den eigenen vier Wänden entgegen.

Im Kreis Dillingen wird "ordentlich und sauber" vorgegangen

Das scheint nach Einschätzung des Werkleiters erst recht für das Areal zwischen Syrgenstein und Buttenwiesen zu gelten. Das hat seiner Ansicht zufolge auch mit dem dörflichen Charakter sowie den fehlenden Großstädten zu tun. „Hier wird ordentlich und sauber vorgegangen“, freut sich der ehemalige Student der physikalischen Chemie.

Wohlwissend um die Stoffe-Vielfalt des Alltags und damit die Herausforderungen an den Verbraucher, setzt der heutige Diplom-Ingenieur mehr auf die Aufklärung denn um Technik wie die andernorts eingesetzten „Abfall-Spione“. Bei Letzterem „durchleuchten“ zwei Detektoren am Müllfahrzeug, die auf Basis der Magnetfeldtechnik arbeiten, den Müllkübel. Und schlagen Alarm bei allem, was metallisch leitfähig ist.

Detektoren wurden schon einmal getestet

Eben von solchen Warnsignalen hält Wiedemann recht wenig. Aus gutem Grund: Bereits vor 18 Jahren wurden sie zwischen Donauwörth und Tapfheim getestet, mit gemischten Ergebnissen. Zudem: „Die hohe Zahl der Falschmeldungen schreckt auch jene Bürger ab, die hier vorbildliche Trennung praktizieren.“ Das würden sie „weltmeisterlich“ tun, urteilt auch Kreisrat und Verbandsrat Joachim Hien (Grüne) in Anspielung darauf, wie die Deutschen beim Abfallsortieren von außen wahrgenommen werden. So richtig große Müllsünden werden im Landkreis denn auch kaum registriert, wie die Juristin beim Landratsamt, Christa Marx, gern bestätigt: „Da passieren keine schlimmen Sachen“, berichtet die Regierungsdirektorin und verweist auf einen Zwischenfall vor einigen Tagen, als Sperrmüllreste unter der Donaubrücke nahe des Dillinger Campingplatzes wild „gelagert“ wurden. Solche Aktionen seien nicht zuletzt wegen der Einrichtung der Recyclinghöfe mit großzügigen Öffnungszeiten fast verschwunden.

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