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Landkreis Dillingen

17.01.2019

Sorge trotz sensationell niedriger Arbeitslosigkeit

Bei den Firmen in der Region (hier bei der Montage von Enthärtungsanlagen bei Grünbeck in Höchstädt) läuft es derzeit rund. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Dillingen ist 2018 auf einen absoluten Tiefststand gesunken.
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Bei den Firmen in der Region (hier bei der Montage von Enthärtungsanlagen bei Grünbeck in Höchstädt) läuft es derzeit rund. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Dillingen ist 2018 auf einen absoluten Tiefststand gesunken.
Bild: Marcus Merk

Die Konjunktur in der Region brummt. Nur noch 972 Menschen waren 2018 durchschnittlich im Landkreis Dillingen arbeitslos gemeldet. Dennoch gibt es ein Problem.

Eigentlich müsste bei der Arbeitsagentur eitel Sonnenschein herrschen. Denn die Zahlen zur Arbeitslosenquote, die der operative Geschäftsführer Werner Möritz von der Agentur für Arbeit Donauwörth vorlegt, sind sensationell niedrig. „Wir blicken auf ein Jahr der Rekorde zurück“, sagt Möritz. Im Jahr 2018 konnte die Agentur zwölf Monate in Folge bei der Arbeitslosigkeit im Landkreis Dillingen „den absoluten Tiefststand“ verzeichnen. Im Durchschnitt waren 972 Menschen im Landkreis arbeitslos, 158 weniger als im Vorjahresschnitt. Die Arbeitslosenquote ging auf 1,8 Prozent zurück, das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als 2017. Und im Mai und im Juni 2018 sank die Quote sogar auf sagenhaft niedrige 1,5 Prozent. Aber nicht darunter, wie im Jahresrätsel unserer Heimatzeitung gefragt wurde.

Die Langzeitarbeitslosigkeit um 47 Prozent gesenkt

Noch deutlicher zeigt ein Zehnjahres-Vergleich, wie sich der Arbeitsmarkt in der Region entwickelt hat. Die Zahl der Arbeitslosen halbierte sich seit 2009 fast (minus 45,9 Prozent) – von 1798 auf inzwischen 972 Arbeitslose. Und auch die Langzeitarbeitslosigkeit (länger als ein Jahr) habe in diesem Zeitraum gar um „sensationelle 47 Prozent“ gesenkt werden können. Bei den Langzeitarbeitslosen sind mehr als 90 Prozent älter als 55 Jahre. Möritz meldet einen weiteren Rekordwert: Im Juni 2018, die neueste Zahl hatten 33873 Menschen im Landkreis Dillingen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – 834 mehr als im Jahr zuvor. Für 2019 sind die Arbeitsagentur-Mitarbeiter ebenfalls optimistisch. Der Aufschwung werde sich gebremst fortsetzen.

Die Konjunktur brummt also in der Region. Dennoch plagen Möritz, der beim Jahrespressegespräch in unserer Redaktion von der Dillinger Agenturleiterin Yvonne Ripper, dem Jobcenter-Chef Michael Künast und der Donauwörther Agentur-Sprecherin Inge Großkopf begleitet wird, einige Sorgen. Die Kehrseite der guten wirtschaftlichen Entwicklung zeige sich darin, dass die Agentur den Arbeitgebern oft keine geeigneten Bewerber mehr für eine Stelle anbieten kann. 80 Prozent der offenen Stellen, erklärt Möritz, seien auf Facharbeiter-Niveau oder darüber. Von den Arbeitslosen im Landkreis seien aber mehr als 40 Prozent Helfer. Auf zwei offene Facharbeiter-Stellen komme gegenwärtig im Schnitt nur ein Bewerber, hat auch die neue Leiterin der Arbeitsagentur in Dillingen, Yvonne Ripper, festgestellt. Und Möritz sagt: „Der Fachkräftemangel ist auch im Landkreis Dillingen in vielen Bereichen akut.“ Besonders betroffen seien das Handwerk, der Pflegebereich und der Verkauf.

Es gibt Geld für die Qualifizierung von Mitarbeitern

Ein Projekt hat sich die Donauwörther Arbeitsagentur, die für die Landkreise Dillingen, Donau-Ries, Günzburg und Neu-Ulm zuständig ist, 2019 ganz oben auf die Agenda geschrieben. „Unser großes Ziel ist die Qualifizierung“, sagt Möritz. Zum 1.1.2019 gebe es dafür zwei neue Gesetze: Das Teilhabe-Chancengesetz soll die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduzieren. Arbeitgeber, die einen Hartz-IV-Empfänger nach mindestens sechs Jahren Arbeitslosigkeit einstellen, bekommen im ersten Jahr 100 Prozent der Lohnkosten erstattet, im fünften Jahr immerhin noch 50 Prozent.

Große Bedeutung messen Möritz und seine Begleiter dem Qualifizierungs-Chancengesetz zu, das mithelfen könne, die große Herausforderung der Digitalisierung zu meistern. Viele Berufsfelder werden sich radikal wandeln, prophezeit Möritz. „Es geht jetzt darum, die Mitarbeiter auf diese Anforderungen der Zukunft vorzubereiten.“

Der operative Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Donauwörth warnt davor, viel über die Digitalisierung zu reden und wenig zu tun, denn dies könne verhängnisvolle Folgen haben. Durch das neue Gesetz werden beispielsweise die Weiterbildungskosten (Kurs mit mindestens 161 Stunden) von Mitarbeiterin in kleinen Unternehmen (weniger als zehn Beschäftigte), die vom Strukturwandel betroffen sind, bis zu 100 Prozent gefördert, bei Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern seien es immer noch bis zu 25 Prozent. Und sogar den Großunternehmen mit mehr als 2500 Beschäftigten zahle die Agentur immer noch bis zu 15 Prozent. Wer den Wandel nicht mitmache, werde möglicherweise von der Konkurrenz geschluckt, sagt Möritz. Oder es gehe einem einst wie einem Heizer auf der Dampflok. Er sei entweder verschwunden, oder er habe sich zum Lokführer weiterqualifiziert.

Über ihr Angebot informiert die Agentur für Arbeit in Dillingen unter Telefon 0800/4555520.

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